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Norwegen: Arme Kirche in reichem Land

4. Dezember 2020 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Eindrücke vom nördlichsten Hilfsprojekt von „Kirche in Not“


München-Wien (kath.net/KIN)

von Sebastian Moll

Nördlich des Polarkreises ist nicht nur das Wetter rau und kalt, auch das religiöse Klima ist für die etwa 1000 Katholiken der Gemeinde Harstad auf der Insel Hinnøya im Norden Norwegens nicht immer angenehm. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt die Gemeinde beim Bau der Priesterwohnung und des Gemeindehauses, das 2015 einem Feuer zum Opfer fiel. Es ist das nördlichste Projekt des Hilfswerks.

Pfarrer Gunther Jäger kommt aus Deggendorf in Niederbayern. Die Herkunft kann man bis heute aus seinem Akzent heraushören, obwohl der Priester mittlerweile über die Hälfte seines Lebens in Norwegen verbracht hat. Als junger Mann ging er in ein Kloster der Augustiner-Chorherren im norwegischen Molde, anschließend absolvierte er seine Priesterausbildung in Schottland. Nach seiner Weihe kehrte er jedoch nicht ins Kloster zurück, sondern wollte als Gemeindepfarrer tätig sein. Vor fünf Jahren kam er in die Pfarrei St. Sunniva in Harstad, eine der nördlichsten Gemeinden des Erdballs, ungefähr 250 km nördlich des Polarkreises.


„Wir leben in der extremen Diaspora“, sagt Jäger. Die Situation sei nicht einfach. Harstad hat etwa 25 000 Einwohner, darunter etwa 250 Katholiken, also rund ein Prozent. Das ist noch geringer als der Anteil der Muslime. Während Gemeindehaus und Pfarrerwohnung wiederaufgebaut werden, wohnt Jäger in einem Nachbarhaus, in dessen Erdgeschoss sich auch die Moschee befindet. Rund 75 Prozent der Norweger gehören der evangelisch-lutherischen Volkskirche an, die meisten allerdings nur auf dem Papier. Die Teilnehmerzahl bei evangelischen Gottesdiensten liegt bei unter einem Prozent.

Gemeindemitglieder aus 52 Nationen

Jägers katholische Gemeinde ist multikulturell. Nur rund zehn Prozent der Mitglieder sind gebürtige Norweger, der Rest setzt sich aus 51 weiteren Nationen zusammen. Darunter befinden sich viele Arbeitsmigranten, beispielsweise aus Osteuropa, aber auch Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten. „Sie können sich vorstellen, welch gewaltige Umstellung ein Leben nördlich des Polarkreises für diese Menschen bedeutet“, erläutert Jäger. Man denke nur an die Polarnacht, die Mitte November beginnt und gut zwei Monate dauert – ein Leben ohne Tageslicht. Auch die Sprachunterschiede stellen eine große Herausforderung dar. Die Gemeinde bietet einen norwegischen Sprachkurs an. Eine Abendmesse im Monat wird auf Polnisch gefeiert, eine weitere auf Englisch. Die sonntäglichen Bibellesungen der Messe liegen in der Kirche ebenfalls in mehreren Sprachen aus.

Norwegen zählt zwar zu den reichsten Ländern der Erde, aber die kleine katholische Gemeinde merkt davon wenig. „Uns mangelt es an den nötigsten Dingen wie etwa liturgischen Geräten oder Büchern. Wir sind eine arme Kirche in einem reichen Land“, erklärt Pfarrer Jäger. Die aktuelle Corona-Pandemie hat diese Situation noch verschärft. „Wir sind sehr dankbar, dass ,Kirche in Not’ katechetisches Material in unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung stellt. Ebenso sind wir Ihnen zutiefst verbunden für die finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau unseres Gemeindezentrums.“

Seelsorge nah bei den Menschen

Allerdings spielt sich das Leben des Pfarrers häufig außerhalb des Kirchengebäudes ab. Das Gemeindegebiet umfasst weit mehr als nur die Stadt Harstad. „Mitunter bin ich über drei Stunden mit der Fähre unterwegs, um zu den Menschen zu gelangen. Vor Ort verfügen wir dann nicht über eigene Kirchengebäude, sondern mieten meist Säle der evangelischen Kirche oder anderer Einrichtungen für unsere Gottesdienste an“, erklärt Jäger.

Dennoch sieht er auch Vorteile seiner besonderen Gemeindesituation. „Die geographische Distanz zu den Gemeindegliedern mag groß sein, menschlich fühle ich mich ihnen umso näher. Ich habe kaum mit Verwaltung zu tun, sondern nehme unmittelbar am Leben der Menschen teil. Die geringe Größe unserer Gemeinde ermöglicht es mir, viel Zeit für individuelle Betreuung und Seelsorge aufzubringen.


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