Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie wird das „pro multis“ im neuen Messbuch übersetzt werden?
  2. Bischof Wilmer: "Wir wollen keinen deutschen Sonderweg"
  3. „Brot für die Vögel?“ – Können Protestanten zur Hl. Kommunion zugelassen werden?
  4. Bätzing gegen Papst Leo
  5. ‚Ein Doktor der Theologie hat keine Ahnung von der Auswirkung von Gruppeneffekten‘
  6. Der anderskatholische Papstkritiker
  7. Kardinal Fernández räumt geringes Interesse an seinem Dokument über Mission ein
  8. Scott Hahn: Die frühe Kirche war nicht protestantisch
  9. Revision des Messbuchs geht in nächste Phase - Erprobung 2027 geplant
  10. Musikerlegende Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan
  11. Drei Stunden im Fegefeuer
  12. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  13. Organspende? - Schweigen ist keine Zustimmung, Hirntod ist kein Tod im landläufigen Sinne
  14. Warum ausgerechnet ein Augustiner-Pater Patron der armen Seelen ist
  15. Die ersten US-Märtyrer für die Heiligkeit der Ehe: Seligsprechung der Märtyrer von Georgia

Warum Republikaner Donald Trump für einen guten Christen halten

6. Mai 2016 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nach seinem Sieg bei den Vorwahlen zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur im US-Bundesstaat Indiana ist Donald Trump in aussichtreichster Position. idea-Kommentar des Kirchenhistorikers Prof. Gerhard Besier.


Wetzlar (kath.net/idea) In den USA gibt es eine anhaltende Debatte darüber, ob der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, Donald Trump, ein Christ sei. Diese Frage ist in den USA wichtiger als hierzulande, weil 70 Prozent aller Wähler und 90 Prozent der Evangelikalen darauf bestehen, dass ihr Präsident ein streng religiöser Mensch sein muss. Seit Mitte Februar 2016 stellt sich die Frage in verschärfter Weise, weil kein geringerer als Papst Franziskus sich zu der Bemerkung gegenüber Reportern hinreißen ließ, wer die ganze Zeit – wie eben Trump – über den Bau von Mauern (um Einwanderer zu vermeiden) nachdenke und nicht über den von Brücken, der könne kein guter Christ sein. Nur Minuten danach kommentierte Trump, es sei unbarmherzig, wenn ein religiöser Führer den Glauben eines anderen Menschen in Frage stelle.

Welcher Kirche gehört Trump eigentlich an?

Tatsächlich hatten zahlreiche Beobachter in den USA erwartet, dass die kleine Nebenbemerkung den Siegeslauf des umstrittenen Kandidaten jäh beenden werde. Schließlich ist er in dritter Ehe verheiratet, befürwortet Geburtenkontrolle und äußert sich eher abfällig über Frauen, Farbige und Migranten. Seine liberalen Marktvorstellungen stehen im Widerspruch zu den Bedürfnissen der Schutzbedürftigen – der kleinen Leute wie der Armen –, und die Folter hält er für ein probates Mittel der Wahrheitsfindung. Überdies sind die Aussagen über seine Religionszugehörigkeit in den vergangenen Jahren recht widersprüchlich ausgefallen. Zunächst wurde berichtet, er gehöre der römisch-katholischen Kirche an, dann hieß es, er sei Mitglied der Niederländisch-reformierten Kirche, schließlich, er sei Presbyterianer (also reformiert). Aber seine dritte Frau heiratete er in einer (anglikanischen) Episkopalkirche. Trump selbst versichert jedem, der es hören will, dass er ein frommer Christ sei, die Bibel für das entscheidende Buch halte, er so oft wie möglich den Gottesdienst besuche und Religion die tollste Sache der Welt sei. Davon ausgenommen sei allerdings der Islam, den er für ein Problem hält, weil er so viel Hass in der Welt verbreite. Darum spreche er sich gegen die Einwanderung von Muslimen nach Amerika aus.


Viele rechneten mit dem raschen Ende …

Nach Trumps eher konfusen Bekenntnissen, seiner fragwürdigen Lebensführung, seinen wirren politischen Überzeugungen und der Kritik des Papstes an seinen Mauerfantasien rechneten viele mit einem raschen Ende seines Erfolges. Aber das Gegenteil trat ein, so dass sich einige Politikwissenschaftler fragten, was christliche Republikaner dazu veranlassen könnte, weiterhin auf Trump zu setzen. Nicht wenige halten ihm zugute, dass er kein professioneller Politiker ist und darum undiplomatisch sagt, was auch viele Wähler denken.

Sie sind es leid, sich von der politischen Klasse an der Nase herumführen zu lassen und wünschen sich einen Selfmademan wie Ronald Reagan, der jenseits der Politik seinen Mann gestanden hat, bevor er Präsident wurde. In Trump wollen sie unbedingt einen solchen Mann sehen. Aber Ronald Reagan bezeichnete sich unwidersprochen als wiedergeborener (also evangelischer) Christ. Damit kann Trump unmöglich aufwarten.

Man hört nur, was man hören will

Viele erklären die nach wie vor bestehende Unterstützung republikanischer Christen für Trump mit der Theorie, dass Sie zunächst einmal zugunsten „ihrer“ Partei und deren Kandidaten optieren. Um sich darin nicht irre machen zu lassen, nehmen sie neue Informationen über den Kandidaten nur insoweit auf, als sie in ihr Weltbild passen. Andernfalls müssten sie eines von beiden verändern: Die Position gegenüber dem Kandidaten und seiner Partei oder ihre eigene Haltung. Dazu sind Menschen aber oftmals nicht bereit.

Von diesem psychologischen Phänomen profitierte 1974 auch der republikanische Präsident Richard Nixon, als der Watergate-Skandal – die Aufdeckung von Missbräuchen durch seine Regierung seit 1969 – seine Karriere beendete und zu seinem Sturz führte. Während sich die Demokraten begierig auf die Enthüllungen stürzten, zeigten beachtliche Teile der Republikanischen Partei – besonders die aus dem Süden – eher Verständnis für Nixon und kritisierten die gegen ihn geführten Untersuchungen im Kongress. Während der Abtreibungsdebatte zwischen den 70er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts korrigierten die Wähler ihre Haltung zunehmend an der „ihrer“ Partei, um nicht in Widerspruch zu dieser zu geraten.

Eine Rechtfertigungsprozedur ist nötig

Christliche Wähler der Republikanischen Partei müssen im Falle Trumps noch einen weiteren Schritt tun, um ihre Überzeugungen mit denen des Kandidaten in Einklang zu bringen. Sie müssen sozusagen eine Rechtfertigungsprozedur vollziehen, die zeigen soll, dass ihre Unterstützung für Trump mit ihrem eigenen christlichen Wertesystem übereinstimmt. Am leichtesten ist es für sie, gegen alle Informationen und sogar gegen die Papst-Bemerkung zu behaupten, in Wahrheit sei Trump ein vielleicht missverstandener, letztlich aber doch guter Christ. Mit dieser Denkoperation beseitigen sie alle Widersprüche zwischen den eigenen Überzeugungen, ihrer Republikanischen Partei und deren aussichtsreichstem Kandidaten.

Würde das Amt Trump verändern?

Angenommen, Trump würde zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, könnte dann womöglich etwas eintreten, was für christliche Republikaner gar nicht, wohl aber für alle anderen Wähler eine Überraschung sein dürfte. Wie vor ihm viele andere Präsidenten verändert das Amt die Person, und Trump könnte - in den Stürmen der Weltpolitik - doch noch zu einem Christen werden, der sich auf Gottes Hilfe angewiesen weiß. Das heißt, er würde zu dem werden, den viele Evangelikale schon heute in ihm sehen.

Der Autor, Gerhard Besier (Dresden), ist habilitierter evangelischer Theologe, promovierter Historiker und Diplom-Psychologe. Er lehrt an verschiedenen europäischen Universitäten und an der Stanford-Universität in Kalifornien.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

USA

  1. Nach Wahlsieg der Demokraten in Texas: Christen und Lebensschützer kämpferisch
  2. Karmelitinnen in Pennsylvania bauen von Hand ein Kloster für 1.000 Jahre
  3. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich
  4. USA: Kontenschließungen von Banken bei Lebensschutz- und konservativen Gruppen
  5. 100. Stadt in den USA verbietet Abtreibungen
  6. US-Demokraten planen Abtreibung bis zur Geburt bei Wahlsieg im November
  7. USA: Frauen klagen Planned Parenthood wegen Druck in Richtung Abtreibung
  8. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  9. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  10. Eucharistische Evangelisationsbewegung ‚Adore Him‘ in den USA







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Regensburger Bischof Voderholzer: „Jungen Menschen zuhören und Perspektiven aufzeigen“
  3. Die ersten US-Märtyrer für die Heiligkeit der Ehe: Seligsprechung der Märtyrer von Georgia
  4. Revision des Messbuchs geht in nächste Phase - Erprobung 2027 geplant
  5. Neuer Visitator für Medjugorje: Cavina folgt auf Cavalli
  6. Der Tod unter dem Horizont der Auferstehung und die Hoffnung auf das ewige Leben
  7. Der katholische Osten in der Analyse
  8. „Die Kirche gewinnt an Kraft dank eines Anstiegs bei den Konversionen zum Katholizismus“
  9. Manuel Ostermann: „Ich möchte hier widersprechen, liebes WDR“
  10. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  11. Sozialbeauftragter des Papstes bringt Spenden in die Ukraine
  12. IMABE: Sterbehilfe-Entwicklung in Belgien wirft Fragen auf
  13. ‚Lieber ein ‚Fanatiker‘ als ein Verräter für Kataris und Dschihadisten‘
  14. Benedikt XVI.: „Wir fragen uns jedoch: Warum empfinden wir Angst vor dem Tod?“
  15. Kirchenhistoriker Wolf: Erwarte von Leo XIV. in Sachen Kirchenreform nichts

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz