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Kasper: 'Für eine bloße Phantomdiskussion ist das Problem zu ernst!'

22. April 2014 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Kardinal zu kath.net: „Ich habe klar ausgeschlossen, dass zu Lebzeiten des ersten Partners eine zweite kirchlich anerkannte Ehe möglich ist“ – „Die Behauptung, ich sehe Ehebruch als die einzige Sünde, die ohne Reue vergeben werde, ist barer Unsinn“


Vatikan (kath.net/pl) „Die Behauptung, ich betrachte den Ehebruch als die einzige Sünde, die ohne Reue vergeben werde, ist barer Unsinn, wie es Unsinn ist, Barmherzigkeit werde von mir als Toleranz des Bösen verstanden.“ Dies sagte Walter Kardinal Kasper gegenüber kath.net. Der emeritierte Kurienkardinal hatte Mitte Februar einen stark beachteten Vortrag vor dem Konsistorium gehalten. Papst Franziskus hatte die Gedanken Kaspers als “profunde“ und „kniende Theologie“ gewürdigt. Über diesen Vortrag entstand eine – teilweise heftig geführte – Diskussion um die Pastoral an wiederverheirateten Geschiedenen. In einem Interview in der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ hinterfragte vergangene Woche Professor Juan José Pérez-Soba einige Thesen des Kardinals kritisch. Kardinal Kasper, der vor seiner Emeritierung Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und zuvor Bischof von Rottenburg-Stuttgart gewesen war, erläuterte dazu am Dienstag gegenüber kath.net wörtlich:

„kath.net hat das Interview dokumentiert, das die ‚Die Tagespost‘ mit Prof. Juan José Pérez-Soba (Rom) geführt hat. Darin stellt Prof. Soba die Lehre der Kirche über das Sakrament der Ehe und die Unauflöslichkeit der Ehe gut dar. Dem Gesagten kann ich nur zustimmen, ich habe in meinem Vortrag mit fast denselben Worten in der Sache genau dasselbe gesagt.

Umso mehr bin ich verwundert, dass Prof. Soba – dann ohne einen Grund zu nennen – behauptet, ich würde eine andere Weise befürworten, das Eheband zu verstehen, die dieses seines Inhaltes entleert.

Dabei habe ich klar ausgeschlossen, dass zu Lebzeiten des ersten Partners eine zweite kirchlich anerkannte Ehe möglich ist und mir alle Mühe gegeben zu sagen, dass und wie die kirchliche Ehe-Lehre keine abstrakte Theorie ist, sondern dem wahren Glück des Menschen dient und darum die kirchliche Ehe- und Familienpastoral herausfordert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das alles überlesen hat.

Ebenso erstaunt war ich über die Behauptung, ich würde verschweigen, dass ich schon 1977 eine ähnliche Lehre vertreten habe, welche dann von der Glaubenskongregation zurückgewiesen worden sei. Wahr ist, dass ich mich seither intensiv mit der Frage beschäftigt und mir erlaubt habe, dazuzulernen.

Es geht im Vortrag nicht mehr um die Zulassung zur Kommunion, sondern um die Zulassung zum Sakrament der Buße und damit zur Absolution. Die Buße setzt voraus, dass Schuld gegeben und bereut wird, aber ebenso dass Gott dem, der umkehrt, barmherzig ist und die Schuld vergibt. Die Behauptung, ich betrachte den Ehebruch als die einzige Sünde, die ohne Reue vergeben werde, ist barer Unsinn, wie es Unsinn ist, Barmherzigkeit werde von mir als Toleranz des Bösen verstanden. Gerechtfertigt wird selbstverständlich nicht die Sünde sondern der Sünder.

Schließlich noch ein weiterer Punkt, an dem Professor Soba hätte genauer lesen müssen. Er sagt, ich hätte zwei Mal das von ihm kritisch beurteilte Buch von G. Cereti zitiert; richtig hätte er sagen müssen, ich habe zwei Mal den damaligen Professor Joseph Ratzinger zitiert und mich auf ihn berufen. G. Cereti, mit dem ich nicht übereinstimme, habe ich im Vortrag überhaupt nicht, sondern nur in einer Anmerkung im Exkurs zusammen mit anderen Autoren zitiert, die anderer Meinung sind als er. Ich habe mich darauf beschränkt, auf die unterschiedlichen Meinungen der Historiker zur Frage hinzuweisen.

Im Vortrag kommt es mir nicht auf historische Fragen an, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann, sondern auf das Sachargument. Mit meinem Vorschlag jenseits von Rigorismus und Laxismus berufe ich mich auf Thomas von Aquin und Alfons von Liguori, den Patron der Moraltheologen. Außerdem habe ich im Vortrag das Schreiben „Familiaris consortio“ von Papst Johannes Paul II insgesamt zwölfmal zitiert und an vier anderen Stellen weitere Dokumente dieses bedeutenden Papstes. Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft, nämlich in bester kirchlicher Tradition.

Jeder mag auf die im Vortrag formulierten Fragen andere Antworten geben als ich sie andeute. Doch wer sich mit meinen Fragen auseinandersetzen will, sollte kritisieren, was wirklich dasteht. Für eine bloße Phantomdiskussion ist das Problem zu ernst!“


kath.net-Buchtipp:
Das Evangelium von der Familie
Die Rede vor dem Konsistorium
Von Walter Kardinal Kasper
Kartoniert, ca. 96 Seiten
Herder 2014
ISBN 978-3-451-31245-8
Preis 12,40 Euro

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Die Katechese von Kardinal Kasper beim Eucharistischen Kongress, Köln, Juni 2013


Foto Kardinal Kasper (c) kath.net/Petra Lorleberg


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