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20. Jahrhundert war 'Jahrhundert der christlichen Märtyrer'

11. November 2013 in Chronik, 3 Lesermeinungen
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Kardinal Schönborn eröffnete an Wiener Universität Symposion über Märtyrertum der Ostkirchen - Kurienkardinal Sandri nimmt teil


Wien (kath.net/KAP) Das 20. Jahrhundert war das "Jahrhundert der christlichen Märtyrer", in keinem anderen Jahrhundert habe es so viele Märtyrer gegeben. Dies betonte Christoph Kardinal Schönborn (Foto) am Samstag an der Wiener Universität bei der Eröffnung des Symposions "Was heißt es heute, Christ zu sein? Aus den Erfahrungen des Märtyrertums der Ostkirchen". Das Martyrium von Christen gehe auch heute weiter, wie die jüngsten Nachrichten über die Ermordung von Christen in der syrischen Kleinstadt Sadad zeigen, so der Wiener Erzbischof. Angefangen von der Ermordung der Armenier im Osmanischen Reich ab 1915 sei das 20. Jahrhundert gekennzeichnet von großen Wellen der Christenverfolgung.

Am 9. November müsse man aber auch daran erinnern, dass genau vor 75 Jahren überall im sogenannten Großdeutschen Reich Pogrome gegen jüdische Mitmenschen stattfanden und mehr als 1.000 Synagogen niedergebrannt wurden. Schönborn erinnerte aber auch den Märtyrertod der seliggesprochenen Ordensfrau Sr. Restituta Kafka, deren einziges "Verbrechen" darin bestand, am Grab eines von den NS-Schergen ermordeten Arbeiters einen Kranz niedergelegt zu haben. ´


Die Kraft des Martyriums liegt nach den Worten des Wiener Erzbischofs auch in der Kraft der Vergebung. Es gelte "dort, wo Hass ist, nicht mit Hass und Gewalt zu antworten". In diesen Kontext stellte er auch ein persönliches Erlebnis, als ihm im Jahr 2000 in der Bukarester Patriarchalresidenz jener Raum gezeigt wurde, in dem sich 1948 auf Befehl der kommunistischen Machthaber alle zwölf griechisch-katholischen Bischöfe Rumäniens versammeln mussten und ihnen die Frage vorgelegt wurde, ob sie sich der Orthodoxie anschließen oder ins Gefängnis gehen wollen. Alle Bischöfe entschieden sich für das Gefängnis.

"Leid nimmt Einheit der Kirchen vorweg"

Der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, betonte beim Symposion seinerseits die Bedeutung des Martyriums für die ganze Kirche. In den Märtyrern seien die Kirchen im 20. Jahrhundert dem Geheimnis des leidenden Jesus wieder nahegekommen. Im Leid sei aber auch die Einheit der Kirchen vorweggenommen worden. Sandri unterstrich die Bedeutung der gegenseitigen Vergebung. Katholiken und Orthodoxe müssten sich noch stärker ihrer gemeinsamen Quellen bewusst werden. Heute gehe es auch darum, gemeinsam auf die Ursprungsländer des Christentums zu schauen, wie es Papst Franziskus am 7. September mit dem weltweiten Fasten- und Gebetstag für Syrien getan habe.

Die Bedeutung des Martyriums sei ihm bei seinem jüngsten Besuch in der kasachischen Republik zu Bewusstsein gekommen, sagte der Kurienkardinal. Dort sei er in einem Gulag-Museum mit dem Leid hunderttausender Deportierter der Stalin-Zeit konfrontiert worden und habe am vergangenen Sonnta die erste griechisch-katholische Kirche in der Hauptstadt Astana weihen können.

"Ökumenismus der Märtyrer"

Der Generalsekretär des Heiligen Synods der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Bischof Bogdan Dziurach, verlas ein Grußwort von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk. Jedes "authentische Glaubenszeugnis" habe ökumenischen Charakter, so Schewtschuk. Es gebe einen "Ökumenismus der Märtyrer". Tausende Glaubenszeugen der Vergangenheit erinnerten die kirchlichen Verantwortlichen von heute daran, die Verkündigung des Evangeliums nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen, sondern sich am Willen Christi zu orientieren. Der Großerzbischof zitierte den Wunsch Johannes Pauls II. beim Gottesdienst am 27. Juni 2001 in Lemberg (Lwiw), dass die Erinnerung an die Märtyrer nicht verloren gehen dürfe. Denn sie seien "Zeichen der Hoffnung, dass die Liebe stärker ist als der Tod".

Das Symposion wurde gemeinsam vom Ordinariat für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, vom "Internationalen Theologischen Institut" (ITI) in Trumau, der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und der Ukrainisch-katholischen Universität Lemberg (Lwiw) veranstaltet.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.
Foto (c) Erzdiözese Wien


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