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Der Erfolg des liberalen Einflusses zerrieb mich innerlich

14. September 2010 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Jeden Tag diese Woche auf kath.net: Exklusive Leseproben von "Apologia pro vita sua" von John Henry Kardinal Newman.


Linz (kath.net)
In dieser Zeit war ich von meinen Pflichten am College entbunden. Meine Gesundheit war infolge der Anstrengung, welche die Abfassung meines Buches mit sich brachte, angegriffen. Im Juli 1832 war es druckfertig, wurde aber erst gegen Ende des Jahres 1833 veröffentlicht. So war ich leicht zu überreden, mich Hurell Froude und seinem Vater anzuschließen, die wegen des Gesundheitszustandes des Ersteren eine Reise nach Südeuropa antraten. Ich besuchte verschiedene Küsten des Mittelmeeres, trennte mich in Rom von meinen Freunden, fuhr gegen Ende April zum zweiten Mal nach Sizilien hinunter und kehrte Anfang Juli über Palermo nach England zurück. Das Ungewohnte des fremden Lebens führte mich ins eigene Innere zurück. Ich fand Gefallen an historischen Stätten und schönen Anblicken, nicht an den Menschen und ihren Sitten.

Vom Umgang mit Katholiken hielten wir uns auf der ganzen Reise fern. Einmal unterhielt ich mich mit dem Dekan von Malta, einem sehr liebenswürdigen Mann, der vor Kurzem starb, jedoch nur über die Väter und die Bibliothek der großen Kirche. In Rom lernte ich den Abbate Santini kennen, der mir sogar die gregorianischen Tonarten abschrieb. Froude und ich machten zwei Besuche bei Monsignore (jetzt Kardinal) Wiseman im englischen Kolleg, kurz bevor wir Rom verließen. Einmal hörten wir ihn in einer Kirche auf dem Corso predigen. Sonst erinnere ich mich nicht, mit einem Geistlichen zusammengetroffen zu sein, außer einem Priester aus Castro-Giovanni in Sizilien, der mich besuchte, als ich krank war, und mit dem ich mich über einige Streitfragen unterhalten wollte. Von kirchlichen Feierlichkeiten besuchten wir nur die Tenebrae in der Sixtinischen Kapelle, um das Miserere zu hören. Das war alles. Mein allgemeines Empfinden war: „Alles, außer dem Geist dieser Menschen, ist göttlich.“ Ich sah nur das Äußere; vom inneren verborgenen Leben der Katholiken hatte ich keine Ahnung. Immer mehr zog ich mich in mich selbst zurück und fühlte meine Einsamkeit. England allein lag mir im Sinn, aber die Nachrichten von dort kamen selten und unvollständig. Das Gesetz zur Aufhebung der irischen Bischofssitze war in Vorbereitung und beherrschte mein ganzes Denken. Ich war voll Zorn gegen die Liberalen.


Der Erfolg des liberalen Einflusses zerrieb mich innerlich. Ich wurde wütend über ihre Maßnahmen und ihre Kundgebungen. Ein französisches Kriegsschiff lag in Algier. Ich mochte nicht einmal seine Flagge ansehen. Obwohl ich auf meiner Rückreise gezwungen war, mich einen Tag in Paris aufzuhalten, blieb ich dort in meinem Zimmer und sah deshalb von der prächtigen Stadt auch nur das, was ich von der Diligence aus sah. Der Bischof von London hatte sich schon nach mir umgehört, um mir eine der Predigerstellen in Whitehall anzubieten, die er eben damals neu organisiert hatte. Aber ich war empört über die Richtung, die er eingeschlagen hatte, und schrieb von meinem Dampfschiff aus einen Brief in die Heimat, worin ich das Amt ablehnte für den Fall, dass es mir angetragen würde.

Besonders verärgert war ich damals über Dr. Arnold, jedoch war dies nicht von Dauer und änderte sich wieder in den folgenden Jahren. Ich glaube, jemand hatte in Rom im Laufe einer Unterhaltung gefragt, ob eine bestimmte Auslegung der Schrift christlich sei, worauf die Antwort erfolgte, dass Dr. Arnold dies bejahe. Daraufhin machte ich die Bemerkung: „Aber ist er ein Christ?“ Den Vorfall hatte ich sofort vergessen. Als ich später damit konfrontiert wurde, konnte ich zur Erklärung nur vorbringen, ich hätte vermutlich einige freie Anschauungen Dr. Arnolds über das Alte Testament im Auge gehabt. Wahrscheinlich wollte ich damit sagen: „Arnold bürgt für die Auslegung, aber wer bürgt für Arnold?“

APOLOGIA PRO VITA SUA
Geschichte meiner religiösen Überzeugungen
John Henry Kardinal Newman
13,5 x 20,5 cm, gebunden, 448 Seiten
Euro 25,60
Mit einem Beitrag von Joseph Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt XVI


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