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Was Er sagt und zu wem

24. Jänner 2021 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Franziskus am zweiten Sonntag des Wortes Gottes: das Wort Gottes schenkt den Frieden, aber es lässt nicht in Frieden. Es ist ein Wort des Trostes, aber auch der Umkehr


Rom (kath.net) Am heutigen Sonntag wurde im Petersdom zum zweiten Mal die Messe zum „Sonntag des Wortes Gottes“ gefeiert. Diesen neuen Gedenktag hatte Papst Franziskus mit einem Schreiben am 30. September 2019 eingesetzt. Der Tag solle der Feier, Betrachtung und Verbreitung der Wortes Gottes gewidmet sein. Wegen der „Corona-Auflagen” waren nur rund 100 Teilnehmer zugelassen. Das diesjährige Thema des „Sonntag des Wortes Gottes” ist dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper entnommen: „Haltet fest am Wort des Leben”.

Aufgrund eines erneuten Ischiasschadens wurde die Feier von Erzbischof Rino Fisichella geleitet. Auch das Treffen mit dem Diplomatischen Corps am Montag, den 25. Januar, wurde verschoben, während die Vesper zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen in der Basilika St. Paul von Seiner Eminenz Kardinal Kurt Koch geleitet wird. Es ist das zweite Mal binnen vier Wochen, dass das 84-jährige Kirchenoberhaupt wegen starker Nervenschmerzen in den Beinen wichtige Zeremonien ausfallen lässt.

An der Messe am Kathedra-Altar wirkte unter anderen der Schauspieler Pierfrancesco Favino (“World War Z”) sowie eine blinde Person mit, die mittels Brailleschrift eine der ersten Lesungen las. Am Ende der Messe wurden dann mehrere Exemplare einer Bibel-Sonderausgabe an ausgewählte Besucher verteilt. Einer von ihnen war Lorenzo Pellegrini, Mittelfeld-Star des Fußballclubs AS Rom.

Nach dem Papsterlass „Aperuit illis“ wird dieser Bibelsonntag jeweils Ende Januar begangen:

„Ich lege fest, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung des Wortes Gottes gewidmet sein soll. Dieser Sonntag des Wortes Gottes fällt so ganz passend in den Zeitabschnitt des Jahres, in dem wir unsere Beziehungen zu den Juden zu festigen und für die Einheit der Christen zu beten eingeladen sind. Es handelt sich dabei nicht um ein bloß zeitliches Zusammentreffen: Die Feier des Sonntags des Wortes Gottes ist von ökumenischer Bedeutung, denn die Heilige Schrift zeigt denen, die auf sie hören, den Weg, der beschritten werden muss, um zu einer authentischen und soliden Einheit zu gelangen.

Die Gemeinschaften werden einen Weg finden, diesen Sonntag feierlich zu begehen. Wichtig ist jedenfalls, dass die Heilige Schrift während der Eucharistiefeier inthronisiert werden kann, um der Versammlung der Gläubigen den normativen Wert des Wortes Gottes zu verdeutlichen. An diesem Sonntag ist es besonders nützlich, die Verkündigung des Wortes Gottes hervorzuheben und die Homilie so zu gestalten, dass der Dienst am Wort des Herrn herausgestellt wird. Die Bischöfe können an diesem Sonntag die Beauftragung zum Lektorat oder einem ähnlichen Dienst erteilen, um an die Bedeutung der Verkündigung des Wortes Gottes in der Liturgie zu erinnern.


Es ist in der Tat wesentlich, alles dafür zu tun, dass einige Gläubige darauf vorbereitet werden, authentische Verkünder des Wortes zu sein. Hierfür braucht es eine angemessene Ausbildung, so wie es für die Akolythen oder außerordentlichen Kommunionspender bereits üblich ist. Desgleichen werden die Pfarrer Wege finden, die Bibel – oder eines ihrer Bücher – der ganzen Gottesdienstgemeinde zu übergeben, um hervorzuheben, wie wichtig es ist, im Alltag das Lesen und die Vertiefung der Heiligen Schrift wie auch das Beten mit ihr fortzusetzen, besonders im Hinblick auf die lectio divina“.

kath.net veröffentlicht die von Erzbischof Fisichellla verlesene Predigt von Papst Franziskus zur heiligen Messe am „Sonntag des Wortes Gottes“:

An diesem Sonntag des Wortes Gottes hören wir Jesus, wie er das Reich Gottes ankündigt. Wir wollen sehen, was er sagt und zu wem er es sagt.

Was er sagt. Jesus beginnt seine Verkündigung so: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe« (Mk 1,15). Gott ist nahe – das ist die erste Botschaft. Sein Reich ist auf die Erde herabgekommen. Gott ist nicht, wie wir oft zu denken versucht sind, fern im Himmel, abgesondert von der menschlichen Situation, sondern er ist bei uns. Die Zeit der Distanz ist zu Ende, seit Jesus Mensch geworden ist. Seit damals ist Gott ganz nahe; nie wird er sich von unserer Menschheit trennen und nie wird er ihrer müde werden. Diese Nähe ist der Beginn des Evangeliums, das ist es – so unterstreicht es der Text –, wovon Jesus »sprach« (V. 15): Er sagte es nicht nur einmal, sondern er sprach, das heißt, er wiederholte es ständig. „Gott ist nahe“ war das Leitmotiv seiner Verkündigung, das Herzstück seiner Botschaft. Wenn das der Beginn und der „Kehrreim“ der Predigt Jesu ist, dann muss es auch der Grundton des Lebens und der christlichen Verkündigung sein. Vor allem anderen muss geglaubt und verkündigt werden, dass Gott uns nahegekommen ist, dass wir begnadet, „erbarmt“ wurden. Noch vor jedem Wort von uns über Gott gibt es sein Wort für uns, das immer weiter zu uns sagt: „Hab keine Angst, ich bin bei dir. Ich bin dir nahe und werde bei dir bleiben.“

Das Wort Gottes erlaubt uns, diese Nähe mit Händen zu greifen, weil es – wie das Buch Deuteronomium sagt – nicht fern von uns ist, sondern unserem Herzen nahe ist (vgl. Dtn 30,14). Es ist das Heilmittel gegen die Angst, allein im Leben zu bleiben. Der Herr tröstet (con-sola) nämlich mit seinem Wort, das heißt, er bleibt bei (con) dem, der allein (solo) ist. Wenn er mit uns spricht, erinnert er uns daran, dass wir in seinem Herzen einen Platz haben, dass wir in seinen Augen wertvoll sind, dass er uns in seinen Händen geborgen hält. Das Wort Gottes schenkt diesen Frieden, aber es lässt nicht in Frieden. Es ist ein Wort des Trostes, aber auch der Umkehr. »Kehrt um« (Mk 1,15), sagt Jesus unmittelbar nach der Verkündigung der Nähe Gottes. Denn durch seine Nähe ist die Zeit zu Ende, zu Gott und zu den Mitmenschen auf Abstand zu gehen, die Zeit, in der jeder nur an sich selbst denkt und für sich allein weitermacht. Das ist nicht christlich, denn wer die Nähe Gottes erfahren hat, kann nicht den Nächsten auf Abstand halten, ihn in Gleichgültigkeit abschieben. Deshalb erlebt, wer das Wort Gottes häufig liest, heilsame existentielle Kehrtwendungen: Er entdeckt, dass es im Leben nicht darum geht, sich vor den anderen in Acht zu nehmen und sich selbst zu schützen, sondern dass das Leben die Gelegenheit ist, im Namen des nahen Gottes auf die anderen zuzugehen. So lässt uns das in unsere Herzen gesäte Wort durch Nähe Hoffnung säen. Genau wie es Gott mit uns tut.

Nun wollen wir sehen, zu wem Jesus spricht. Er wendet sich zunächst an einige Fischer aus Galiläa. Das waren einfache Männer, die von ihrer Hände Arbeit lebten und sich Tag und Nacht abmühten. Sie waren keine Kenner der Heiligen Schrift und taten sich bestimmt auch nicht durch Wissen und Kultur hervor. Sie wohnten in einer Gegend, die sich aus verschiedenen Völkern, Ethnien und Religionen zusammensetzte: Es war der Ort, der himmelweit von der religiösen Reinheit Jerusalems, am weitesten vom Zentrum des Landes entfernt war. Doch Jesus fängt dort an, nicht im Zentrum, sondern an der Peripherie. Und das tut er, um auch uns zu sagen, dass das Herz Gottes niemanden am Rande stehen lässt. Alle können sein Wort empfangen und ihn persönlich kennenlernen. Dazu gibt es ein schönes Detail im Evangelium, wenn angemerkt wird, dass die Verkündigung Jesu „nach“ der von Johannes ergeht (vgl. Mk 1,14).

Das ist ein entscheidendes Nachher, das einen Unterschied kennzeichnet: Johannes versammelte die Menschen in der Wüste, wohin nur die kamen, die ihre Wohnorte verlassen konnten. Jesus dagegen spricht von Gott im Zentrum der Gesellschaft, zu allen dort, wo sie sich befinden. Und er spricht nicht nur zu festgesetzten Zeiten und Terminen; er spricht, während er »am See [...] entlangging«, zu Fischern, »die auf dem See ihre Netze auswarfen« (V. 16). Er wendet sich an die Menschen an den alltäglichsten Orten und zu ganz gewöhnlichen Zeiten. Das ist also die universale Kraft des Wort Gottes, das jeden Menschen und jeden Lebensbereich erreicht.

Aber das Wort Gottes besitzt auch eine spezifische Kraft, das heißt, sie wirkt sich auf jeden direkt und persönlich aus. Die Jünger werden nie mehr die Worte vergessen, die sie an diesem Tag am Ufer des Sees, in der Nähe der Boote, der Familienangehörigen und der Arbeitskollegen vernommen haben. Es sind Worte, die für immer ihr Leben prägen werden. Jesus sagt zu ihnen: »Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen« (V. 17). Er beeindruckt sie nicht mit hochstehenden und abgehobenen Reden, sondern spricht sie in ihrer Lebenswirklichkeit an: Zu Fischern, die Fische fangen, sagt er, sie werden Menschenfischer werden. Wenn er zu ihnen gesagt hätte: „Kommt her, mir nach, ich werde euch zu Aposteln machen: Ihr werdet in alle Welt gesandt werden, um das Evangelium in der Kraft des Heiligen Geistes zu verkünden, ihr werdet getötet, aber heilig werden“, dann können wir uns vorstellen, dass Petrus und Andreas ihm geantwortet hätten: „Danke, aber wir bleiben lieber bei unseren Booten und Netzen.“ Jesus hingegen ruft sie vor dem Hintergrund ihres Lebens: „Ihr seid Fischer, ihr werdet Menschenfischer.“ Von diesem Satz getroffen, werden sie Schritt für Schritt entdecken, dass das Leben als Fischer nichts Besonderes war, dass aber das Geheimnis der Freude darin besteht, auf das Wort Jesu hin ins Weite hinauszufahren. So macht es der Herr auch mit uns: Er sucht uns dort, wo wir stehen, er liebt uns so, wie wir sind, und begleitet geduldig unsere Schritte. Wie auf jene Fischer, so wartet er auch auf uns an den Ufern des Lebens. Durch sein Wort will er uns dazu bringen, den Kurs zu ändern, damit wir aufhören, nur ein bisschen vor uns hin zu leben, und stattdessen ihm nach ins Weite hinauszufahren.

Daher, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir nicht auf das Wort Gottes verzichten. Es ist ein Liebesbrief, für uns von dem geschrieben, der uns kennt wie kein anderer: Beim Lesen hören wir wieder neu seine Stimme, nehmen wir sein Gesicht wahr, empfangen wir seinen Geist. Das Wort lässt uns Gott nahe sein – halten wir es nicht fern von uns. Tragen wir es immer bei uns – in der Tasche, auf dem Telefon – und geben wir ihm einen würdigen Platz in unseren Häusern. Stellen wir die Heilige Schrift auf einen Platz, wo wir daran erinnert werden, sie täglich aufzuschlagen, vielleicht am Beginn und am Ende des Tages, sodass unter all den Worten, die an unsere Ohren dringen, der eine oder andere Vers des Wortes Gottes zu unserem Herzen gelangt. Dafür bitten wir den Herrn um die Kraft, den Fernseher auszuschalten und die Bibel aufzuschlagen; das Handy beiseitezulegen und das Evangelium zur Hand zu nehmen. In diesem Jahreskreis lesen wir das Markusevangelium, es ist das einfachste und kürzeste. Warum lesen wir es nicht auch allein, jeden Tag einen kurzen Abschnitt? Dies wird uns spüren lassen, dass der Herr nahe ist, und uns auf unserem Lebensweg mit Mut erfüllen.

 


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