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Am 'rechten Rand'

3. August 2015 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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In Deutschland regen sich einige Autoren, die man kürzlich noch für konservativ hielt und diesen Vorwurf nicht mehr länger auf sich sitzenlassen wollten, über „religiöse Rechte“ auf. Ein Gastkommentar von Prof. Wolfgang Ockenfels


Bonn (kath.net)
Missionarisch „an die Ränder zu gehen“ gehört zu den oft zitierten Dikta des regierenden Papstes. Wer ihn wörtlich nimmt und sich neben dem linken auch dem rechten Rand nähert, könnte freilich in Deutschland unter die Räder des Rechts kommen. Weil im regierungsamtlichen „Kampf gegen rechts“ natürlich der politische Begriff des „Rechts“, pardon „der Rechten“ (im Unterschied zu „den Linken“) gemeint ist. Aber was macht diesen Unterschied aus, wer definiert ihn, und auf welcher Ebene wird hier mit welchen Argumenten diskutiert?

Eine Frage, die auch die katholische Kirche und ihre mögliche Politisierung betrifft. Denn hier regen sich einige Autoren, die man kürzlich noch für konservativ hielt und diesen Vorwurf nicht mehr länger auf sich sitzenlassen wollten, über „religiöse Rechte“ auf.

Darunter verstehen sie nicht die verfassungsmäßigen Religionsrechte, sondern wollen jene Gläubigen diffamieren, die angeblich „unheilige Allianzen“ mit der AfD und mit der Pegida-Bewegung schmieden. Und schon deshalb als höchst verdächtig gelten, weil sie zum Beispiel in der „Jungen Freiheit“ klassisch-christliche Positionen zu Ehe und Familie vertreten und auch – wie der Papst und andere vernünftige Leute – die Gender-Ideologie kritisieren. Das ist sehr, sehr böse, also rechts und nicht rechtens.

Dem argentinischen Papst sind solche politischen Freund-Feind-Konfrontationen, wie wir sie in Deutschland, eingezwängt in das links-rechts-Schema, erdulden müssen, völlig egal, schon weil es ihm nicht um neudeutsche Befindlichkeiten, sondern um universale ethische Bestimmungen geht. Was kümmern ihn nationalpolitische Machtspiele zwischen etablierten Parteien und jenen Alternativen, die an die Macht drängen? Doch höchstens nur insoweit sie inhaltlich mit der kirchlichen Lehre, die auch für deutsche Katholiken verbindlich sein sollte, übereinstimmen – oder eben nicht.


Inhaltlich argumentiert wird hierzulande - auch innerkirchlich - so gut wie gar nicht mehr. Schon gar nicht um Fragen, die sich um Abtreibung und Demographie, um Ehe und Familie, um Euthanasie und Altersversorgung, um Einwanderung und Integration drehen. Denn im „Kampf gegen rechts“ will keiner, der sich links oder liberal oder in der Mitte dünkt, zurückstehen. Man ist flott bei der Hand, den Aufkleber „rechts“ den Abweichlern aufzudrücken und sie damit zu stigmatisieren. Das erspart einem mühsame Begründungen, läuft aber auf Etikettenschwindel hinaus.

Politische Begriffe, die früher einmal eine bestimmte, geschichtlich gefestigte Bedeutung hatten, unterliegen einem rapiden Wandel, der die Willkür der jeweiligen medial-politischen Macht widerspiegelt. Wer noch vor einigen Jahren sicher sein konnte, in der bürgerlichen Mitte angesiedelt und dort ohne Extremismus-, Fundamentalismus- oder Populismusverdacht aktiv zu sein, wird plötzlich – etwas peinlich berührt – an den „rechten Rand“ geschoben und weiß nicht, was er in diesem Graubereich des Illegitimen zu suchen hat. Er muß inzwischen damit rechnen, weiter in die gefährlichere Zone des Illegalen verschoben zu werden und berufliche Nachteile zu erleiden.

Im Moment sind es noch die Linksliberalen der Großen Koalition aus Politik und Medien, die den Ton der Definition angeben und sich als legitim-legale Mitte deklarieren. Und es ist leicht zu begreifen, daß sie ihre politische Macht auch als Definitionsmacht ausspielen, um sich lästige Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Und alles, was von ihrer selbstdefinierten Mitte abweicht, als rechts zu denunzieren. Wer hätte gedacht, daß sie dabei derart außer Rand und Band geraten?

In Deutschland erinnert die Zuschreibung, rechts zu sein, unwillkürlich an den Nationalsozialismus und ist damit verpönt, weil dieser einen rassistischen Völkermord an den Juden betrieb und imperialistische Eroberungen im Schilde führte.

Andererseits war die NS-Ideologie der Volksgemeinschaft eher sozialistisch, also links. Daß es heute noch neonazistische Überbleibsel dieser Ideologie gibt, ist sehr blamabel für ein Kulturvolk und beschäftigt, insofern sie gewalttätig, rassistisch oder aktiv verfassungsfeindlich auftreten, die Polizei oder auch die Psychiatrie. Nur mit dem feinen Unterschied, daß islamische Judenfeinde, verkleidet als Antizionisten, ungeschoren davonkommen.

Aber was ist mit jenen demokratischen Rechten, die sich in aller, gerade auch der europäischen Welt bemerkbar machen? Sie mit dem Nazi-Syndrom der Deutschen zu behelligen, wäre ziemlich anmaßend. Auch in Deutschland bilden sich rechtsdemokratische Oppositionen und Trends, die dem Rechtsstaat des Grundgesetzes entsprechen – und sich dabei auf die CDU Konrad Adenauers, auf die SPD Kurt Schumachers und auf die frühere FDP berufen. Sogar Helmut Kohl im Verein mit Franz Josef Strauß könnte man heute als „am rechten Rand“ befindlich diffamieren.

Die AfD wurde zuerst als Professorenpartei verspottet, später als „rechts“ verunglimpft und erst dann als liberal entdeckt, als einige ihrer Repräsentanten nach ihrer demokratischen Abwahl eine neue Partei gründen wollten - fern vom Verdacht, am rechten Abgrund zu stehen. Ähnliches passierte bei der wirtschaftslibertären Hayek-Gesellschaft, die nach der Abwahl von Frau Karen Horn als rechts identifiziert wurde.

Quid est ergo? Was ist also rechts, was ist rechtens? Eine fast metaphysische Frage. Eingebildet überzeugt wie Don Quichotte, der gegen Windmühlen kämpfte und sie für reale Feinde hielt, ist das krampfhafte Bemühen des amtlichen „Kampfs gegen rechts“ dabei, gegen ein selbstkonstruiertes Phantom vorzugehen, das keinen Realitätsgehalt mehr hat. Sondern höchstens bestrebt ist, die Prämien der großkoalitionären Anerkennung einzuheimsen, die sich demokratische Alternativen verbittet.

Gegen diese Geistlosigkeit ist man machtlos. Kirche und Papst sind dann eben auch am rechten Rand gelandet. Na und? Sie werden sich jedenfalls nicht dem Trend anpassen, gleichgeschlechtliche Kombinationen als „Ehen“ anzuerkennen. Das wird die politische Genderlobby in Rage bringen. Und der diffamierende „Kampf gegen rechts“ wird vornehmlich die Kirche ins Visier nehmen.

Der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels (Foto) ist ordentlicher Professor für Christliche Sozialwissenschaft an der Theologischen Fakultät Trier.

Foto Prof. Ockenfels: © www.theo.uni-trier.de


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Lesermeinungen

 Glaubenstreuer 4. August 2015 
 

Notwendige Antwort

Der Text Ockenfels' ist eine notwendige Antwort an Denunzianten vom Schlage Püttmanns und Bednarz', die zwar nicht namentlich, aber sonst deutlich zwischen den Zeilen genannt werden. Wenn Frau Kelle Frau Kositza von der "Sezession" ein Interview gibt, wird insinuiert, sie werte die Zeitschrift auf. Dabei dürfte klar sein, dass das Ehepaar Kelle mit der "Sezession" wenig gemein haben, außer dass beide Familien relativ kinderreich sind. So sind sie beispielsweise in der der Putin-Angelegenheit kaum auf einer Linie. Frau von Beverfoerde wird an den Pranger gestellt, weil sie einen angeblich unbiblischen "Familismus" vertritt, so der Homosexuellen-Sekundant Püttmann. Herr Liminski hingegen bekommt sein Fett ab, weil er für Kositza vor Jahren eine Laudatio gehalten hat.
Es ist ungeheuerlich, was die betreffenden Polemiker zusammenbrauen. Leider schläft der politische Feind, etwa der "Spiegel", nicht und macht sich die Diffamierungen der primitiven Wichtigtuer zu eigen. Skandalös hoch zwei!


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 Chris2 3. August 2015 
 

ich sag nur

Soizalismus / Nationalsozialismus, Genosse / Parteigenosse, Fünfjahresplan / Vierjahresplan. Klingt irgendwie ein klein wenig nach Verwandtschaft, oder? Kein Wunder, dass man nur noch "Nazis" sagt, sonst konnte ja der Eine oder Andere merken, dass die beiden "großen" totalitären und menschenverachtenden Ideologien des 20. Jhdts. eigentlich eng verwandt sind und nicht einfach nur an den beiden Enden des Hufeisens fast zusammenstoßen...


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 Herbert Klupp 3. August 2015 
 

Heute "nazi"

Ein irrationaler Zeitgeist in Verbindung mit verblendeten Bürgern, die wie ein "Mob" auftreten, hat man früher unschuldige Frauen "Hexen" gehießen, vor 80 Jahren unschuldige Juden "Untermenschen" gehießen und seit kurzem werden unschuldige rechtschaffene Bürger, die für Recht und Ordnung eintreten, als "Nazis" gebrandmarkt. "Leider" kann man sie weder verbrennen noch vergasen, aber immerhin kann man ihre Existenz durch massenmediale Verleumdung ruinieren. Das kommt alles aus demselben inhumanen Verleumdungsdenken, welches Opfer braucht und sucht und findet.


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 Charlene 2. August 2015 

Wenn deutsche Bischöfe ein Arbeitsrecht einführten, das sie zwingt, gleichgeschlechtlich Partnernde in Führungspositionen katholischer Einrichtungen zu akzeptieren, warum sollten sie dann nicht auch diese Partnernden als ganz normal Verheiratete bezeichnen?


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 Hanswerner 1. August 2015 
 

Roß und Reiter

Da hätte ich gerne noch von Roß und Reitern gehört. In der Tat haben manche ein merkwürdiges Verhältnis. Die Nazis rechts ? Dem Bild nach eher kollektivistisch links. Massenmord ist auch kein Alleinstellungsmerkmal für den einen oder anderen Rand. Unser Papst aus Argentinien ist doch gut mit dem Peronismus vertraut, der linke und rechte Merkmale und zwar in heftiger Art aufweist. Diese bei unseren Sortierern wenig greifbare politische Vorstellung führt dann nicht unbedingt zum Ziel. Im Übrigen ist zu viel Augenmerk für die Ränder auch nicht erfolgversprechend.


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 michaelmaria 1. August 2015 

Ja, ja, die "ordentlichen" Deutschen..

Gut, dass es noch unsere Orden gibt! Da weist schon der Begriff auf ein Leben in einer besonderen Ordnung hin. Vielleicht fällt es deshalb dort deutlicher auf, wenn wenn bisherige Ordnung umgeordnet wird. Wir Deutschen lieben halt unsere Schubladen, und wenn uralte Begriffe wie z. B. Ehe, Liebe aber auch Kindesmord und Euthanasie nicht mehr für das stehen dürfen, was sie ihrem Wesen nach einmal bedeuteten, werden auch unsere christlichen Schubladen - vor allen anderen die katholischen - zur Entrümpelung empfohlen. Wer hierbei nicht mitmacht, handelt sich dann Labels wie "ewig gestrig", "fundamentalistisch" oder eben auch "rechtsextrem" ein. Wer dann noch auf die Idee kommt, an derartiger Diskriminierung seien ursächlich nicht nur politische Parteien und Lobbyverbände, sondern vor allem unsere Medieschaffenden beteiligt, bestätigt damit selbst ab eo ipso, dass er offensichtlich zurecht in die rechte Schublade gehört. So betrachtet, kann man derart Stempel als Auszeichnung verstehen.


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 Rolando 1. August 2015 
 

Die Kirche, die katholische, ist das Ziel

" Und der diffamierende „Kampf gegen rechts“ wird vornehmlich die Kirche ins Visier nehmen"
Viele können rechts und links nicht mehr unterscheiden, gerade die, die das Volk regieren.
Fast alle Universitäten sind schon blind, blinde Blindenführer. Die Hoffnung ist, das der Herr mit den Unwissenden Erbarmen hat, bitten wir um Erbarmen, Sündenerkenntnis, Reue und Umkehr.


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