Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan unterstützt Bischof, der sein Priesterseminar wegen Widerstands gegen Handkommunion schließt
  2. Papst em. Benedikt XVI. an Gesichtsrose erkrankt und „äußerst gebrechlich“
  3. Schwedischer Kardinal Arborelius: „Wir haben nicht diesen Gegensatz zwischen Priestern und Laien“
  4. Die Theologie versagt auf ganzer Linie
  5. Die Welt heilen
  6. Der Graben zwischen Rom und der deutschen Ortskirche wird immer tiefer
  7. Hubschrauber am Landeplatz der Arche Noah
  8. Vier ganz konkrete Wege, wie die Menschen, heute, Gott begegnen können!
  9. 27-Jähriger macht mit 15-Kilo-Kreuz eine Bußwallfahrt durch Polen
  10. "Tötungswillige Ärzte gesucht!"
  11. Weinhostien für das evangelische Abendmahl in Zeiten von Corona
  12. „Papst Benedikt selbst ist optimistisch, dass er bald wieder zu Kräften kommt“
  13. Dichter Reiner Kunze: Sprachgenderismus bringt Sexualisierung und Verarmung der Sprache 
  14. Vatikanist Edward Pentin: Franziskus-Nachfolger ist „wahrscheinlich konservativ“
  15. Erzbischof verbietet traditioneller Gemeinschaft vorläufig die Mundkommunion

Hänsel und Gretel – Gott ist nicht totzukriegen

19. Februar 2018 in Kultur, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Das entscheidende Thema dieser Oper ist das wahrhaftige Wirken Gottes in der Welt ist - Die neue monatliche kath.net-Kulturkolumne DIO von Anna Diouf


Linz (kath.net/ad)
Manchmal schützt Understatement davor, in den Radar des Zeitgeistes zu geraten. Dies ist bei der Oper Hänsel und Gretel der Fall. Obwohl die an Wagner gemahnende Musik Humperdincks (1854 - 1921) keineswegs leicht ist, ist es das Etikett „Kinderoper“, respektive „Märchenoper“, das uns auch in den Inszenierungen größtenteils eine intaktes, vom 68er-immanenten „Bruch“-Paradigma verschontes Opernerlebnis rettet. Kinder dürfen noch träumen, und Märchen dürfen noch erzählt werden. Natürlich kann man sich die Frage nach dem Ort der Handlung stellen, aber eine reine Verlegung etwa in eine Traumwelt oder eine Stadt stellt keine wesentliche Verfremdung auf inhaltlicher Ebene dar. Sicherlich kann man die Engel, die die Kinder in der Nacht beschützen, durch Teddybären ersetzen, Hänsel und Gretel können sich im Kinderzimmer wegen der Spielekonsole streiten, manchmal wird die Hexe als Pädophiler angelegt; oder ein besorgter Intellektueller stört sich daran, dass eine krumme Nase die Hexe doch zu jüdisch konnotieren könnte, um sie am Ende verbrennen zu lassen. Im Allgemeinen aber darf diese Oper jedes Jahr unversehrt um die Weihnachtsszeit herum Kinder- und Erwachsenenaugen zum Leuchten bringen.


Die religiösen Anknüpfungspunkte sind bürgerlich-konventionell, deshalb aber nicht weniger authentisch. Bedeutsam sind einige unscheinbare Aspekte: Die Mutter plant in dieser Version des Märchens nicht, die Kinder fortzujagen. Vielmehr ist es eine „Kurzschlussreaktion", die sie bereut. Damit wird die Grimmsche Fassung entscheidend entschärft, die Mütterlicheit der Mutter bleibt trotz ihrer Impulsivität erhalten, die Familie ist intakt. Lässt man die Rolle von Mutter und Hexe erkennbar von derselben Sängerin verkörpern (nicht etwa, wie bei kleineren Produktionen, aus Gründen der Ökonomie), so ergibt sich eine andere Lesart, die auf der psychologischen Ebene Mutter und Hexe identifiziert. Das ist stimmig, aber nicht im Stück angelegt. Diese Beobachtung ist also im Grunde eine Kleinigkeit, hat aber große Auswirkungen auf die Bedeutung, die der "Familie" im Stück zukommt.

Gretel zitiert anfangs den Wahlspruch des Vaters, der auch am Ende der Oper steht: „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt.“ Und so kommt es: Die Kinder, verängstigt und müde im dunklen Wald, beten ihr Nachtgebet und werden dementsprechend von Engeln beschützt. Die Hexe wird ihrem grausamen aber verdienten Ende zugeführt, Hänsel und Gretel befreien andere Kinder, die der Hexe zum Opfer gefallen waren, treffen auf ihre Eltern und preisen gemeinsam Gott.

Hänsel und Gretel ist in sich geschlossen; Musik, Handlung und Zielgruppe sind eng verzahnt. Wollte man die religiösen Gedanken tilgen, die im Textbuch von Adelheid Wette, der Schwester des Komponisten, zum Ausdruck kommen, müsste man das Stück entstellen, denn auch die Musik lässt sich völlig auf diese Gedankenwelt ein: Die eindrucksvollste Musik ist nicht auf Text komponiert, sondern kommt den Engeln zu, die in einer Pantomime zu den schlafenden Kindern hinabsteigen – diese Musik ist so gewaltig, dass man sich ihrem Zauber kaum entziehen kann.

Das Wunderbare an Hänsel und Gretel ist die Wahrhaftigkeit, die sich in scheinbarer Einfachheit kundtut. Die durchkomponierte, hochkomplexe Oper fordert allen Beteiligten großes Können ab, erweckt aber durchgängig den Eindruck von Eingängigkeit. Ebenso ist auch die Aussage des Stückes bei allem Anschein von Naivität keineswegs banal: Es enthält den Aufruf zu bedingungslosem kindlichen Vertrauen, und schließlich die ewige, wahre Aussage, dass das Böse am Ende besiegt wird.

Man hört öfter die – halb scherzhafte - Frage, wieso eigentlich eine Oper, in der das Suchen von Erdbeeren im sommerlichen Wald ein wichtiger Teil des Handlungsstranges ist, die Weihnachtsoper schlechthin sei, im Winter wüchsen ja nun keine – eine Frage, deren Beantwortung eben darin liegt, dass das entscheidende Thema dieser Oper das wahrhaftige Wirken Gottes in der Welt ist: Ohne Zweifel eine weihnachtliche Botschaft, die in Gestalt eines Märchens gerade harmlos genug daherkommt um auch für den säkularisierten Menschen noch „erträglich“ zu sein.

Foto Anna Diouf



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Dio

  1. Arvo Pärt – Musik im Dienste Gottes
  2. Der Märtyrertod in der Oper des 20. Jahrhunderts
  3. Jesus ist alles - Benjamin Brittens Raub der Lucretia
  4. Der Freischütz – Eine musikalische Beichtkatechese








Top-15

meist-gelesen

  1. Papst em. Benedikt XVI. an Gesichtsrose erkrankt und „äußerst gebrechlich“
  2. Vatikan unterstützt Bischof, der sein Priesterseminar wegen Widerstands gegen Handkommunion schließt
  3. Die Theologie versagt auf ganzer Linie
  4. „Papst Benedikt selbst ist optimistisch, dass er bald wieder zu Kräften kommt“
  5. Der Graben zwischen Rom und der deutschen Ortskirche wird immer tiefer
  6. Schwedischer Kardinal Arborelius: „Wir haben nicht diesen Gegensatz zwischen Priestern und Laien“
  7. Neues kath.net-Kult-T-Shirt: Crux Sacra Sit Mihi Lux
  8. Tödlich verunglückt: Trauer um zwei Seelsorger
  9. 27-Jähriger macht mit 15-Kilo-Kreuz eine Bußwallfahrt durch Polen
  10. Vatikanist Edward Pentin: Franziskus-Nachfolger ist „wahrscheinlich konservativ“
  11. "Tötungswillige Ärzte gesucht!"
  12. EKD-Kopf Bedford-Strohm kündigt Kurswechel an - „Zusammenarbeit mit NGOs wie Sea-Watch“
  13. Kathedrale von Sheffield löst um „Inklusion“ willen traditionsreichen Kirchenchor auf
  14. Prominenter US-Priester verteidigt seine offene Unterstützung für Trump
  15. Brandanschlag auf Kathedrale in Managua

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz