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Der Realitätsverlust in Politik und Kirche

8. Jänner 2015 in Kommentar, 65 Lesermeinungen
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„Warum hat man Angst vor der Angst der Demonstranten in Dresden?“ Gastkommentar von Theologieprofessor em. Hubert Windisch


Freiburg (kath.net) Der momentanen Aufregung in Politik und Kirche nach muss Pegida eine enorme Provokation für Deutschland sein. Man könnte meinen, der Leibhaftige selbst sei in Dresden am Werk, wenn man die teils aggressiven, teils gehässigen Äußerungen von Politikern, Kirchenleuten und Vertretern der Medien zu den Montagsdemonstrationen von Pegida hört oder liest. Dabei galt lange Zeit Politik à la BILD als unseriös, und die Kirche verstand sich in der Vergangenheit immer auch als kritische Instanz zum Staat und zu den Parteien. Wozu eine Empörungsallianz von Kirche und Staat heutzutage allerdings gegenüber Bürgern, die von einem Grundrecht Gebrauch machen, auf lächerliche Weise fähig ist, zeigt die populistische Aktion „Licht aus für den Kölner Dom“. Welch ein Mangel an Souveränität. Warum hat man Angst vor der Angst der Demonstranten in Dresden?

Vielleicht ist diese oft rein emotionale Reaktion auf Pegida ein Zeichen dafür, dass diese paar Leute in Dresden an einer Karte ziehen, die ein ganzes, in vielen Jahrzehnten aufgebautes Kartenhaus zum Einsturz bringen könnte – ein Kartenhaus der Täuschung und Selbsttäuschung in Politik und Kirche vor allem in Bezug auf den Islam und seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Denn die politische und leider auch kirchliche Rede über die Fakten stimmt nicht mehr mit den Fakten selbst überein. Man braucht doch nur den Hauptstadtbrief Nr. 126 des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) über die islamischen Zustände in Berlin-Neukölln zu lesen; oder die Aussagen von Hans-Werner Sinn, dem Präsidenten des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München, über die ökonomischen Effekte der Migration in Deutschland zu debattieren; oder die statistischen Angaben zu reflektieren, wonach die zehn stärksten Herkunftsländer von Flüchtlingen (vom Statistischen Bundesamt auch Top Ten genannt) allesamt muslimisch geprägt sind; oder die erschreckende Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass die Juden nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa die Koffer packen; oder auf die Aussagen von Flüchtlingen zu achten, dass sie von türkischen Häfen aus von Schlepperbanden ins Mittelmeer geschickt wurden und es nicht sicher sei, dass sich unter ihnen auch IS-Kämpfer befunden hätten; oder die Berichte von Polizisten, Lehrern und Richtern über ihre Erfahrungen mit der islamischen Welt bei uns gelten zu lassen; oder den ständig wiederkehrenden Hinweis des Verfassungsschutzes, dass die größte Gefahr für Deutschland von islamischen Terrorgruppen ausginge, ernst zu nehmen und vieles mehr – man würde etwas zurückhaltender und vorsichtiger im arroganten Urteil über Pegida, das bisweilen sehr stark an den Chargon der ehemaligen DDR-Nomenklatura erinnert. Die meisten Leute in Dresden treibt die Angst vor dem um sich greifenden Realitätsverlust in Politik und Kirche und einer damit einhergehenden Islamisierung um. Und diese Angst darf sein.


Es stellt sich die Frage, wie offen bzw. tolerant darf eine Gesellschaft sein, damit sie eine offene bzw. tolerante Gesellschaft bleibt. Die Antwort darauf kann nur in der Suche nach der Wahrheit der Fakten gegeben werden, die Thomas von Aquin an verschiedenen Stellen seines unnachahmlichen theologischen Werkes als das Zueinander von Intellekt und Wirklichkeit (adaequatio intellectus ad rem) bezeichnet, wobei der Zugriff des Intellekts auf die Wirklichkeit zuallererst ein Wahrnehmen dessen, was ist, und nicht eine Konstruktion von Wirklichkeit bedeutet. Das Hören und Sehen in Bezug auf die Fakten muss also funktionieren bzw. geschult und kultiviert werden, ansonsten entstehen (politische und kirchliche) Kartenhäuser. Und aus Fakten werden Floskeln. Sehr wohl kann der Ausgriff des Intellekts auf die Wirklichkeit beeinträchtigt sein, sei es durch Dummheit oder durch Bosheit. Es kommt dann zu falschen Erkenntnissen oder zu Lügen. Oft sind die Ergebnisse der Wahrheitssuche eine Mischung von Dummheit und Bosheit. Ein krasses Beispiel dafür bietet der vom Genderwahn geprägte Sexualkundeunterricht der Vielfalt, der an den Schulen Nordrhein-Westfalens und demnächst Baden-Württembergs eingeführt werden soll. Viele Eltern laufen gegen eine derartige Ideologisierung ihrer Kinder Sturm. Wann gehen die Bischöfe auf die Straße? Warum schaltet man am Kölner Dom das Licht nicht aus?

Kehren wir zur Grundfrage zurück: Welchen Islam kann unsere Gesellschaft verkraften? Sicher kann man auf diese Frage nicht mit dem dümmlich-undifferenzierten Satz eines ehemaligen Bundespräsidenten, für den er auch noch den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing überreicht bekam, antworten: Der Islam gehört zu Deutschland. Man muss vielmehr die kritische Frage mit all ihren Konsequenzen stellen, ob sich der Islam bei uns ausdrücklich vom Gewaltpotential seines Gründers Mohammed und des Korans distanziert oder nicht. Wollen wir die Scharia in Deutschland oder Parallelwelten im Bildungsbereich und in der Justiz? Wollen wir einen anderen Staat? Wollen wir, dass die Schreckensvisionen von Michel Houellebecq in seinem Roman „Soumission“ (Unterwerfung) Wirklichkeit werden? Auch wenn Heinz Buschkowsky mit seiner Erfahrung „Wer sagt, wie es ist, sieht sich Repressalien ausgesetzt“ in der augenblicklichen Debatte wenig Mut zur Stellungnahme macht, muss es möglich sein, diese Fragen zu stellen, ohne als Islamfeind oder islamophob verteufelt zu werden. Es könnte sonst dazu kommen, dass Köln bald Neukölln heißt und am Kölner Dom endgültig die Lichter ausgehen.

Professor Hubert Windisch hatte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2012 den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg inne.

Kurzvideo: Der Kölner Dom macht als Protest gegen Pegida und Kögida das Licht aus



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