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Der vollendete Dadaist: Der Dichter Hugo Ball entdeckte den Glauben

27. Februar 2011 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Der 1927 verstorbene Hugo Ball, dadaistischer Schriftsteller und enger Freund von Hermann Hesse, war wenige Jahr vor seinem Tod zum katholischen Glauben konvertiert. Von Andreas Scheidgen


Mainz (kath.net) Hugo Ball gehört zu den vergessenen Namen der deutschen Literatur. Nur für einen Moment stand er im Rampenlicht, als er während des 1. Weltkriegs die Bewegung des Dadaismus mit aus der Taufe hob. Doch er müsste zu den großen geistlichen Schriftstellern Deutschlands gezählt werden. Denn mit seinem Buch „Byzantinisches Christentum“ ist ihm eine der faszinierendsten Meditationen über Glaube und Kirche in deutscher Sprache gelungen.

Vor 125 Jahren, am 22. Februar 1886, wurde Hugo Ball in der Kleinstadt Pirmasens geboren.
Es war eine Urszene der Moderne, als der 30-Jährige im Juli 1916 in einem Züricher Wirtshaus zum ersten Mal seine später berühmten Lautgedichte vortrug. Ball hatte sich für diesen Auftritt als „magischer Bischof“ abenteuerlich vermummt: „Meine Beine standen in einem Säulenrund aus blauglänzendem Karton, der mir schlank bis zur Hüfte reichte, so dass ich bis dahin wie ein Obelisk aussah. Darüber trug ich einen riesigen Mantelkragen, der innen mit Scharlach und außen mit Gold beklebt, am Halse derart zusammengehalten war, dass ich ihn durch ein Heben und Senken der Ellenbogen flügelartig bewegen konnte. Dazu einen zylinderartigen, hohen, weiß und blau gestreiften Schamanenhut“. In diesem Aufzug reihte er sinnlose Lautfolgen aneinander, wie beispielsweise in dem Gedicht „Karawane“: „higo bloiko russula huju / hollaka hollala“.

Dass dieser Clown sich ein paar Jahre später in die Werke verschollener Kirchenschriftsteller versenken würde, ahnte damals wohl niemand. Als Ball 1920 zum Katholizismus konvertierte, erschien das als Verrat, als Abfall von Fortschritt und Moderne. Und tatsächlich bezieht Ball zu allen großen (Schein-)Gewissheiten unserer Zeit in seinem religiösen Hauptwerk über das „Byzantinische Christentum“, erschienen 1923, die Gegenposition.


Wo die Moderne umstandslose Bedürfnisbefriedigung predigt und praktiziert, lobt er die Askese: „Das Gesetz der Askese allein verbürgt jene geheiligte Geräumigkeit der Seele, in der die unendliche Milde sich abgrenzt gegen die Wildheit, die Größe sich trennt von den Niederungen, in der alle Ehrfurcht Zauber und Flügel findet.“

Dem Dogma der Gleichheit stellt er den Hymnus auf die Hierarchie entegegen: „Wer Hierarchie sagt, ... der erklärt für heilig eine Ordnung, die ... ein Bild der urgöttlichen Schönheit entwirft“.

Er verteidigt den Gehorsam gegenüber dem Priester: „Die Rebellion gegen das Priestertum aber, aus welchen Motiven sie immer erfolgte, war noch stets eine Rebellion gegen das Reich der Ideen und der Schönheit, gegen das Reich der Transzendenz und der Illusion, kurz gegen die zärtlichsten und sublimsten Werte der Menschheit.“ So formulierte Ball die mitreißendste Widerlegung eines soziologistischen, demokratischen, verweltlichten Kirchenbegriffs.

Und doch ist Balls Konversion, lebensgeschichtlich betrachtet, alles andere als ein radikaler Bruch. Sie erfolgte unter dem Einfluss seiner Ehefrau Emmy Hennings, mit der er schon in der Züricher Zeit gemeinsam aufgetreten war. Denn Emmy Hennnigs war selbst Kabarettistin, Sängerin, Texterin - und seit 1911 katholisch. Ihr Glaube und ihre avantgardistische Kunstauffassung kamen also durchaus miteinander aus.

Auch Ball betrachtete den Glauben als Künstler. Sein Schutzheiliger war der Säulensteher Symeon, der „Stylit“, der irrationalste, der absurdeste von allen Heiligen. Dem aufgeklärten Bewusstsein erscheint das jahrzehntelanges Ausharren dieses Eremiten auf seiner Säule im Taurusgebirge sinnlos. Doch Ball, der selbst einmal als lebender Obelisk seine Lautgedichte zelebriert hatte, verstand ihn. „Wir müssen uns in die tiefste Alchemie des Wortes zurückziehen und selbst die Alchemie des Wortes verlassen, um so der Dichtung ihre heiligste Domäne zu bewahren“, hatte er gefordert. Seine Lautgedichte waren nur ein Hinweis auf das Fehlende gewesen. Nun lehrte ihn der Stylit jene verschollene Ursprache, die „Hieroglyphenschrift Gottes“. Er war der vollendete Dadaist.


Balls „Byzantinisches Christentum“ ist beides: Ikone aus Worten und theologischer „Wurf“. Den Provokateur interessierte nicht die vernünftige, gemäßigte, liberale Version des Glaubens. Ihn faszinierten die asketischen Übungen ägyptischer Mönchsväter. Denn die Askese, das spürte er, war Kunst und Abenteuer, war eine Methode, den Raum der Seele zu erweitern, sie bereit zu machen für die Begegnung mit dem Absoluten. Diesen Vorgang schilderte er in hochpoetischer Sprache: „Bilder zerschmelzen und Worte erglühen. Urteile ändern Gestalt und Wesen. Solange, bis sich aus solcher uns fremd gewordener Alchimie das lautere Gold der Seele ergibt. Dann erstarrt unter zarten Hämmern die Sprache.“ Die Alchemie des Wortes, hier war sie verwirklicht.

Die Wertschätzung der Hierarchie verdankte Ball der Engellehre des Pseudo-Dionysios Areopagita. Er rettete sie vor dem verständnislosen Positivismus der Theologen, indem er sie wieder in den religiösen Dschungel der Spätantike hineinversetzte. Die Stufen der kirchlichen Ämter verstand er mit Dionysios als Aufstieg, als Prozess der Vergeistigung und Verklärung. In ihr ging es nicht um Macht, sondern um Schönheit und Geheimnis, um den Rausch und die Verwandlung. Die irdische Hierarchie setzte sich fort in der himmlischen, in den Chören der Engel, und es war die Liturgie, die beides verband. Sie war – wie die Askese – dazu bestimmt, den Menschen über sich hinauszuführen, ihm jene kosmischen Räume zu öffnen, in denen allein Gott als der Unendliche, alles menschliche Vorstellen Übersteigende erkennbar wurde.

Es wundert nicht, dass ein solcher Autor schon seinen Zeitgenossen als Schwärmer und Fanatiker galt. Ball blieb unverstanden und isoliert, auch im katholischen Milieu.

Lediglich mit Hermann Hesse verband ihn eine enge Freundschaft, und ihm, der das „Byzantinische Christentum“ als „das schönste mir bekannte religiöse Buch“ bezeichnet hatte, widmete Ball auch eine Monographie.

Schon 1927 starb Hugo Ball, nachdem eine Operation gescheitert war, an Magenkrebs. Was er über den byzantinischen Mönchstheologen Johannes Klimax geschrieben hatte, könnte auch als Fazit unter seinem eigenen Werk stehen: „So singt die verwundete Seele von Zeiten, die den Gedanken als Hohn empfinden. So klagt der zerrissene Angstschrei des Inneren, der in die lautlose Tiefe des göttlichen Mitleids sinkt. Weil Menschengefühl nicht mehr lebt, keinen Glauben mehr findet, oder in Scham seine Ohnmacht bekennt.“ Balls Werk, das derzeit in kritischer Ausgabe im Wallstein-Verlag erscheint, bleibt neu zu entdecken.

Dr. Andreas Scheidgen studierte Germanistik und Geschichte. Er lebt und arbeitet in Mainz.


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Lesermeinungen

  28. Februar 2011 
 

Danke für den Hinweis auf Hugo Ball. Leider erwähnt der Artikel nicht

dessen famoses (wenn auch noch vor-katholisches) Werk: Die Folgen der Reformation - Zur Kritik der deutschen Intelligenz.

Das kann wirklich weiterempfohlen werden, weil er den Protestantismus zerpflückt, widerlegt und demaskiert, ohne katholische Argumente einzusetzen. Er analysiert ihn in dessen eigenem Wesen und in den Folgen.

Sehr lesenswert zur Luther-Dekade!


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 Herbert Klupp 28. Februar 2011 
 

Bekehrung wie beim Schächer

Ich habe mir schon oft gewünscht, eine zusammenfassende Darstellung aller (linken) aktiven Kritiker (Hasser / Verächter) der Kirche, die SPÄT oder sogar im LETZTEN MOMENT sich bekehrt haben, zu haben (leider ist mir nichts derartiges bekannt)

Es müßte lehrreich sein, all diese Bekehrungen in einer Zusammenschau zu sehen.

Und ist nicht das ZEUGNIS DER LETZTEN STUNDE das beste, wahrhaftigste Zeugnis, das ein Mensch, ein Denker zumal seiner Nachwelt geben kann ?


0
 
 Jurek 27. Februar 2011 
 

Heilig und selig zu sein/werden

Mit Hugo Ball fühlte ich mich stets sehr verbunden.

Als nihilistischer Intellektueller fand er zur Wahrheit und Erleuchtung im Herrn.

Ich glaube in seinem Buch \"Zur Kritik der deutschen Intelligenz\" hat er auch das Fragwürdige des Protestantismus sehr einleuchtend beschrieben.


1
 
 matthieu 27. Februar 2011 
 

war mir neu

Ein schöner Artikel.
Ich habe seine Texte immer gern gemocht. Wusste aber bis gerade nichts von seiner Hinwendung zum wahren Glauben.
Dada hat ja auch etwas von der Verrücktheit, von dem \"der Welt den Spiegel vorhalten\", ein kleines bisschen wie die Verücktheit des Glaubens an den Auferstandenen. So kann ich seinen Weg gut nachvollziehen.


0
 
 Freiburgbärin 27. Februar 2011 

Und noch\' Gedicht

Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt,
Alles noch schlummert und träumet und ruht,
Blümchen noch nickt in der Winde Hut,
Eh noch im Forste ein Vogel anschlägt,

Schreitet ein Engel
Durchs tauweiße Land
Streut ans den Segen
Mit schimmernder Hand.

Und es erwachet die Au und der Wald.
Blumen bunt reiben die Äuglein sich klar,
Staunen und flüstern in seliger Schar.
Aufstrahlt die Sonne, ein Amselruf schallt.

Aber der Engel
Zog längst schon landaus.
Flog wieder heim
In sein Vaterhaus.

Ich mag Hugo Ball.
Mehr Gedichte und Texte:

gutenberg.spiegel.de/archiv/autoren/namen/ball.xml


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 Freiburgbärin 27. Februar 2011 

1 Stern und 7 kazamogipuffel

1 Stern und 7 kazamogipuffel
macht 13 zakopaddogei
zubtrahiere 5 franschöse Männlin
macht 1 Libanotterbett
nehme 3 Quentlin Klotzpulfer
legs in himmelsdeifelsnamen
dabei, wirst sehen wohinst
kommst wnr bällt wnr heult
wnr pfaucht wnre Daugen däht

So schön ist Dadaismus


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