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Paul VI. zu Lefebvre: „Dann leiten Sie doch die Kirche!“

18. Mai 2018 in Chronik, 42 Lesermeinungen
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In Italien sorgt das Buch "La barca di Paolo" des hochrangigen Vatikan-Prälaten Leonardo Sapienza für Aufregung, weil es überraschende Details aus der Amtszeit von Papst Paul VI. bietet.


Vatikan (kath.net)
In Italien sorgt das Buch "La barca di Paolo" des hochrangigen Vatikan-Prälaten Leonardo Sapienza für Aufregung, weil es überraschende Details aus der Amtszeit von Papst Paul VI. bietet. Dies berichtet "Vaticannews". Beispielsweise hatte der damalige Papst schon wenige Jahre nach seiner Wahl ein Rücktrittsschreiben für den Fall seiner Amtsunfähigkeit verfasst, davon haben viele Kardinäle gewusst. Interessant ist auch eine Unterhaltung mit Erzbischof Marcel Lefebvre. Bei einem Empfang im September 1976 in Castel Gandolfo meinte der Papst in einer sehr angespannte Atmosphäre: „Sie stufen ja den Papst als dem Glauben untreu ein – dann nehmen Sie doch meinen Platz ein und leiten Sie die Kirche!" Einig war Papst Paul VI. mit Lefebvre laut dem Buch darüber, dass bei der Umsetzung der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu „Missbräuchen“ gekommen sei. "Sie nehmen die Haltung eines Gegenpapstes ein", kritisierte das damalige Kirchenoberhaupt ihn aber. Und er habe ihn gefragt, ob er sich darüber im Klaren sei, „welchen Skandal und wieviel Schlechtes Sie der Kirche antun“.


Lefebvre soll anschließend eingeräumt haben, dass seine Schriften und Äußerungen womöglich „unangemessen“ seien. Er könne aber nicht gegen sein Gewissen handeln und meinte, dass mehrere Konzilsdokumente sich nicht mit der Tradition der Kirche vereinbaren ließen.

Der größte Streitpunkt war offensichtlich das Verbot der "Alten Messe". Für Lefebvre wäre alles wäre gelöst, wenn der Papst die Bischöfe dazu aufrufen würde, Kapellen in ihren Bistümern zuzulassen, wo die Gläubigen „wie vor dem Konzil“ beten könnten. Dieses Anliegen wurde aber von Paul VI. zurückgewiesen: „Wir sind eine Gemeinschaft, wir können es nicht zulassen, dass einige sich autonom verhalten." Nach dem Streit habe Paul VI. ein mehrtägiges Fasten durchgeführt. Er wollte damit den Schaden, den Lefebvre angerichtet hat, wieder gutmachen.

Papst Paul VI.: Audienz im Petersdom



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