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Scientia Amoris: Die Kirchenlehrerin Thérèse von Lisieux

6. April 2011 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Abschluss der päpstlichen Katechesenreihe über Kirchenlehrer: ‚Universale Schwester’ als Leitbild für Theologen; im Feuer des Heiligen Geistes die anderen lieben. Zu Libyen und Elfenbeinküste: Gewalt ist immer Niederlage! Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as/RV) Zum Abschluss seiner Katechesenreihe über die Kirchenlehrer stellte Papst Benedikt XVI. während der heutigen Generalaudienz auf der Petersplatz vor rund 20.000 Pilger und Besuchern die großen Etappen des Lebens und der Lehre der heiligen Thérèse von Lisieux (* 2. Januar 1873 in Alençon, Frankreich; † 30. September 1897 in Lisieux, Frankreich) vor.

Die „kleine Thérèse“ habe es nie unterlassen, den einfachsten Seelen, den Kleinen, Armen und Leidenden zu helfen, die bittend an sie herangetreten seien. Gleichzeitig habe sie die ganze Kirche mit ihrer tiefen geistlichen Lehre erhellt. Aus diesem Grund sei sie dann von Johannes Paul II. im Jahr 1997 zur Kirchenlehrerin erhoben worden, nachdem sie bereits Papst Pius XI 1939 zur Patronin der Missionen ernannt habe.

Als Ordensnamen habe sie sie „Thérèse de l'enfant Jesus“ (Thérèse vom Kinde Jesus) gewählt, dem sie am 10. Januar 1889 noch „et de la Sainte Face“ (und vom Heiligen Antlitz) hinzugefügt habe. Johannes Paul II. habe die Heilige als eine „Expertin der ‚Scientia amoris’“ bezeichnet. Diese Wissenschaft, so Benedikt XVI. weiter, habe Thérèse vor allem in der Erzählung ihres Lebens zum Ausdruck gebracht, die ein Jahr nach ihrem Tod unter dem Titel „Geschichte einer Seele“ veröffentlicht worden sei. Der Papst lud dazu ein, „diesen kleinen-großen Schatz, diesen leuchtenden Kommentar des in Fülle gelebten Evangeliums neu zu entdecken“. Die „Geschichte einer Seele“ sei eine wunderbare Liebesgeschichte, die mit derartiger Echtheit, Einfachheit und Frische erzählt werden, dass der Leser nur davon fasziniert sein könne.

Die Liebe, die Thérèse von ihrer Kindheit bis zum Tod erfüllt habe, habe in Jesus Christus ihr Antlitz. So bringe ihr Ordensname das Programm ihres ganzes Lebens zum Ausdruck, „in der Gemeinschaft der zentralen Geheimnisse der Fleischwerdung und der Erlösung“. Für die Heilige habe ihr Leben als Ordensfrau bedeutet, Braut Jesu und Mutter der Seelen zu sein. Am Tag ihrer Ordensprofess habe sie ein Gebet verfasst, in dem die ganze Ausrichtung ihres Lebens zum Ausdruck komme. Sie bitte Jesus um das Geschenk seiner unendlichen Liebe sowie darum, die kleinste zu sein. Vor allem aber bitte sie um das Heil der Menschen.


1896 beginne ihr Leiden in tiefer Einheit mit der Passion Christi. Es handle sich, wie Benedikt XVI. betonte, im das Leiden des Leibes, vor allem aber um ein Leiden der Seele, verbunden mit einer sehr schmerzhaften Prüfung für den Glauben. Zusammen mit Maria neben dem Kreuz lebe Thérèse den heldenhaftesten Glauben, „wie ein Licht in der Finsternis, die in ihre Seele eingebrochen ist“. Sie habe das Bewusstsein, diese große Prüfung für das Heil aller Atheisten in der modernen Welt zu leben, welche von ihr „Brüder und Schwestern“ genannt würden. So erlebe sie eine noch innigere geschwisterliche Liebe und werde in Wahrheit zu einer „universalen Schwester“. In diesem Kontext des Leidens bringe die Heilige ihre Berufung zur Erfüllung, die Liebe im Herzen der Kirche zu sein.

„Mein Gott, ich liebe dich“: so lauteten die letzen Worte der heiligen Thérèse, bevor sie am 30. September 1897 gestorben ist. Diese letzten Worte seien „der Schlüssel ihrer ganzen Lehre, ihrer Auslegung des Evangeliums“. Auch die Christen von heute, so Benedikt XVI., müssten jeden Tag dem Herrn gegenüber wiederholen, dass sie von der Liebe zu ihm und zu den anderen leben und in der Schule der Heiligen die echte und totale Liebe lernen wollten. Thérèse sei einer der „Kleinen“ des Evangeliums, die sich von Gott in die Tiefen seines Geheimnisses hineinführen ließen. So sei sie ein Leitbild vor allem für jene, „die im Gottesvolk den Dienst der Theologen verrichten“.

Voll Demut, Liebe, Glaube und Hoffnung trete sie immer wieder in die Heilige Schrift ein, welche das Geheimnis Christi umfasse. Eine derartige Lesart der Bibel, die aus der „Scientia amoris“ komme, stehe der akademischen Wissenschaft nicht entgegen. Die „Wissenschaft der Heiligen“ sei die höchste Wissenschaft. Untrennbar vom Evangelium sei dann für Thérèse die Eucharistie als das Sakrament der göttlichen Liebe, die sich bis ins Äußerste herabbeuge, um den Menschen zu ihr zu erheben.

Die heilige Thérèse entdecke im Evangelium vor allem die Barmherzigkeit Jesu. Vertrauen und Liebe seien der Endpunkt ihres Lebens, „zwei Worte, die wie Scheinwerfer ihren ganzen Weg der Heiligkeit erleuchtet haben, um die anderen auf ihren ‚kleinen Weg des Vertrauens und der Liebe’, auf den Weg der geistlichen Kindlichkeit zu führen“.

Dabei handle es sich um ein Vertrauen wie jenes des Kindes, das sich in die Hände Gottes begibt. Dieses Vertrauen sei untrennbar vom starken und radikalen Einsatz der wahren Liebe, die völlige Selbsthingabe sei. Auf diese Weise zeige die heilige Thérèse allen Menschen, so Benedikt XVI. abschließend, dass das christliche Leben darin bestehe, „die Gnade der Taufe in der völligen Selbsthingabe an die Liebe des Vaters zu leben, um in Christus, im Feuer des Heiligen Geistes, seine Liebe zu den anderen zu leben“.

Papst: Betet für Elfenbeinküste und Libyen!

„Gewalt und Hass sind immer eine Niederlage!“ Mit diesen Worten ruft Papst Benedikt zum Gebet für Libyen und für die Elfenbeinküste auf. Das meldet Radio Vatikan.

Während in Libyen die Aufständischen offenbar Mühe haben, den Truppen Gaddafis standzuhalten, steht die Elfenbeinküste offenbar vor einem gewaltsamen Machtwechsel: Anhänger des gewählten Präsidenten Alassane Ouattara setzen sich in diesen Stunden gegen den bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo durch.

Bei seiner Generalaudienz sagte Papst Benedikt: „Ich verfolge die dramatische Lage der Bevölkerung in der Elfenbeinküste und in Libyen in diesen Tagen weiterhin mit großer Sorge. Ich bitte darum, dass Kardinal Turkson bald in die Elfenbeinküste eingelassen wird; ich hatte ihn beauftragt, dort meine Solidarität auszudrücken. Ich bete für die Opfer und bin allen, die leiden, nahe.

Gewalt und Hass sind immer eine Niederlage! Darum rufe ich alle Konfliktparteien eindringlich dazu auf, sich um Befriedung und Dialog zu bemühen. Weiteres Blutvergießen sollte verhindert werden!“

Der Präsident des Päpstlichen Friedensrates, Kardinal Peter Kodwo Turkson, hat in den letzten Tagen von seiner Heimat Ghana aus vergeblich versucht, Abidjan zu erreichen, die Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste. Wegen der Kämpfe in Abidjan ist der Flughafen der Stadt geschlossen. „Ich bin enttäuscht, dass er nicht kommen konnte, alle haben hier auf ihn gewartet“, sagt der Päpstliche Nuntius auf der Elfenbeinküste, Ambrose Madtha. Sowohl Gbagbo als auch Ouattara hätten den Kardinal nach seinen Angaben gern getroffen. Die Nuntiatur liegt gleich neben Gbagbos Residenz; der Nuntius berichtet von „häufigen Schüssen und starken Bombardements“.

Papst Benedikt habe 50.000 Euro geschickt, um Flüchtlingen im Land zu helfen.

Der Weltrat der Kirchen fürchtet, dass der Konflikt auf der Elfenbeinküste religiöse Konflikte im Land anheizen wird. Schon jetzt werde Religion „manipuliert“, um politische oder wirtschaftliche Macht zu bekommen. Dem Kampf zwischen Gbagbo (Christ) und Ouattara (Muslim) liegen auch ethnische, religiöse und wirtschaftliche Divergenzen zugrunde.

Die Gewalt in der Elfenbeinküste treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Darauf macht die Diakonie-Katastrophenhilfe aufmerksam. Die Zahl der Flüchtlinge sei schon auf eine Million gestiegen. In der Region an der Grenze zu Liberia seien jetzt schon die Nahrungsmittel „äußerst knapp“. Sie reichten nicht zur Ernährung von Tausenden Flüchtlingen.

Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Von Herzen grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die heilige Therese von Lisieux lädt uns ein, den "kleinen Weg" zu gehen. Sie sagt: Auf dem Marathon des Glaubens will ich die allerletzte sein, aber es reicht mir anzukommen. Und wenn ich die größte Sünderin wäre, würde ich mich voll Vertrauen in die Hände Gottes stürzen. Sie lädt uns ein, den „kleinen Weg“ zu gehen, den einfachen Weg des Vertrauens, darauf zu vertrauen, daß Christus in uns wirkt und wir mit unserer Liebe zu den Menschen darauf antworten. So können wir dem Wirken Gottes in der Welt Raum geben. Der Herr begleite euch auf allen euren Wegen.





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