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‚Die Wahrheit ist kein Luxusgut‘. Papst Leo XIV. ruft Medien zur Verantwortung

9. Oktober 2025 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Warnung in Ansprache an internationale Nachrichtenagenturen vor einer ‚Krise des Erkennens‘ in der Ära der Algorithmen. Die Information: ein ‚öffentliches Gut‘. Gegen Ideologie, Manipulation und digitale Unwahrheit. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In einer eindringlichen Ansprache vor den Teilnehmern der 39. Konferenz der internationalen Nachrichtenagentur-Vereinigung MINDS International im Apostolischen Palast hat Papst Leo XIV. am 9. Oktober den Journalismus als Dienst an der Wahrheit, an der Menschenwürde und an der Freiheit der Gesellschaft bezeichnet.

Leo XIV. begann mit einem realistischen, fast paradoxen Befund: „Wir könnten es als Paradox bezeichnen, dass in der Ära der Kommunikation gerade die Agenturen der Information und Kommunikation eine Zeit der Krise durchlaufen, und dass auch die Nutzer der Information selbst in der Krise sind, da sie oft das Falsche für wahr halten und das Authentische mit dem Künstlichen verwechseln“. Diese Krise, so der Papst, sei jedoch kein Schicksal, sondern eine Herausforderung. Denn: „Niemand sollte heute sagen können: ‚Ich wusste es nicht‘“. Er forderte die Medienvertreter auf, ihre Berufung als ethische Verantwortung wahrzunehmen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu stärken: „Die Information ist ein öffentliches Gut, das wir alle schützen müssen. Wirklich konstruktiv ist daher die Allianz zwischen Bürgern und Journalisten unter dem Zeichen der ethischen und zivilen Verantwortung“. Eine solche „Allianz“, so Leo XIV., schaffe einen „Tugendkreis“, der dem gesellschaftlichen Organismus guttue: „Eine aktive Form von Bürgersinn ist es, jene zu schätzen und zu unterstützen, die in ihrem journalistischen Dienst Ernsthaftigkeit und wahre Freiheit zeigen“.

Der Papst gedacht auch der Journalisten, die in Krisen- und Kriegsgebieten ihr Leben riskieren: „Jeden Tag gibt es Reporter, die ihr Leben aufs Spiel setzen, damit die Menschen erfahren, wie es wirklich ist. Und in einer Zeit wie der unseren, die von gewaltsamen und weit verbreiteten Konflikten gezeichnet ist, sind es viele, die auf dem Feld fallen: Opfer des Krieges und der Ideologie des Krieges, die Journalisten das Dasein verwehren will“. Er erinnerte daran, dass unser Wissen um das, was „in Gaza, in der Ukraine und in jeder anderen vom Krieg verwundeten Erde“ geschieht, „in hohem Maße ihnen zu verdanken“ sei. Diese „Zeugnisse bis zum Äußersten“ seien die Spitze eines „täglichen Opfers“, das viele bringen, „damit die Information nicht von fremden Interessen vergiftet wird, die der Wahrheit und der Würde der Person widersprechen“.


Leo XIV. erinnerte an seine erste Begegnung mit Journalisten nach dem Konklave und erneuerte seine damalige Bitte: „Ich wiederhole heute diese Forderung: Journalismus darf niemals als Verbrechen betrachtet werden, sondern ist ein zu schützendes Recht“. Er fügte hinzu: „Eine freie Information ist ein Pfeiler, der den Aufbau unserer Gesellschaften trägt – und deshalb sind wir berufen, sie zu verteidigen und zu garantieren.“

Der Papst griff die Worte seines Vorgängers Franziskus auf: „Wir brauchen mutige Unternehmer und mutige Informatikingenieure, damit die Schönheit der Kommunikation nicht verdorben wird“. Hieraus leitete Leo XIV. seine Mahnung ab, „die Kommunikation von der kognitiven Verschmutzung zu befreien, die sie verdirbt“, ebenso von „unlauterem Wettbewerb“ und der „Verwilderung des sogenannten click bait“. Die Presseagenturen seien „an vorderster Front“ gefordert, wirtschaftliche Nachhaltigkeit mit der „Wahrung des Rechts auf korrekte und plurale Information“ zu verbinden. Die digitale Geschwindigkeit dürfe die Verantwortung nicht überholen: „Ihr seid oft die Ersten am Ort, die Ersten, die die Nachricht bringen. Gerade im Zeitalter der permanenten Live-Kommunikation ist euer Dienst ein kostbares Gegengift gegen die Flut von Informationsmüll – und verlangt daher Kompetenz, Mut und ethisches Bewusstsein“.

Leo XIV. stellte sodann die drängende Frage unserer Zeit: „Die Algorithmen erzeugen Inhalte und Daten in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit, wie man sie noch nie gesehen hat. Aber wer regiert sie? Die künstliche Intelligenz verändert die Weise, wie wir uns informieren und kommunizieren – doch wer lenkt sie und zu welchen Zwecken?“. Die Antwort bestehe in einer doppelten Wachsamkeit: „Wir müssen wachen, damit die Technologie nicht den Menschen ersetzt und damit Information und die Algorithmen, die sie heute steuern, nicht in den Händen weniger liegen“.

Im letzten Teil seiner Ansprache zeichnete der Papst das Ideal eines Journalismus, der die Zivilisation schützt: „Mit eurer geduldigen und gewissenhaften Arbeit könnt ihr ein Damm sein gegen jene, die durch die alte Kunst der Lüge Spaltungen erzeugen, um durch Teilung zu herrschen. Ein Bollwerk der Zivilisation gegenüber den Treibsanden der Annäherung und der Post-Wahrheit“. Mit deutlichem Bezug auf das Denken von Hannah Arendt zitierte Leo XIV. deren warnende Analyse: „Der ideale Untertan des totalitären Regimes ist nicht der überzeugte Nazi oder Kommunist, sondern der Mensch, für den es keinen Unterschied mehr gibt zwischen Realität und Fiktion, zwischen wahr und falsch“ (Hannah Arendt: „The ideal subject of totalitarian rule is not the convinced Nazi or the convinced Communist, but people for whom the distinction between fact and fiction and the distinction between true and false no longer exist“, The Origins of Totalitarianism, 474; dt. Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft). Daraus folge, so der Papst: „Wir sind nicht dazu bestimmt, in einer Welt zu leben, in der die Wahrheit nicht mehr von der Fiktion zu unterscheiden ist“.

Leo XIV. schloss seine Ansprache mit einem Appell an das journalistische Gewissen: „Die Ökonomie der Kommunikation darf ihr Schicksal nicht von der Teilhabe an der Wahrheit trennen. Transparenz der Quellen und der Eigentumsverhältnisse, Verantwortlichkeit, Qualität, Objektivität - das sind die Schlüssel, um den Bürgern ihre Rolle als Protagonisten des Systems zurückzugeben“. So der persönliche Aufruf: „Ich bitte euch: Verkauft niemals eure Glaubwürdigkeit!“.

Papst Leo XIV. hat in dieser Ansprache nicht nur die Medien, sondern die gesamte Öffentlichkeit angesprochen. Seine Worte erinnern daran, dass Wahrheit kein Luxus, sondern die Bedingung der Freiheit ist – und dass Information, wenn sie ihre Seele verliert, den Menschen selbst verliert.

Foto (c) Der Heilige Stuhl

 


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