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Bischof Barron: „Die Kirche stirbt in Deutschland… warum studieren wir nicht die Kirche in Nigeria?“

16. Oktober 2024 in Weltkirche, 15 Lesermeinungen
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US-Bischof und Delegierter bei der aktuellen Bischofssynode des Vatikans: „Warum sind wir so fixiert auf die Kirche in Deutschland?“ – Fünf Lektionen, die man von der Kirche in Afrika lernen kann“ - VIDEO


Winona-Rochester (kath.net/pl) Letztes Jahr auf der Bischofssynode „fragte ich in einer der Kleingruppen: Warum sind wir so fixiert auf die Kirche in Deutschland? Ja, es geht irgendwie um ‚Fixierung‘ – der Synodale Weg; was machen die Deutschen; und die Bischöfe – [aber] die Kirche stirbt in Deutschland. Und ich sagte in unserer Gruppe: warum studieren wir nicht die Kirche in Nigeria?“ Immerhin gehen in Nigeria 94 Prozent der Katholiken jeden Sonntag in die Messe. „WIR sind die Peripherie der Kirche“, in Europa und in Nordamerika. Die Kirche sei wirklich lebendig in Afrika und Teilen Asiens: „Dort wächst sie, die Leute besuchen die Messe, die Priesterseminare sind voll. Warum studieren wir – als eine Synode – nicht die Kirche von Afrika und fragen uns, was wir von ihren Erfahrungen lernen können?“ Darauf erläutert der US-Bischof Robert Barron im Interview (Video siehe unten) auf der von ihm gegründeten Evangelisierungsplattform „Word on Fire“. Barron war seit 1992 Professor für systematische Theologie an der University of Saint Mary of the Lake, er ist Autor von über 30 Büchern, seine YouTube-Videos erreichen regelmäßig extrem viele Zuschauer, allein auf Facebook hat er rund drei Millionen Follower. Papst Franziskus berief ihn 2015 zum Weihbischof der Erzdiözese Los Angeles, 2022 zum Bischof von Winoa-Rochester. In der US-amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB) führt er den Vorsitz des wichtigen Komitees für Laien, Ehe, Familienleben und Jugend. Aktuell ist er – wie bereits schon im Vorjahr – einer der Delegierten der USCCB bei der vatikanischen Bischofssynode. Das YouTube-Videointerview mit dem Titel „Fünf Lektionen, die man von der Kirche in Afrika lernen kann“ hat er auf seinem eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht.

Dass die europazentrierte Kirche die afrikanischen Erfahrungen wahrnehme, sei ein Prozess, der gerade erst beginne, so Barron. Er – der ja selbst ein Theologe ist –, kritisierte, dass die Theologie zu akademisch geworden sei, sie sei „getrennt von der kirchlichen Realität“. „Ich höre lieber einem nigerianischen Theologen zu als einem deutschen, um das so offen einzuräumen“, erläuterte Barron, denn der nigerianische Theologe berichte von „lebendigen Erfahrungen“.

1Es gehe um den „Primat des Übernatürlichen“, bestätigt Barron auf Nachfrage des Interviewers. „Die Kirche verkündet die Existenz Gottes, sie verkündet Jesus als den Heiland der Welt, sie verkündet die Tatsache der Erlösung, die uns über die Sakramente vermittelt wird… das Ewige Leben als das Ziel der menschlichen Existenz. Das ist alles ‚übernatürlich‘. Wenn man das Übernatürliche wegnimmt, bricht die Messe zusammen, bricht die Eucharistie zusammen, brechen die Sakramente zusammen, bricht echte Evangelisierung zusammen“ und die Kirche „wird zum diesseitig-weltlichen Projekt“. „In gewissen Kreisen“ scheint der Begriff „Mission der Kirche“ „politische und soziale Verbesserung für die Armen“ zu bedeuten. „Das ist zwar eine gute Sache, ich bin ein Fan davon, aber das ist nicht die primäre Aufgabe der Kirche“, sondern Aufgabe der Kirche sei hauptsächlich die Verkündigung der Erlösung. Die Verbesserung der Welt sei nur eine Implikation der Erlösung, aber an erster Stelle stehe das Übernatürliche. „Religion kollabiert, wenn man das Übernatürliche auf das Natürliche reduziert.“ In den afrikanischen Kirchen sehe man diesen „Primat des Übernatürlichen, deshalb wachsen sie“. Wenn man das Übernatürliche in der Kirche verliere, reduziere sie sich auf „ein Echo“ der sie umgebenden „weiteren Kultur“, „ein Echo dessen, was man in den politischen, ökonomischen usw. Kreisen hört“.


Barron greift die Einflüsse des Liberalismus auf die Theologie auf, etwa bei Friedrich Schleiermacher (1768-1834) und anderen, dann auch im 20. Jahrhundert, hier sei ein Grundmomentum gewesen, das Übernatürliche auf das Natürliche zurückzuholen, durchaus „in der Überzeugung, dass die Welt dann auf uns hören wird. Aber meines Erachtens ist genau das Gegenteil der Fall: die Welt hört uns zu, wenn wir unsere Botschaft erklären… das Evangelium. Meine Hauptaufgabe ist nicht, die Kultur dazu zu bringen, mich zu mögen oder auf mich zu reagieren, sondern ist: zu erklären, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Manchmal wird die Kultur für diese Botschaft offen sein, manchmal nicht, … aber das bedeutet nicht, dass du die Botschaft der Kultur anpassen solltest.“

2. Die theologische und moralische Rechtgläubigkeit (Orthodoxie) festhalten und nicht von der Lehre der Kirche abweichen. Barron verweist hier auf Kardinal Timothy Dolans (Erzbischof von New York) Begriff der „affirmativen Orthodoxie“, also der Rechtgläubigkeit, die die Zustimmung braucht. Dabei gebe es durchaus Raum dafür, auf die Fragen der Zeit zu reagieren, hierbei handle es sich um „gesunde Inkulturation“, wie die Kirche dies immer getan habe.

3. Engagement zur Evangelisierung/Christianisierung der Umgebungskultur: Es geht darum, das Evangelium dorthin zu bringen, wo die Kultur geformt wird, etwa das Entertainment, Regierung, Künste. Man evangelisiert immer Menschen, keine Abstraktionen – aber man kann versuchen, jene Menschen anzusprechen, die die kulturelle Matrix formen.

4. Die Kirche öffentlich loben, Kritik privat anbringen. Gerade heute in der Zeit des Internets sei es enorm demotivierend, wenn jemand mehr über den Glauben herausfinden wolle und dann auf Webseiten lande, wo nur herumgestritten werde. „Wir stehen vereint einer säkularen Kultur gegenüber, die ja oft aggressiv feindselig auf uns reagiert. Wenn wir uns selbst bekämpfen, sind wir wie die Orks bei Tolkin.“ „Eine Kirche, die immer im Streit mit sich selbst ist, ist ineffektiv.“ Wenn jemand sich als Katholik verstehe, aber völlig falsche Dinge öffentlich vertrete, „dann schreiben Sie dies seinem zuständigen Bischof“.

5. Mut angesichts von Widerstand. Der Interviewer zitierte aus Vatican News, dass in den letzten 15 Jahren über 15.000 Nigerianer wegen ihres Glaubens ermordet und 18.000 Kirchen angezündet worden waren. Bischof Barron wies angesichts dieser zutiefst tragischen Situation auf Tertullians Bemerkung hin, dass das Blut der Märtyrer der Same für neue Christen ist – „und man sieht das erneut“. „Das ist einer der Gründe, warum die Kirche in Nigeria blüht: sie steht mutig fest für den Glauben“. „Wann immer ich einen Nigerianer treffe, sage ich: Oh! Sie sind aus dem heiligen Nigeria“, denn Nigeria ist inzwischen „ein Platz echter Heiligkeit im Leben der Kirche“.

Der Interviewer fügt an: „direkt gefragt, sollten wir alle als Katholiken bereit sein, für unseren Glauben zu sterben?“ Barron bejahte dies. „‘Folge mich nach‘, sagt der Herr, und sein Weg führt zum Kreuz“, manche von uns sind berufen, dies in der radikalsten Weise zu tun.

Barron vertrat außerdem, „eigentlich sollten WIR zu Füßen der afrikanischen Kirche sitzen und sollten fragen, was können wir von eurem offenkundigen Erfolg lernen.

Bereits in der Einleitung hatte der Interviewer darauf aufmerksam gemacht, dass nach Angaben des katholischen Journalisten John Allen der Vergleich der Zahlen der wöchentlichen Messbesucher ergebe, dass die Zahl der Messbesucher allein der drei Staaten Nigeria, Kenya und der Demokratischen Republik Kongo 80 Millionen Seelen in den Kirchenbänke betrage – das seien 25 Prozent mehr Messbesucher als ganz Europa und ganz Nordamerika einschließlich der USA zusammen haben.

Bischof Barron hatte bereits zuvor auf seinem Blog noch einen anderen Aspekt seiner Teilnahme an der Bischofssynode erwähnt: die Auffrischung seiner weltkirchlichen Kontakte. „Für mich ist das Beste an der Synode gerade diese Gelegenheit, Kontakte zu einer außergewöhnlichen Vielfalt katholischer Führungspersönlichkeiten zu knüpfen. Ich freue mich darauf, meine Freundschaft mit Bischof Stefan Oster aus Passau in Bayern wiederherzustellen, einem Mann, den ich sehr bewundere; mit Erzbischof John Wilson, den ich seit vielen Jahren kenne und der einer der eloquentesten und einflussreichsten Führer der katholischen Kirche in Großbritannien ist; mit Erzbischof Anthony Fisher aus Sydney, einer der wichtigsten Persönlichkeiten der englischsprachigen Kirche; mit Frau Kelly Paget, einer wunderbaren Laienleiterin der Kirche in Australien; mit Kardinal Chow aus Hongkong, der, wie ich letztes Jahr herausfand, sein Grundstudium in Duluth, Minnesota, absolvierte; und mit Bischof Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, einem Mann, mit dem ich in den meisten theologischen Fragen offen gesagt nicht übereinstimme, zu dem ich aber letztes Jahr ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut habe.“

Das Interview mit Bischof Barron in voller Länge - englische Untertitel können eingeschaltet werden


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