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11. August 2015 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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"Eine Brücke zwischen Anglikanern und Katholiken" - Vor 125 Jahren starb der englische Kardinal John Henry Newman - Von Thomas Jansen (KNA)


Bonn/Birmingham (kath.net/KNA) «Ihre Gemeinschaft ist von der Häresie angesteckt; wir müssen uns davor hüten wie vor der Pest.» Mit eindringlichen Worten warnte John Henry Newman seine anglikanischen Glaubensgenossen noch 1833 vor der katholischen Kirche. Zwölf Jahre später, am 9. Oktober 1845, war von Häresie keine Rede mehr: Der Geistliche und vormalige Pfarrer der Oxforder Universitätskirche trat zu eben jener Kirche über, die er zuvor noch der Irrlehre bezichtigt hatte. Vor 125 Jahren, am 11. August 1890, starb Newman, 89-jährig und hochdekoriert. Und mittlerweile gilt er längst als «Brücke zwischen Anglikanern und Katholiken» und wird von beiden Konfessionen gleichermaßen verehrt.

In seiner neuen geistlichen Heimat machte der Konvertit schon bald eine beachtliche Karriere. Deren Höhepunkte waren 1879 die Kardinalserhebung durch Papst Leo XXIII. (1878-1903) - sowie 2010 seine Seligsprechung durch Papst Benedikt XVI. in Birmingham.

Wie wurde ein hochgebildeter Anglikaner, für den die katholische Kirche ursprünglich ein Feindbild war, zu einem ihrer berühmtesten Theologen, zu einem «Kirchenlehrer der Neuzeit»? Newman hatte kein Damaskus-Erlebnis. Zunächst war er in der anglikanischen Kirche ein führender Vertreter des sogenannten mittleren Weges. Der Anglikanismus stellte für ihn eine Art Kompromiss zwischen Katholizismus und Protestantismus dar. Ersterem warf er vor, sich durch Zusätze und Irrtümer von der Alten Kirche entfernt zu haben. An letzterem bemängelte er, dass Wahrheiten der Alten Kirche verworfen worden seien. War die Heilswahrheit also stets in der Goldenen Mitte zu finden? Für Newman war diese Antwort auf Dauer unbefriedigend.


«Die Väter haben mich katholisch gemacht», schrieb er im Rückblick. Immer mehr kam er zu der Einsicht, dass nur die katholische Kirche den Glauben in seiner Ganzheit über die Jahrhunderte hinweg getreu bewahrt habe. Als er im hohen Alter von 89 Jahren in Birmingham starb, war er schließlich einer der angesehensten katholischen Theologen seiner Zeit. Dennoch war er in der katholischen Kirche auch Anfeindungen ausgesetzt. Kritiker warfen ihm vor, ein «Liberaler» zu sein.

Nach seinem Übertritt zum Katholizismus ging Newman zunächst nach Rom, wo er 1847 zum Priester geweiht wurde und in den Orden der Oratorianer eintrat. Anschließend leitete er von 1851 als erster Rektor sieben Jahre lang die neu gegründete katholische Universität Dublin. 1864 erschien sein berühmtestes Buch «Die Geschichte meiner religiösen Überzeugungen», in dem er seinen Weg zum Katholizismus schildert; es wird bisweilen in einem Atemzug mit den «Bekenntnissen» des heiligen Augustinus (354-430) genannt.

Der ungewöhnliche Umstand, dass Papst Benedikt XVI. selbst Newmans Seligsprechung vornahm, erklärt sich aus seiner besonderen Wertschätzung für den englischen Theologen. In seiner Rede zum 100. Todestag Newmans zählte ihn der damalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation 1990 zu den «großen Lehrern der Kirche». Vor allem Newmans Lehre von der Entwicklung des katholischen Dogmas und seine Aussagen zum Gewissen hätten ihn schon als Student tief beeindruckt, berichtete Joseph Ratzinger damals. Das theologische Denken Newmans und Benedikts XVI. verbindet nicht zuletzt eine Frage: Wie kann die zeitlose Gültigkeit von Glaubensaussagen mit der
unübersehbaren historischen Entwicklung des katholischen Dogmas in
Einklang gebracht werden?

Newman ist bis heute auch über engere Fachkreise hinaus in der Kirche populär. Katholische Studentenwohnheime tragen seinen Namen, und eine Internationale deutsche Newman Gesellschaft kümmert sich um die Pflege seines Erbes. Zuletzt erhielt die neu gegründete katholische Universität in Schweden seinen Namen. Auf den vermutlich entscheidenden Grund für diese anhaltende Wertschätzung wies der emeritierte Papst hin: Newman sei ein großer Kirchenlehrer, weil er «zugleich unser Herz berührt und unser Denken erleuchtet».

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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