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Wir stehen vor einer neuen Epoche

7. Mai 2024 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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„Das Hauptproblem in Deutschland sind – von den bekannten Ausnahmen abgesehen – die Bischöfe“. Gastkommentar von Prof. Hubert Gindert


Bonn (kath.net/Forum Deutscher Katholiken) Wie das Schreiben „Dignitas infinita – Unendliche Würde“ von Papst Franziskus zeigt, sind wir in eine neue Epoche eingetreten. Der Mensch macht tatsächlich, was er machen kann.

Es geht nicht um den Vergleich des Kirchenbesuchs von 1960 mit dem von 2023, sondern um das Ergebnis der repräsentativen Kirchenmitgliedsuntersuchung (KMU) von 2023, wonach sich nur mehr 4% der Katholiken als „gläubig und kirchenverbunden“ erklären. Das Ergebnis ruft kein Entsetzen oder Erwachen hervor.

Unser Problem ist nicht Rom oder Papst Franziskus. Er ist der rechtmäßig gewählte Papst! Da mag es menschliche Schwächen geben. Peter Seewald hat sich dazu geäußert. Wir sind verwöhnt durch eine Reihe hervorragender, heiligmäßiger Päpste von Pius XII., Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. bis Benedikt XVI. – die Älteren haben noch alle erlebt. Wenn ich nur zwei davon herausgreife: Johannes Paul II. hat mit seinen anstrengenden Pilgerreisen die auseinandertriftende Kirche wieder zusammengeführt, die Weltjugendtage gegründet und sich zu allen aktuellen Fragen geäußert. Er sollte mitten in seinem Lebenswerk am 13. Mai 1981 umgebracht werden, hat das Attentat aber überlebt. Benedikt XVI., der größten Theologen unserer Zeit, versuchte man in Deutschland mundtot zu machen mit dem Slogan „Ratzinger liest man nicht“. Seine Rede in Freiburg über die Entweltlichung der Kirche, seine wohl wichtigste Rede als Papst, wollten die Bischöfe nicht verstehen, weil sie sonst ihre aufgeblähten Personalapparate auf die Zeit der 50er Jahre hätten reduzieren müssen. Damals konnte sich kirchliche Gesinnung dort noch artikulieren.


Papst Franziskus hat mit dem Schreiben „Unendliche Würde“ die bedrohte oder schon verlorengegangene Menschlichkeit in der Gesellschaft angesprochen, angefangen von der Tötung Ungeborener bis zur Ausbeutung der Frauen. Diese Würde wird den Frauen, ihrer Familie, besonders den Kindern, mit Karriereversprechen streitig gemacht. Wenn sie ausgepowert sind, wird ihnen für ihre ureigene Aufgabe, die Familie, mit tiefgefrorenen Embryonen, Eizellspenden und Samenbank noch ein Familienleben in Aussicht gestellt.

Das Schreiben „Dignitatis infinita“ müsste allerdings von den Bischöfen aufbereitet und den Pfarrern und Gläubigen verdeutlicht werden. Dann wäre es für eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wann menschliches Leben beginnt und wie es zu schützen ist, von großem Wert.

Das Hauptproblem in Deutschland sind – von den bekannten Ausnahmen abgesehen – die Bischöfe. Sie haben sich vor drei Jahren auf den verhängnisvollen „Synodalen Weg“ eingelassen, um die Kirche grundlegend zu verändern – nicht im Sinne der Neuevangelisierung, sondern in dem Sinne, wovor der Herr die Seinen eindringlich gewarnt hat: „gleicht euch nicht dieser Welt an“! Den meisten Bischöfen ist, aus Menschenfurcht oder Unglauben, der Widersacher Gottes ein völliges Tabu. Man räumt ihm so für sein zerstörerisches Tun freie Bahn ein. Das zeigt sich dann auch besonders in der Politik und der übrigen Gesellschaft, für die die Kirche weitgehend ausfällt.

Es ist klar, dass das bischöfliche Verhalten auf die Priester abfärbt. Sie sind zum allergrößten Teil weit entfernt vom Tun der sexuellen Missbrauchstäter. Aber ist der Pfarrer von Ars, ihr Schutzpatron, das Vorbild, dem sie nacheifern? Jean-Marie Vianney wurde zum Priester mit der Einschränkung geweiht, vorerst keine Beichte abnehmen zu dürfen. Tatsächlich wurde er zum größten Beichtvater des 19. Jahrhunderts. Er saß bis zu 16 Stunden im Beichtstuhl. Aus ganz Frankreich kamen die Leute zu ihm zum Beichten.

Jean-Marie Vianney bekam die heruntergewirtschaftete Pfarrei Ars mit 60 Familien zugeteilt. Er schuf mit viel Geduld, einem Bußleben, eine völlig neue Atmosphäre in Ars. Er suchte alle 60 Familien auf. Er schuf eine Rosenkranz- und eine Eucharistische Bruderschaft. So entstanden am Ort neue religiöse Beziehungen. Das ist etwas, das wir heute ebenfalls brauchen in einer Gesellschaft, die auch in den Kirchengemeinden auseinanderfällt. Würde das Leben des Pfarrers von Ars als Beispiel dienen, könnte auch heute neues religiöses Leben vor Ort entstehen.

Archivfoto Prof. Gindert (c) Forum Deutscher Katholiken


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