Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  4. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  5. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  6. 'Ruft AfD-Wähler auf, sich die Kirchensteuer zu sparen'
  7. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  8. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  9. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  10. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  11. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  12. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  13. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  14. US-Diözese errichtet Pfarre, die dem Märtyrer Matthew Ayariga geweiht ist
  15. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten

Antonio Arellano – der Schuhmacher des Papstes

1. April 2011 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ein Peruaner für den Pontifex: In einer kleinen chaotischen Werkstatt im römischen Stadtviertel Borgo fertigt Antonio Arellano die roten Schuhe des Papstes an - Von Paul Badde / Die Welt


Rom (kath.net/DieWelt)
Der Papst trägt nicht Prada sondern – und das ist kein Aprilscherz – natürlich Schuhe von meinem Schuster um die Ecke. Das ist Antonio Arellano aus Trujillo in Peru, (wie ich) ein Mann mit Migrationshintergrund in Rom, der die Rolle eines Schuhmachers auch in einem der Romane Jorge Vargas Llosas besetzen könnte.

Das Blut der Inka, das durch die Adern seiner Vorfahren floss, sieht ihm noch jeder an. Er ist kein Schicki-Schuster. Sein Schaufenster ist vollgestopft mit waghalsigen Schuhmodellen, Sandalen, Kinderschuhen und Stiefeln.



Sein Verkaufs-Salon ist der Vorraum einer chaotischen kleinen Werkstatt in einem Kellerverschlag. Es ist ein Leder-Labor in der schattigen Via del Falco, wo ich ihm vorgestern meine Schuhe ablieferte, die ja, wie jeder weiß, immer noch das wichtigste Werkzeug jedes Reporters sind. Die Absätze waren wieder einmal abgelaufen.

„Kein Problem“, strahlte Antonio und verriet gleich danach, dass „eine Dame“ aus dem Haushalt des Pontifex drei Tage zuvor wieder bei ihm gewesen sei, um ein neues Paar für ihren Dienstherrn zu bestellen. Schon langte er unter die Theke, um voller Stolz den mit feinstem roten Ziegen-Saffian bespannten Leisten hervorzuholen, an dem nur noch die Sohlen fehlten, um die Meisterstücke komplett zu machen. Schuhgröße 42! Das Marokko-Leder fast so zart wie die Haut meiner Frau. Die Kaiser von Byzanz müssen ähnlich schöne Schuhe getragen haben.


Für sein letztes päpstliches Paar Schuhe hatte Antonio Arellano noch einen lederbespannten Schuhlöffel gefertigt und einen rosa Seidensack dazu genäht, und als er sie Benedikt XVI. oben im Palazzo Apostolico persönlich überreichen durfte, kaufte er sich eigens dafür einen glänzend weißen Anzug, der auf dem Foto der Begegnung heute noch wie eine Lampe durch seinen Laden leuchtet.

Eine ehrlichere Haut als Antonio lässt sich im ganzen Borgo kaum finden. Das Viertel zwischen Vatikan und Engelsburg war lange eine kommunistische Hochburg. Heute werden neben der alten Fluchtmauer der Päpste – ein paar Schritte rechts vom Petersplatz-Touristen zu gesalzenen Preisen zu zweifelhafter Kost an die Tische gelockt, während von Jahr zu Jahr immer mehr Rosenkranzläden aus römischen in chinesische Hände übergehen.

Hier ist der 42-jährige Schuhmacher aus der Fremde mit seinen schwieligen flinken Händen und den kurzen schwarzen Fingernägeln kein Fremdkörper, sondern ein zuverlässiger Handwerker, der in seiner kleinen Werkstatt dem Druck widersteht, der allmählich auch die letzten Uhrmacher und Optiker und Wäschereien aus dem Viertel zu verdrängen sucht.

Darum darf er heute auch der Schuhmacher des Papstes sein. Denn Joseph Ratzingers Schuhe hat er schon besohlt und die Absätze erneuert, seit er hier ist. Der Kardinal wohnte auch damals schon um die Ecke. Er hatte ihn bedient, wie er auch heute noch die Müllmänner und „Baristas“ und Schweizer Gardisten und Nonnen und Priester und Bischöfe bedient, von denen auch noch keiner weiß, was aus ihnen noch einmal werden wird.

Seine Mutter – „Mamma Rosa“ - hatte ihn vor 20 Jahren nur ungern aus Peru ziehen lassen. Sein Vater war Schuhmacher und bis auf seine Schwester sind alle vier Kinder Schuhmacher geworden. Die erste Anstellung in Rom fand er bei einem Albaner, der ihm eine Woche Probezeit gewährte.

Die Frist genügte, um zu sehen, dass Schuhe sein „Leben“ waren. „Ich konnte kein Italienisch, aber wusste alles über das Schustern und Schuhe machen: nähen, sohlen, formen, nageln, flicken, alles.“ Nach drei Jahren zog er weiter, bevor er seinen Laden im Borgo ganz und gar selbst einrichtete, mit Hammer und Bohrer, und so sieht er auch aus: als sei der ganze Kabuff ein einziger großer Schuh.



„Gut“, schrieb ihm seine Mutter danach, „wenn du in der Nähe des Papstes bist, wird der Papst dir helfen.“ Ihm aber lag mehr daran „niedrige Preise für alle“ zu machen, egal, wer bei ihm zur Tür rein kam. Das sprach sich im Borgo schnell rund. Kardinäle wie Straßenkehrer konnten bei ihm auf demselben Stuhl warten, wenn es sich um kleinere Reparaturen handelte. So saß damals auch schon Kardinal Ratzinger bei ihm auf diesem Stuhl. „Eine einfache Person. Und immer freundlich. Er saß genau so da wie alle anderen. Er war so geduldig. Immer ließ er mich ganz ruhig und wortlos meine Arbeit tun.“

Tempi passati. Jetzt bringen nicht annähernd so bescheidene Adjutanten die Schuhe des Papstes hin und wieder in einer großen Limousine zur Reparatur in die dunkle Gasse und auch schon zwei Dankesbriefe, die Maestro Arellano vor lauter Ehrfurcht anfangs nicht öffnen wollte, um sich eine Woche lang nur an dem Siegel des Palastes zu ergötzen. „Er hat mich einfach beibehalten, und nicht wie andere Mächtige, die plötzlich keinen mehr von früher kennen, ihre ganze Ausstattung plötzlich nur noch von Luxus-Herstellern schenken lassen.“

Er ist ihm einfach treu geblieben. Natürlich gab es auch schon einen Rosenkranz als Extra, und ein Kreuz für ihn, seine Frau und ihren Sohn Daniel. Doch das war es auch schon.



Der Papst bezahlt seine Schuhe und jede Reparatur wie alle anderen, nicht mehr und nicht weniger. Antonio Arellano gibt ihm auch keinen Rabatt für die Schuhe, die das Modehaus Prada dem Pontifex wohl in Gold und Silber aufwiegen würde, wenn er sie dort fertigen lassen würde und nicht bei Antonio Arellano.

Alle Fotos: (c) Paul Badde


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Ungewöhnliches

  1. Weihwasser aus der Spritzpistole
  2. Deutschland: Autogottesdienst mit 200 Autos
  3. 'Coronavirus-Panik': Christlicher Kongress vorzeitig beendet
  4. 'In der neuen Messe ist alles so laut'
  5. USA: Ehepaar stirbt nach 70 Jahren Ehe innerhalb von 20 Minuten
  6. Eine neue Visitenkarte für die Kirche
  7. Kroatische Bischöfe kritisieren Absage der Bleiburger Gedenkmesse
  8. 22.000 Abtreibungen - Dann kam 'ein Blitz des Himmels'
  9. Ein Weihnachtswunder in Texas
  10. Stigmatisierter Fra Elia bei Gebetsabend in Krems






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. Jüngerschaft in Wien und darüber hinaus
  4. ‚Wir steuern auf eine Katastrophe zu‘: Warnung vor gescheiterter Integration in Deutschland
  5. Polizei in Papst-Städtchen auf E-Bikes im Einsatz
  6. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  7. Goethes Lieblingsheiliger: Ein Meister der Freude und der Seelenschau
  8. Papst erlässt neues Verfahren zu Absetzung ostkirchlicher Patriarchen
  9. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  10. Papst Leo XIV. beruft obersten Kolumbusritter in den Vatikan
  11. Nur der Weg der Liebe ist der Weg des Lebens
  12. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  13. USA: Rosenkranz-Teams besuchen Altersheime
  14. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  15. Papst würdigt Norwegens König Harald für "hingebungsvollen Dienst"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz