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Die christliche Minderheit in Syrien wurde erneut Ziel extremistischer Gewalt

24. Juni 2025 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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"Zwei junge Männer, Brüder aus der Gemeinde, versuchten den Attentäter aufzuhalten – beide starben im Einsatz für andere." Hintergründe zum Anschlag auf Elias-Kirche/Damaskus. Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Damaskus (kath.net) Der Anschlag: Schrecken während des Gottesdienstes - Gegen 18 Uhr drangen mehrere bewaffnete Männer in das Gotteshaus ein, eröffneten das Feuer auf die Gläubigen, rund 400 Menschen waren zum Sonntags-Gottesdienst in der griechisch-orthodoxen Elias-Kirche in Damaskus versammelt. Mindestens ein Attentäter, mutmaßlich ein Mitglied der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), zündete einen Sprengstoffgürtel im Hauptschiff der Kirche. Zwei junge Männer, Brüder aus der Gemeinde, versuchten den Attentäter aufzuhalten – beide starben im Einsatz für andere. Die syrischen Behörden sprechen von einem gezielten Terrorakt gegen Christen. Zwei mutmaßliche Komplizen konnten entkommen. Es gab mindestens 25 Tote und Dutzende Schwerstverletzte, die noch um ihr Leben ringen.

Die griech.-orthodoxe St.-Elias-Kirche, ein bedeutendes religiöses Zentrum mit angeschlossenem Kloster und Schule, wurde schwer beschädigt. „Ein Ort des Friedens wurde zum Ort der Angst“, sagte die Ordensfrau Jihane Attala, Schulleiterin einer benachbarten griechisch-katholischen Schule.

Zielscheibe: Christen in Syrien

Der Anschlag unterstreicht eine beunruhigende Entwicklung: Seit Jahren geraten Christen in Syrien zunehmend ins Visier islamistischer Gruppen. Bereits vor dem Bürgerkrieg stellten sie rund zehn Prozent der Bevölkerung. Heute leben nur noch geschätzt 300.000 bis 700.000 Christen im Land. Viele wurden vertrieben oder wanderten aus. Wiederholte Angriffe, Diskriminierung und zerstörte Kirchen haben das Sicherheitsgefühl der Gemeinschaft erschüttert.


Al-Duwaila war in der Vergangenheit bereits Schauplatz extremistischer Provokationen. Laut der Linzer Initiative Christlicher Orient (ICO) wurden Christen in letzter Zeit zunehmend offen zur Konversion aufgefordert – auch direkt vor der Kirche St. Elias.

Reaktionen: Welle der Solidarität

Der Anschlag hat nationale wie internationale Reaktionen ausgelöst. Syriens Premier Ahmed al-Scharaa sprach von einem „feigen Versuch zur Destabilisierung“ des Landes. Sozialministerin Hind Aboud Kabawat, selbst Christin, besuchte den Tatort und kündigte staatliche Hilfen an.

Der UN-Sondergesandte Geir Pedersen nannte die Tat ein „abscheuliches Verbrechen“. Auch Kirchenoberhäupter wie Papst Leo XIV., der orthodoxe Patriarch Bartholomaios und Patriarch Kyrill von Moskau bekundeten tiefes Mitgefühl. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sprach von einem „Blutsonntag“ und forderte konkreten Schutz für religiöse Minderheiten.

Das internationale Hilfswerk *Kirche in Not* rief zu sofortigen Maßnahmen zum Schutz christlicher Einrichtungen auf: „Wir dürfen nicht wegschauen.“

Kritik an der Übergangsregierung

Die syrische Übergangsregierung, seit dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 im Amt, steht unter wachsendem Druck. Zwar betont Premier al-Scharaa regelmäßig seinen Bruch mit islamistischen Ideologien, doch der Anschlag offenbart die Schwäche staatlicher Schutzmechanismen. Das orthodoxe Patriarchat forderte die Regierung in einer scharfen Stellungnahme auf, endlich Verantwortung für die Sicherheit aller Bürger zu übernehmen.

Ein Hoffnungsschimmer: Die kurdisch-arabisch geführte Selbstverwaltung in Nordostsyrien bot sofortige Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung an – ein Zeichen für möglichen innerstaatlichen Dialog.

Zwischen Angst und Glauben

Viele Kirchen in Damaskus setzten nach dem Anschlag alle Gottesdienste aus. Die Angst vor weiteren Angriffen ist groß. Schwester Jihane, die mehrere Verletzte persönlich kennt, schilderte gegenüber Radio Vatikan die Situation: „Unsere Kirchen sind immer voll, weil die Menschen nach Frieden hungern. Doch jetzt herrscht Angst. Wir haben geweint – und dann gebetet.“

Trotz der Bedrohung bleibt der christliche Glaube für viele eine Quelle der Hoffnung. „Die Kirche ist auf dem Blut der Märtyrer gebaut“, sagte die Ordensfrau. „Wir glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod.“

Ausblick: Ein Prüfstein für Syrien und die Welt

Der Anschlag auf St. Elias ist mehr als ein lokaler Terrorakt – er ist Mahnung und Prüfstein zugleich. Die syrische Regierung steht vor der Herausforderung, ihren Schutzanspruch glaubhaft umzusetzen. Zugleich ist auch die internationale Gemeinschaft gefordert, nicht nur Mitgefühl zu zeigen, sondern durch konkrete Unterstützung gefährdeter Gruppen zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

Syrien ist ein Vielvölkerstaat mit jahrtausendealter religiöser Vielfalt. Die Bewahrung dieses Erbes – und der Schutz seiner Gläubigen – ist eine Aufgabe, die weit über seine Grenzen hinausreicht.
Infokasten: Christen in Syrien – Zahlen & Fakten
- Vor 2011: rund 2,2 Millionen Christen (ca. 10 % der Bevölkerung)
- Heute: 300.000–700.000 (Schätzung)
- Hauptkonfessionen: Griechisch-Orthodoxe, Armenisch-Apostolische, Syrisch-Orthodoxe, Katholiken verschiedener Riten
- Wichtige Städte: Damaskus, Homs, Aleppo, Maalula
- Bedrohungen: Islamischer Staat (IS), Hayat Tahrir al-Scham (HTS), Diskriminierung, Auswanderungsdruck

Kurzbiographie von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer: geb. 1949 in Altdorf/ Titting;1977 Priesterweihe; 1977-1985 Abtei Niederaltaich; Studien (Diplom, Lizentiat, Doktorat): Eichstätt, Jerusalem, Griechenland, Rom; 1991-1998 Pfarrseelsorge; 1998-2008 Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt; 2002 Erzpriester-Mitrophor; 2010 Archimandrit; 2004-2012 Päpstl. Konsultor für die Ostkirchen/Rom; 2008-2015 Rektor der Wallfahrt und des Tagungshauses Habsberg; 2011-2015 Umweltbeauftragter und 2014-2017 Flüchtlingsseelsorger der Diözese Eichstätt; seit 2017 Mitarbeit in der außerordentlichen Seelsorge.

Foto: In der Mar Elia Kirche fand man nach dem Anschlag das Blut von Märtyrern an den Ikonen


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