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Berlin: Esoterischer Sex-Kongress in evangelischen Räumen

14. Mai 2007 in Deutschland, keine Lesermeinung
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In der Zwölf-Apostel-Kirche findet eine umstrittene Tagung "Spiritualität & Sexualität" statt – Ursprünglich sollte der Kongress im "Tagungszentrum Katholische Akademie" stattfinden. Von Christian Johnsen.


Berlin (www.kath.net/idea)
An Christi Himmelfahrt, 17. Mai, soll um 10 Uhr in der evangelischen Berliner Zwölf-Apostel-Kirche der Kongress „Spiritualität & Sexualität“ beginnen. Veranstalter ist der „konfessionell unabhängige“ Verein Calumed. Geworben wird mit Faltblättern in Kirchen, PR-Beiträgen in Esoterik-Magazinen und auf einer Erotik-Website im Internet. Die Berliner kirchlichen Sektenexperten Thomas Gandow und Matthias Pöhlmann schlagen Alarm – bisher vergeblich.

Im Kongressprogramm geht es zur Sache. Nachdem Prof. Reinhold Bernhardt, Dekan der theologischen Fakultät Basel, mit dem Thema „Kann denn Liebe Sünde sein?“ als Theoretiker den Anfang macht, geht es die Ex-Prostituierte, Pornodarstellerin und Buchautorin Annie Sprinkle (alias Ellen Steinberg) von der praktischen Seite an.

Mit ihrer „Ehefrau“ Beth will sie „die ZuhörerInnen durch Zeigen und Erzählen inspirieren, erfreuen und an ihrer Liebesgeschichte Anteil haben lassen“. Gegen Ende spricht die Osho(alias Bhagwan)-Schülerin Margot Anand über das von ihr entwickelte „Sky Dancing Tantra“, und Calumed-Gründer Dieter Jarzombek stellt „Sufi-Tantra oder Sex mit Gott“ vor. Und Sabine Lichtenfels erklärt, warum es auf Erden keinen Frieden geben wird, solange Krieg in der Liebe herrscht.

Sektenbeauftragter: Unfassbar

Für den Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Thomas Gandow, ist das alles unfassbar. Seines Wissens ist dies die erste Veranstaltung in kirchlichen Räumen, für die auf einer Erotikseite wie joyclub.de geworben wird. Hier lasse sich Kirche missbrauchen, um dem Sexkommerz von Annie Sprinkle & Co. neue Märkte über „Doktorspiele auf dem Altar“ zu erschließen. Noch gefährlicher sei die Überhöhung dieses Treibens in magisch-esoterischen Theorien, die in Widerspruch zur christlichen Botschaft stünden. Das Sex-Thema sei ein Köder, mit dem Erwachsene verführt würden, sich ganz in die Hände unhinterfragbarer „Heiler“ zu begeben. Vor Referenten wie Sabine Lichtenfels werde im Handbuch Religiöse Gemeinschaften der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands ausdrücklich gewarnt und eine Raumvergabe für unmöglich erklärt. Auch Matthias Pöhlmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) übt scharfe Kritik: „Die weltlichanschaulichen Grundlagen des Vereins Calumed und seine Angebote sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Hier werden verschiedene religiöse Vorstellungen vermengt, vom Neoschamanismus bis hin zu übernatürlichem Heilen.“

Katholiken sagten ab

In die Kritik kam die Veranstaltung erst vor wenigen Tagen. Ursprünglich sollte der Kongress im „Tagungszentrum Katholische Akademie" stattfinden. Doch die Erzbischöfliche Vermögensverwaltung Berlin sah plötzlich Probleme. „Bei der Zusage von Seiten des Tagungszentrums war ein schon länger bestehender gültiger Vertrag übersehen worden, so dass eine ordnungsgemäße Durchführung der geplanten Veranstaltung nicht gewährleistet werden konnte“, erklärt dazu Stefan Förner, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. „Der Veranstalter war darüber informiert worden und hatte einer Verlegung zugestimmt. Das Angebot einer gleichwertigen Ausweichmöglichkeit hat er nicht angenommen, die Begründung ist mir nicht bekannt.“ Die gleichzeitige Entlassung des verantwortlichen Direktors sei aber reiner Zufall. „Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.“

„Da guckt keiner so genau hin“

Dass es so schnell gelang, in eine evangelische Einrichtung zu wechseln, hat einen einfachen Grund: Vorstandsvorsitzender von Calumed ist der aidskranke Pfarrer Peter Weigle, wegen seines Leidens im Vorruhestand, aber mit Predigtauftrag an der Zwölf-Apostel-Kirche. Die Kritik der Sektenbeauftragten weist er entschieden zurück. „In Sachen Sexualität wollen alle Religionen mitreden und Vorschriften machen. Wir müssen uns deshalb bewusst mit diesen Dogmen und mit der Gegenmeinung auseinandersetzen. Die Veranstaltung will nicht für eine bestimmte Auffassung werben, sondern verschiedene Sichtweisen miteinander ins Gespräch bringen.“ Dass dies lauter verwandte Sichtweisen sind und kein Vertreter eines echten Gegenstandpunktes eingeladen wurde, glaubt er nicht: „Prof. Bernhardt wird alle theologischen Positionen integer darstellen. Er war schon auf unserem letzten Kongress.“

In der Gemeinde wird Weigle aufgrund seines Engagements geschätzt. „Da guckt keiner so genau hin", erklärt sein geschäftsführender Amtsbruder Andreas Fuhr die Raumvergabe. An dieser Zusage sei nicht mehr zu rütteln: „Wir sehen keine Veranlassung, vom Vertrag zurückzutreten. Die Gemeinde hat damit kein Problem. Das Thema liegt hier in der Luft, unser Kiez ist davon sehr geprägt. Und bei Schamanismus erschrecken wir ebenfalls nicht. Das haben wir im interreligiösen Dialog schon behandelt und auch Ashrams oder buddhistische Klöster besucht. Gerade im Gespräch mit anderen Religionen verstehen wir die eigene, christliche Position am besten.“ Kein Thema ist für diese Gemeinde offenbar, was aus Menschen wird, die durch solche Veranstaltungen gutgläubig in die Fänge der Esoterik-Magier gelotst werden. „Was die außerhalb unserer Veranstaltung machen, damit haben wir nichts zu tun“, wiegelt Weigle ab.

Rufwäsche durch Kirchen

In Berlin beobachtet die EZW immer häufiger, dass ahnungslose Gemeinden so zur „Rufwäsche“ missbraucht werden: Um den geschäftsschädigenden Sektenruf loszuwerden, halten Esoterik-Vermarkter öffentliche Veranstaltungen bevorzugt in Kooperation mit Gemeinden oder in deren Räumen ab. Flankierend werden seriöse Referenten eingeladen, deren Reputation für den wissenschaftlichen Anstrich sorgt. Die eigentlichen Kurse finden dann außerhalb des kirchlichen Bereichs statt, und was da passiert, weiß in den Gemeinden niemand – bis auf die Leser von Sektenhandbüchern und Aussteigerberichten.

Ein „Brutal-Kult“

In dieser Literatur ist immer wieder der Name von Sabine Lichtenfels zu lesen. Das von ihr mitgegründete „Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung“ (ZEGG) war ursprünglich die „New-Age Variante von Otto Mühls Brutal-Kult“. Mühl und seine „Hauptfrau“ Claudia wurden 1991 zu sieben bzw. drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Der heute wieder gefeierte Künstler hatte zwei Jahrzehnte lang vorgeführt, wie mit dem Versprechen, „die Welt zu verändern“, hunderte Erwachsene und deren Kinder in gefügige Sex- und Arbeitssklaven verwandelbar sind. Im ZEGG wurden illegalen und gewaltsame Methoden durch subtilere Beeinflussung ersetzt, auf eine positive Außendarstellung geachtet und die Vernetzung mit ökologischen Friedensinitiativen oder Globalisierungskritikern angestrebt. Doch diese Rufwäsche der ehemaligen Mühl-Jünger schlug anfangs fehl. Noch 1993 wurde Sabine Lichtenfels von der damaligen Universitätspräsidentin Marlis Dürkop ausgeladen, mit der Begründung, das ZEGG sei eine Sekte, deren Ziele im Widerspruch zur humanistischen Auffassung der Humboldt-Universität stünden. Auch die Berliner Senatsverwaltung warnte vor dem Errettungsmodell des „erlösten Eros“, bei dem die sogenannte Freie Liebe „eine Pflicht zur Sexualität mit mehreren Personen“ sei. „Eine Weigerung wird als schädliche Panzerung und Krankheit definiert, die nur mit Sex zu heilen ist.“ Die Bundesregierung rechnete 1996 das ZEGG zu den „sogenannten Jugendsekten und Psychogruppen“.



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