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Römische Orientierung statt deutsch-synodale Desorientierung

17. Februar 2026 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Eine Synodalkonferenz in der Kirchenprovinz Deutschland „würde die Desorientierung massiv vermehren. Doch die Sehnsucht besteht nach dem Licht der Welt, nicht nach den Irrlichtern dieser Weltenzeit.“ Kommentar von Dr. Thorsten Paprotny


Hannover (kath.net) „Wohin soll ich mich wenden?“ So beginnt das Eröffnungslied der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert. Die Antworten darauf sind einfach: Orientierung, im Leben und im Sterben, schenkt die Heilige Schrift. Orientierung im Glauben und in dieser Welt schenkt die Lehre der Kirche, schenkt der verbindlich gültige Katechismus. Orientierung schenkt die römisch-katholische Theologie, die an das Evangelium gebunden ist. Orientierung schenken die lichtvollen Konstitutionen und Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Orientierung schenken die Enzykliken der Päpste. Das alles fand auf dem deutschen Synodalen Weg keine Berücksichtigung, von Zitaten, die aus dem Kontext herausgelöst wurden, einmal abgesehen. 

Nicht die Lehre der Kirche, nicht die Theologie – von den Kirchenvätern bis zu Henri de Lubac, Karl Rahner, Joseph Ratzinger oder Walter Kasper –, nicht die Heilige Schrift und das auf ihr fußende christliche Menschenbild, sondern die sogenannten „Humanwissenschaften“, deren Vordenker der französische Denker Michel Foucault war, waren auf dem deutschen Synodalen Weg sowie in den Beschlüssen allgegenwärtig und verlässliche Impulsgeber für eine vollständig sinnwidrige Agenda von Kirchenreformen, die angeblich sexuellen Missbrauch bekämpfen, die sogenannten „systemischen Ursachen“ desselben beseitigen und künftige Missbrauchstaten verhindern sollen. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn alle Bischöfe und alle anderen wie auch immer ausgewählten Mitglieder dieser Versammlung Abigail Favales Buch „Die geleugnete Natur“ (Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2024) gelesen hätten. Foucault plädierte 1977 für die Entkriminalisierung sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Favale führt aus: „Im Jahr 1977 reichte Foucault bei der französischen Regierung einen förmlichen Antrag ein, einvernehmlichen Sex mit Minderjährigen zu entkriminalisieren. Er schlug nicht nur vor, das Alter des Jugendschutzes herabzusetzen, sondern plädierte für seine völlige Abschaffung. Im selben Jahr forderte ein offener Brief in der französischen Zeitung Le Monde die Freilassung von drei verurteilten Pädophilen, denn drei Jahre [Gefängnis] für Küsse und Zärtlichkeiten sind genug. Im Brief wurde argumentiert, wenn 13-jährige Mädchen alt genug seien, um als Verhütungsmittel die Pille verschrieben zu bekommen, dann seien sie auch alt genug, um in Sex mit Erwachsenen einzuwilligen. Dieser Brief wurde unterzeichnet von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Jean-François Lyotard, Gilles Deleuze, Félix Guattari und Roland Barthes. Alle diese Intellektuellen sind Berühmtheiten in der akademischen Welt, verehrte Theoretiker und Philosophen. … Wenn eine Philosophie jemanden an diesen Punkt führt, dann ist mit ihren Grundlagen etwas nicht in Ordnung.“ (vgl. Abigail Favale, Die geleugnete Natur, S. 83 f.) Die US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Theologin Favale, zugleich eine renommierte Kritikerin der Gender-Theorie, belegt ihre Darlegungen hinreichend. Auch Weltchristen ohne jede theologische Vorbildung verstehen sofort, wovon sie spricht, ebenso Andersgläubige und säkular gesinnte Zeitgenossen. 


Wenn heute wortreich, ob von freisinnigen Theologen, medienaffinen Kirchenkritikern oder Bischöfen, in Deutschland die Besinnung auf die Erkenntnisse der Wissenschaften gefordert wird, so könnte man natürlich sagen – ja, es wäre sinnvoll gewesen, Favales Ausführungen zu studieren. Dann könnte darüber nachgedacht werden, ob bei allen zeitgeistlichen Reformbestrebungen, die auf dem deutsch-synodalen Weg diskutiert wurden, sich mit solider Wissenschaft zu beschäftigen und nicht die kirchliche Lehre zu ignorieren, ja zu verhöhnen. Die beste Prävention gegen sexuellen Missbrauch ist noch immer die verbindlich gültige Moral- und Sexuallehre der römisch-katholischen Kirche. Man muss sie nur verkünden und befolgen. 

Darüber hinaus darf weiterhin gefragt werden: Wenn in der Kirchenprovinz Deutschland ein Gremium wie die sogenannte Synodalkonferenz etabliert werden soll, was darf man denn als einfach gläubiger Katholik künftig erwarten? Soll dort ein neues Menschenbild erdacht und etabliert werden? Werden dort von Auserwählten über Beschlüsse über die deutsch-katholische Morallehre gefasst? Eine Synodalkonferenz würde die Desorientierung massiv vermehren. Doch die Sehnsucht besteht nach dem Licht der Welt, nicht nach den Irrlichtern dieser Weltenzeit. Viele Katholiken, die noch immer, ob gelegen oder ungelegen, nicht zu einer deutsch-katholischen Synodalkonferenz, sondern in unverbrüchlicher Treue zur Kirche stehen, möchten sich das nicht vorstellen, und viele werden das auch nicht ernst nehmen. Rom könnte eine solche Synodalkonferenz noch aus guten Gründen verhindern und letztlich gilt, was der heilige Ambrosius sagte: „Ubi Petrus, ibi ecclesia.“ Wo der Papst ist, dort ist die Kirche. Auf die Evangelisierung kommt es an, einzig und allein auf Christus, auf das Licht der Welt. Auf das „Lumen gentium“, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt.

 


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