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Der Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum war immer und überall derselbe

17. September 2010 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Jeden Tag diese Woche auf kath.net: Exklusive Leseproben von "Apologia pro vita sua" von John Henry Kardinal Newman.


Linz (kath.net)
„Es war schwer einzusehen, weshalb die Eutychianer oder Monophysiten Häretiker gewesen sein sollten, wenn die Protestanten und Anglikaner keine wären. Es war schwierig, gegen die tridentinischen Väter Beweise zu erbringen, die nicht auch gegen die Väter von Chalcedon zeugten, und die Päpste des sechzehnten Jahrhunderts zu verurteilen, ohne auch die des fünften Jahrhunderts zu verurteilen. Das Drama der Religion und der Kampf zwischen Wahrheit und Irrtum war immer und überall derselbe. Die Grundsätze und die Handlungsweise der Kirche waren die gleichen wie damals und die Grundsätze und Handlungsweise der damaligen Häretiker unterschieden sich nicht von denjenigen der heutigen Protestanten. Fast mit Schrecken sah ich das: Es war eine furchtbare Ähnlichkeit, umso furchtbarer, weil sie so still und teilnahmslos zwischen den toten Urkunden aus der Vergangenheit und der fieberhaften Chronik der Gegenwart lag. Der Schatten des fünften Jahrhunderts fiel auf das sechzehnte. Es war, als tauche ein Geist aus den aufgewühlten Gewässern der alten Welt auf mit der Gestalt und den Charakterzügen der neuen Welt. Man konnte die Kirche damals wie heute gebieterisch und ernst, entschlossen, anmaßend und unbarmherzig nennen. Die Häretiker waren schlau, wechselhaft, verschlossen und arglistig, umschmeichelten stets die weltliche Macht und waren nie unter sich einig, außer mit deren Hilfe.


Und die weltliche Macht war jederzeit auf Vergleiche bedacht, versuchte, das Unsichtbare aus der Sicht zu verdrängen und setzte die Zweckmäßigkeit an die Stelle des Glaubens. Was konnte die Fortsetzung der Kontroverse oder die Verteidigung meiner Stellung nützen, wenn ich schließlich für Arius und Eutyches Beweise schmiedete und gegen den großen Dulder Athanasius oder den majestätischen Leo als des Teufels Advokat auftrat? Meine Seele sei bei den Heiligen! Gegen sie soll ich die Hand erheben? Eher soll meine Rechte erlahmen und auf der Stelle verdorren, wie es demjenigen geschah, der sie einstmals gegen einen Propheten des Allerhöchsten erhob! Das Anathema sei ausgesprochen gegen die ganze Sippe eines Cranmer, Ridley, Latimer und Jewel! Die Namen Bramhall, Ussher, Taylor, Stillingfleet und Barrow sollen vom Angesicht der Erde weggefegt werden, ehe ich mich abhalten lasse, in Liebe und Verehrung zu den Füßen jener niederzusinken, deren Bild beständig vor meinen Augen steht und deren Worte voll Wohllaut immer in meinen Ohren und auf meiner Zunge sind!“

Kaum hatte ich dieses Studium beendet, als mir von Freunden, die der Sache Roms besser gesinnt waren als ich, die Dublin Review vom August desselben Jahres übergeben wurde. Sie enthielt einen Artikel über den „anglikanischen Rechtsanspruch“ von Bischof Wiseman. Dies war ungefähr Mitte September. Er handelte von den Donatisten und brachte sie in Verbindung mit dem Anglikanismus. Ich las ihn, konnte aber nicht viel daraus entnehmen. Die donatistische Streitfrage war mir, wie ich oben anführte, schon seit ein paar Jahren bekannt. Der Fall stand zur anglikanischen Kirche in keiner Parallele. Der hl. Augustinus schrieb in Afrika gegen die Donatisten in Afrika. Sie bildeten eine Partei, die mit ihrem Fanatismus ein Schisma in der afrikanischen Kirche erzeugte, darüber hinaus reichte ihr Einfluss nicht. Es war eine Angelegenheit zwischen zwei Altären, zwischen zwei Bischöfen, die um denselben Stuhl stritten, ähnlich wie zwischen den Eidverweigerern in England und der Staatskirche, nicht die Angelegenheit zwischen zwei Kirchen, wie es der Fall war bei Rom und den orientalischen Monophysiten. Aber mein Freund, damals wie jetzt ein gewissenhaft religiöser Mann, der mir sehr teuer und übrigens noch Protestant ist, wies auf die ausgezeichneten Worte des hl. Augustinus hin, die in einem Auszug in der Review enthalten und meiner Aufmerksamkeit entgangen waren. Sie lauteten: „Securus judicat orbis terrarum“ (sicher urteilt der Erdkreis).

APOLOGIA PRO VITA SUA
Geschichte meiner religiösen Überzeugungen
John Henry Kardinal Newman
13,5 x 20,5 cm, gebunden, 448 Seiten
Euro 25,60
Mit einem Beitrag von Joseph Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt XVI


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