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Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum

vor 2 Stunden in Kommentar, keine Lesermeinung
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Ein Teil des Synodalen Weges ist vorüber. Nun geht es in die nächste Phase dieses völlig sinnlosen Formats, das mit den realen Sorgen und Problemen der Kirche im Land so rein gar nichts zu tun hat - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Die letzte Sitzung des Synodalen Weges ist geschafft. Keine Bange, das Ding ist nicht vorbei. Es gab lediglich einen Auftrag an die Vollversammlung, die bisher gefassten Beschlüsse des Synodalen Weges zu evaluieren und zu monitorisieren. Eine stark geschrumpfte Synodalversammlung von gerade noch 154 Teilnehmern fand sich dazu in Stuttgart in einem Luxushotel ein, um von Donnerstag nachmittags bis Samstag mittags noch mal Synodaler Weg zu spielen. Der längst gescheiterte Prozess, der allerdings subkutan in den Ordinariaten sein Unwesen weiter treibt, lief noch einmal zu Hochtouren auf. Es durfte wieder im Minutentakt geredet werden und Abstimmungen gab es auch wieder. Hurra!

Zuvor erklärte uns der (noch) Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass es gar keine Spaltung der Kirche in Deutschland gebe, vielmehr hätten sich einige Gläubige ja selbst isoliert. Gemeint waren damit natürlich Kritiker des Synodalen Weges, von denen es unter Bischöfen, Priester und Laien sehr viele gibt. Isoliert hat sich jedoch vielmehr sowohl auf ekklesiologischer, anthropologischer, moraltheologischer und teils auch dogmatischer Ebene jener spezielle Teil der Kirche in Deutschland, den man auf griffige Weise Synodaler Weg nennen könnte, und hätte damit eine gute Zuschreibung.

Der Bischof von Fulda, Michael Gerber, rückte die Kirche vor dem Synodalen Weg so nahe an die NS-Herrschaft, dass man gerade eben noch keinen Nazivergleich konstatieren kann. Die Kirche in Deutschland habe, so Gerber, in ähnlicher Weise wie die Gesellschaft in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die die systemischen Ursachen für das Entstehen der NS-Herrschaft untersuchen und tilgen musste, ihrerseits die systemischen Ursachen für den sexuellen Missbrauch angehen müssen. Ein kurzer Moment der Schnappatmung ist angesichts dieser Perfidie erlaubt.

Der vorletzte Akt der letzten Synodalversammlung nahm dann die Bischöfe final in Geiselhaft der Laienfunktionäre. Es wurde beschlossen, dass die Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges künftig in den Diözesen transparent untersucht werden wird. Die Bischöfe unterstehen damit, wie es Kardinal Marx ausdrückte, einem Aufsichtsgremium, also etwas, das Rom gerade nicht wollte. Nun hat der Erzbischof von München eben jene Geister an der Backe, die er selbst rief. Bischöfe müssen sich nun ihren diözesanen synodalen Gremien gegenüber rechtfertigen, wenn sie Beschlüsse nicht, nur teilweise oder anders umsetzen. Kaum anzunehmen, dass episkopaler Ungehorsam nicht im künftigen obersten deutschen Kirchensowjet thematisiert wird, der derzeit unter dem Namen Synodalkonferenz firmiert und noch gar nicht so richtig unter Dach und Fach ist. Dort wird man ungehorsamen Bischöfen schon die Flötentöne beibringen.


Diese Synodalkonferenz, also die Satzung, muss die Deutsche Bischofskonferenz Ende März erst einmal beschließen. Dazu ist dem Vernehmen nach eine Zweidrittelmehrheit nötig. Es könnte also die Stunde der Weihbischöfe sein. Man mache sich allerdings nichts vor, das wird nicht geschehen. Zu hart und nachdrücklich sind die Drohszenarien, die im Raum stehen, wenn die Mitraträger nicht spuren. Nach Verabschiedung durch die deutschen Bischöfe ist das Gremium aber immer noch nicht in trockenen Tüchern, denn danach liegt der Ball in Rom. Der Papst muss die Satzung genehmigen. Hier darf man ernsthaft hoffen, dass dem Spuk ein Ende gesetzt wird, denn die Satzung ist dem Grunde nach nicht genehmigungsfähig. Geht sie durch, ist der Weg vorgezeichnet, bis die Funktionäre vom ZdK die Hoheit über den Haushalt des VDD haben. Keine Frage, dieser ist derzeit nicht sonderlich groß, doch er wird wachsen. Und die Funktionäre haben durchaus schon Fantasien entwickelt, wie man die Kirchensteuer erhöhen kann. Auch wenn das Gremium als solches noch vollkommen in der Schwebe hängt, steht bereits der Termin für die erste Versammlung, und die letzte Synodalversammlung hat dem Präsidium eine faktisch unbrauchbare Wahlordnung verpasst, die so viele Quoten enthält, dass man am besten gleich – man verzeihe die Polemik – nur queere, weibliche Mitglieder von muttersprachlichen Gemeinden, die unter 30 sind, zur Wahl aufstellt.

Nun bleibt noch die Frage, was passiert, wenn Rom die Synodalkonferenz ablehnt. Für den Fall hat die Präsidentin des umstrittenen „ZdK“ heute schon in der Abschlusspressekonferenz auf eine Frage in diese Richtung eine Art Antwort im Tenor „Dann aber erst recht!“ ins Mikrophon gefaucht.

Es wird in den nächsten Tagen und Wochen noch eine Menge zum nun, zumindest in Gestalt der Vollversammlung, abgeschlossenen Synodalen Weg zu sagen sein. Die Delegierten haben der Welt und der Kirche und überhaupt noch ein schrecklich nichtssagendes Abschiedsdokument zugemutet, über das auch noch zu schreiben sein wird. Es kann ein Fazit gezogen werden, dass maßgebliche Ziele des Revolutionsprozesses nicht erreicht wurden. Es gibt keine weiblichen Priester und Ordinatio sacerdotalis ist immer noch de fide. Gleiches gilt für Diakoninnen. Auch die wird es nicht geben. Es gibt keine katholische Ehe für alle und die Moraltheologie gilt unverändert. Auch wenn man glaubte, sich bei allen Frauen entschuldigen zu müssen, die unter dem Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung gelitten haben, so kann man nur sagen, die säkulare Welt hat längst kapiert, dass Paul VI. mit Humanae vitae wohl richtiger lag, als man dachte. Kirchenfunktionär*glucks*Innen (mwd) sind da ihrer Zeit etwas hinterher. Doch man mache sich nichts vor. Die Genderideologie ist ebenso wie die LGBTQI+-Agenda tief in die Kirche vorgedrungen. Gleiches gilt für die brisante Sexualpädagogik im Gefolge von Helmut Kenteler, die in aller Selbstverständlichkeit in kirchliche Papiere zur Sexualerziehung in Kitas und Schulen Einzug gehalten hat. Ein einschlägiges Papier der Schulkommission der DBK war zuvor im Ständigen Rat gescheitert und wurde so durch die Hintertür in die Welt gesetzt. Ähnlich perfide kam ein Papier zu Segnungen irregulärer Partnerschaften still und heimlich während der Sedisvakanz in Rom im vergangenen Jahr in die Welt. Wer wissen will, wie der Synodale Weg weitergeht, findet hier die Modelle. Bürokraten lancieren offizielle oder offiziöse Papiere, nach denen dann zu handeln ist. Für den Fortgang des Synodalen Weges sind die sogenannten synodalen Gremien auf allen Ebenen der Kirche schon längst nur noch nützliche Organe der Legitimierung nicht legitimierbarer Positionen und Handlungsanweisungen.

Die Agenda ist weit fortgeschritten, was vor allem deshalb möglich ist, weil sich kirchenintern niemand dafür interessiert. An der Basis kam der Synodale Weg so gut wie nie an. Dort hat man andere Sorgen. Durch den Schwund der praktizierenden Gläubigen werden Kirchen geschlossen, Messen gestrichen und kirchliches Leben zum Erliegen gebracht. Die Kirche des Synodalen Weges ereignet sich nicht in Dörfern des Sauerlandes oder des Westerwaldes. Diese Kirche findet dort statt, wo die Kirche noch ein Player ist, in den Sozialkonzernen, der Kinder- und Altenbetreuung, in den Krankenhäusern und den Schulen. Während den Gemeinden vor Ort eine Sparrunde nach der nächsten zugemutet wird, verzeichnen die kirchlichen Verwaltungen im Gleichschritt mit den kirchlichen Unternehmen einen Wachstumsschub nach dem nächsten. Reiche Diözesen werden immer reicher, weil die Vermögenswerte automatisch wachsen und nicht realisiert werden können. Gleichzeitig sinken auch dort die Einnahmen und es lohnt immer ein Blick ins Bistum Essen, um zu lernen, was der eigenen Diözese in fünf bis zehn Jahren bevorsteht. Essen will in den kommenden Jahren bei einem derzeitigen Haushaltsvolumen von 276 Millionen Euro rund 50 Millionen einsparen. Diese 20 Prozent Einsparungen sind auch die Latte, auf die sich andere Bistümer werden einstellen müssen.

Spätestens an dieser Stelle sollte die im Grandhotel tagende Spiegelfechterei namens Synodaler Weg entlarvt sein. Die Kirche in Deutschland hat längst blankgezogen. Keine Priester, riesige Austrittszahlen, sinkende Einnahmen, und in manchen Diözesen steht in den kommenden Jahren rechnerisch jedes dritte kirchliche Gebäude zum Verkauf. Schaut man auf die kirchliche Wirklichkeit in unserem Land und hört sich dann noch einmal die Debatten des Synodalen Weges an, dann kann man nur erahnen, wie weit das Paralleluniversum entfernt sein muss, in dem sich Funktionäre und Bischöfe aufhalten. So froh man sein kann, dass das Vollversammlungsgetöse vorbei ist, dass einen immer zwei bis drei Arbeitstage kostet, so sehr muss man leider gestehen, es ist noch lange nicht vorbei. Sorry to say!

Bild oben: Sechste und letzte Vollversammlung des Synodalen Weges in Deutschland. Foto: © Synodaler Weg / Marko Orlovic


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