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Das rasante Wachstum der Katholiken in Norwegen

8. August 2018 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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Bischof von Oslo, der dem Klosterneuburger Chorherrenstift angehört, im Kathpress-Interview über seine katholische Migrantenkirche, Zuwanderung und das Verhältnis zur dominierenden lutherischen Kirche in Norwegen


Wien-Oslo (kath.net/KAP) Für einen nüchternen und damit auch entspannteren gesellschaftlichen Umgang mit Migration hat der Bischof von Oslo, Bernd Ivar Eidsvig, plädiert. Der Bischof, der dem Stift Klosterneuburg angehört, berichtete bei einem Besuch vor Ort im "Kathpress"-Gespräch über die Erfahrungen der katholischen Kirche in Norwegen, die eine klassische Migrantenkirche ist. Aber auch die Politik sei sich bewusst, dass das Land Migration brauche. Im Grunde gebe es in Norwegen die gleiche Situation wie auch in allen anderen west- und nordeuropäischen Ländern.

Die katholische Kirche in Norwegen verzeichnet ein rasantes Wachstum. Waren 2005 42.000 Katholiken im staatlichen Register verzeichnet, sind es nun bereits 177.0000. Und das seien nur etwa zwei Drittel aller im Land befindlichen katholischen Gläubigen, so der Bischof. Muslime gebe es in Norwegen etwas weniger als Katholiken. Der islamische Fundamentalismus sei vor Ort so gut wie kein Problem.

Nur 15 Prozent der Katholiken seiner Diözese seien in Norwegen geboren, erläuterte der Bischof. 50 Prozent kommen aus Polen, viele weitere Gläubige aus Litauen, den Philippinen, Vietnam, aber auch viele Tamilen und Menschen aus Südamerika lebten in Norwegen; sowohl klassische Migranten wie auch Flüchtlinge. "Die einen heiraten und bleiben im Land, die anderen gehen auch nach einigen Jahren wieder zurück in ihre Heimatländer", sagte der Bischof.

Die Seelsorge sei aufgrund der vielen Nationalitäten und Sprachen komplex, so Bischof Eidsvig. So gebe es allein in seiner Dompfarre in Oslo in den zwei zur Verfügung stehenden Kirchen jeden Sonntag insgesamt 14 Messen; in Norwegisch, Englisch, Polnisch, Spanisch, Französisch, Kroatisch und Vietnamesisch. Die Seelsorge sei vor allem nach Sprachgruppen organisiert. Die norwegischen Katholiken - "entweder die zweite oder dritte Generation mit Migrationshintergrund oder Konvertiten aus der lutherischen Kirchen" - hätten es da als Minderheit in der eigenen Kirche nicht immer leicht.


Problem Registrierungspraxis

In den vergangenen Jahren war die katholische Kirche wegen ihrer Registrierungspraxis in der Kritik und sogar vor Gericht gestanden. Vom Vorwurf des groben Betrugs wurde man zwar freigesprochen, die Kirche musste und hat aber ihre Praxis geändert. Der Hintergrund der Causa: In Norwegen gibt es keine Kirchensteuer. Stattdessen werden staatliche "Zuschüsse" für Kirchen und Religionsgemeinschaften entsprechend der Mitgliederzahl gezahlt. Die Mitglieder waren und sind dafür in staatliche Register einzutragen.

Das nationale Register weist nun 177.000 Katholiken auf. Das dürften aber - wie bereits gesagt - nur zwei Drittel aller im Land befindlichen Katholiken sein, so der Bischof: "Viele Vietnamesen sind zum Beispiel sehr ängstlich, sich registrieren zu lassen. Sie haben in ihrem Herkunftsland schlechte Erfahrungen gemacht, wo sie zum Teil vom Staat verfolgt wurden." Auch viele Polen wollten sich nicht registrieren lassen, aufgrund von Erfahrungen, die noch in die Zeit des Kommunismus zurückgehen. Andere wüssten wiederum schlicht nichts über diese Registrierung.

Kirchlich Verantwortliche registrierten schließlich in den vergangenen Jahren auch vermeintlich katholische Zuwanderer, ohne sich bei diesen eine Bestätigung geholt zu haben. Eine Praxis, die auch von der lutherischen Kirche angewendet wurde, so Eidsvig. "Als ich 2005 als Bischof nach Norwegen zurückkehrte, wurde ich gleich einmal automatisch als Lutheraner registriert, denn ich wurde in Norwegen geboren und habe einen norwegischen Namen. Das haben Verantwortliche in der Katholischen Kirche mit Einwanderern aus Polen beispielsweise dann auch so gemacht."

Mit dieser Praxis sei nun freilich Schluss. Nun müsse man für die Eintragung ins staatliche Register jeden Katholiken persönlich kontaktieren und dieser müsse seine Konfessionszugehörigkeit persönlich bestätigen. Nach wie vor gebe es aber auch Personen, die sich strikt nicht eintragen wollten, und das müsse man dann auch respektieren, so der Bischof.

71 Prozent der Norweger Lutheraner

Zwischen drei und vier Prozent der Einwohner Norwegens gehören zur Katholischen Kirche. Die Lutheraner machen hingegen 71 Prozent der Bevölkerung aus. Seit 1. Jänner 2018 ist die lutherische Kirche nicht mehr Staatskirche, in der Praxis aber natürlich die dominierende kirchliche Kraft im Land. Mit dem großen Bruder habe man ein gutes Verhältnis, so Bischof Eidsvig. Sein Eindruck: "Je stärker die Lutherische Kirche ist, umso besser geht es auch uns."

Man sei u.a. auch in 80 lutherischen Kirchen landesweit zu Gast und feiere hier katholische Gottesdienste. Anders wäre die Seelsorge nicht aufrecht zu erhalten. Die katholische Kirche lukriere über die staatlichen Zuschüsse rund 80 Prozent ihrer Einkünfte, erläuterte der Bischof. Das reiche so halbwegs, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Doch angesichts der zunehmenden Katholikenzahlen bräuchte man dringend mehr eigenen Kirche. Und dafür reiche das Geld nicht aus.

Ausnahmen bestätigten die Regel, so der Bischof, der auf das "Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken" verwies, von dem man "großzügig unterstützt" werde. So wäre etwa der 2016 fertiggestellte Bau des Doms in Trondheim ohne die Unterstützung dieses Hilfswerks nicht möglich gewesen.

Norwegischer Augustiner-Chorherr

Bischof Bernt Eidsvig gehört den Augustiner-Chorherren in Klosterneuburg an. Er war insgesamt 14 Jahre in verschiedenen Aufgabenbereichen für das Stift Klosterneuburg tätig gewesen. Eidsvig stammt aus der norwegischen Gemeinde Rjukan. Er konvertierte 1977 zur katholischen Kirche und wurde 1982 in Oslo zum Priester geweiht. 1990 ging Eidsvig nach Österreich. Er wurde im Stift Klosterneuburg eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Markus. Von 1992 bis 1996 war er Kaplan der Stiftspfarre Klosterneuburg, danach bis 2003 Pfarrer von St. Leopold in Klosterneuburg-Süd. Im Stift wirkte der Norweger seit 1996 als Novizenmeister, Kapitelrat und Kapitelsekretär. Im Juli 2005 ernannte Papst Benedikt XVI. Eidsvig zum Bischof von Oslo.

Das Engagement der Klosterneuburger Chorherren auf die Kirche in Norwegen beschränkt sich aber nicht auf Oslo. 2003 haben die Chorherren die katholische Pfarre in Bergen übernommen. Zwei Chorherren sind derzeit vor Ort. Rund 20.000 Katholiken gehören zur Pfarre, die 30.000 Quadratkilometer umfasst. "Und das bedeutet, dass manche Gläubige aus abgelegenen Orten bis zu sieben Stunden fahren müssen, um den Sonntagsgottesdienst besuchen zu können", verdeutlichte Bischof Eidsvig einmal mehr die Dringlichkeit neuer Kirchen.

Neben der Diözese Oslo gibt es in Norwegen noch zwei selbständige Prälaturen mit Bischöfen an der Spitze: Trondheim und Tromsö. Insgesamt wirken ca. 105 katholische Priester im Land.

Die Kirche in Norwegen ist Teil der "Nordischen Bischofskonferenz". Dieser gehören die katholischen Bischöfe von Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island an. Insgesamt gibt es in diesen Ländern rund 340.000 Katholiken, viele davon Einwanderer. Die Bischofskonferenz hielt zuletzt im Frühjahr 2016 eine ihrer regelmäßigen Sitzungen in Klosterneuburg ab. Konferenzsprache ist Deutsch. Erst im Juni diesen Jahres waren die nordischen Bischöfe zum Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan.

In Planung: Weitere Norwegen-Reise mit kath.net, mit Schweden, Finnland, Nordkap und Lofoten

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

Foto: (c) kath.net


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Lesermeinungen

 Stephaninus 8. August 2018 
 

noch eine kleine Kritik bei allem Erfreulichem

Dass der Bischof sagt, der katholischen Kirche gehe es dann gut, wenn es auch der lutherischen gut gehe, finde ich diskutabel. Warum sich als RKK mit dem Schicksal einer Kirche verbinden, die doch grosse Probleme hat.


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 lakota 8. August 2018 
 

@antony

Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund!
Dem ist nichts hinzuzufügen.


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 Stephaninus 8. August 2018 
 

@antony

Sie haben vollkommen recht. Dieses werfen, geht an der sehr diversen Realität vorbei und ist hie und da von politischem Kalkül. Im Übrigen sehen sich fern ihrer Heimat die Polen als Polen, die Italiener als Italiener, die Eritreer als Eritreer etc. und nicht primär als Migranten.


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 antony 8. August 2018 

Migration ist nicht gleich Migration

Wenn Bischof Eidsvig aufgrund seiner Erfahrungen für einen entspannteren Umgang mit Migration wirbt, dann wirft er zwei sehr unterschiedliche Dinge in einen Topf.

Es ist ein großer Unterschied, ob ein katholischer Pole nach Norwegen einwandert (sehr ähnliche Kultur), oder ein Vietnamese (erfahrungsgemäß sehr anpassungsbereit), oder ein Afghane (sehr unterschiedliche Kultur und Anpassungsbereitschaft).

In der öffentlichen Diskussion werden diese Dinge auch immer wieder gerne in einen Topf geworfen: Schlesier, die sich 1944 in West- und Mitteldeutschland angesiedelt haben, werden dann mit Syrern, die 2015 zu uns kamen, in einen Topf geworfen ("Es gibt ja auch viele Deutsche mit Migrationshintergrund").


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