Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  2. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  3. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  4. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  5. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  6. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  7. Moskauer Patriarch Kyrill könnte auf EU-Sanktionsliste kommen
  8. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  9. Besorgniserregende antidemokratische und gewaltaffine Haltungen bei jungen Muslimen
  10. Erzbischof von Mailand feiert Messe für LGBT-Gruppe am Fest des Heiligsten Herzens Jesu
  11. Die Menschenwürde hat keinen Reisepass
  12. Verbrechen gegen Menschlichkeit und gegen das Christentum durch Russland!
  13. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  14. ‚Das Christentum ist in Deutschland inzwischen fast so bedroht wie das Auerhuhn‘
  15. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“

Der Kardinal und die alten Männer

21. November 2016 in Kommentar, 47 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Mit der Aufforderung an die deutschen Bischöfe zu Ungehorsam und Rechtsbruch hat Kardinal Lehmann dem Vertrauen, das der Papst in die Bischöfe setzt, eine schallende Ohrfeige verpasst. kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller


Freiburg (kath.net/pw) „Was hindert uns eigentlich daran, verheiratete Ständige Diakone, die einen großartigen Dienst in der Kirche leisten, auch zu weihen, damit sie auch priesterliche Dienste übernehmen können?“, fragte laut einer KNA-Meldung Karl Kardinal Lehmann, emeritierter Bischof von Mainz, in einem Gespräch mit den Intendanten des ZDF. Er lud damit Bischöfe etwas provokativ ein, Freiheiten zu nutzen, die Papst Franziskus angeblich gewähre. Unter Bezug auf die Tatsache, dass allen Konfessionen das Wasser bis zum Hals stehe, sollten endlich Reformen angegangen werden, betonte der Kardinal.

Als erste Frage müsste man überlegen, warum der Kardinal in seiner langen Laufbahn als Bischof diesen Akt nicht selber vollzogen hat. Die Frage dürfte sich wohl eindeutig selbst beantworten. Auch unter Papst Franziskus würde ein Bischof, der unerlaubte Weihen vornimmt, unverzüglich suspendiert. Auch die dann widerrechtlich zu Priestern geweihten vormaligen ständigen Diakone dürften keine priesterlichen Amtshandlungen ausüben. Auch sie wäre suspendiert.

Unklar ist, warum ein emeritierter Bischof seine Amtsbrüder dazu aufruft, ihr Amt zu riskieren. Es kann sich, da das Gespräch an einer theologischen Fakultät stattfand, auch schlicht um ein Kokettieren mit den akademischen Klima der Kirchenfeindlichkeit handeln, das sich an theologischen Fakultäten breit gemacht hat. Man ist sich dort längst sicher, dass der Zölibat fallen, Frauenordination eingeführt und moraltheologische Reformen (z.B. Sexualmoral der Kirche) dringend nötig sind.


Die Begründung des Kardinals spricht für eine solche Motivation, denn er behauptete, allen Konfessionen stünde das Wasser bis zum Hals. Dies mag eine richtige Beobachtung sein, sieht man Deutschland und Europa als den Nabel der Welt an. Insofern es die Kirche weltweit betrifft, nimmt sowohl die Anzahl der Gläubigen als auch die Anzahl der Priester und Ordensleute zu. Allerdings besteht in der Tat die Gefahr, dass in Deutschland mittelfristig nur noch diejenigen bereit sind die Kirchensteuer zu zahlen, die auch den Glauben der Kirche teilen. Dass bei weitergehender Säkularisierung möglicherweise der staatliche Kirchensteuereinzug entfällt, ist nicht ganz unwahrscheinlich.

Diese Gefahr schätzt der Kardinal als sehr richtig ein und mahnt daraufhin an, den richtigen Zeitpunkt für Reformen nicht zu verpassen. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt sehr schnell, dass jedoch niemals eine wirklich große Reform der Kirche vom Episkopat ausging. Reformen des Glaubens und der Frömmigkeit, die der Wachstum und Blüte bescherten, kamen immer von der Basis der Kirche. Wer genau hinschaut, kann sie in geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften bereits sprießen sehen. Nicht eine große Zahl an Menschen, sondern eine kleine Zahl Menschen mit starkem Glauben und überzeugender Lebens- und Glaubenspraxis bereiten hier die Reform der Kirche in Westeuropa vor.

Wenn also ein emeritierter Bischof hier zu erkennen gibt, dass einer katholischen Konfession in Deutschland das Wasser bis zum Hals steht, dann ist das für den Glauben der Kirche eher ein Hoffnungszeichen als ein Alarmsignal. Die Volkskirche, die Kardinal Lehmann in einem Akt nahezu unüberbietbaren Klerikalismus zu retten versucht, hat keine Zukunft mehr. Jeder, der versucht sie zu konservieren, stellt sich Reformen in den Weg.

Man bedenke die Folge des Vorschlags von Kardinal Lehmann. Eine Kirche, die verheiratete ständige Diakone, die der Kirche einen großartigen Dienst leisten, zu Priestern weiht, geriete eine dramatische Schieflage. Die Diözesen, die so handelten, hätten ad hoc eine große Anzahl sehr alter Priester. Der so gewonnene Nachwuchs ging nach denkbar kürzester Zeit in die Pensionierung. Es würde also so ein klerikales Strohfeuer entfacht, das viel Rauch und wenig geistliche Wärme in die Kirche brächte. Auch der Nachwuchseffekt wäre denkbar gering. Alle protestantischen Gemeinschaften ordinieren Verheiratete. Der Pfarrermangel in der EKD ist noch weitaus dramatischer als der Priestermangel in der Kirche.

Der Kardinal hat also an dieser Stelle nichts Anderes getan, als eine populistische Stinkbombe in die krisengeschüttelte Kirchenlandschaft zu werfen. An einer theologischen Fakultät zu sprechen und dort den ohnehin schon vorhandenen Mangel an sentire cum ecclesia noch zu schüren, ist leichtfertig und arbeitet der latent vorhandenen inneren Spaltung der Kirche in Deutschland noch zu.

Von einem emeritierten Bischof und Kardinal der römischen Kirche wäre in einer solchen Situation eher zu erwarten, einend zu wirken und zu reden. Der Spaltung das Wort zu reden, Mitbrüder zu Rechtsbruch und Ungehorsam aufzufordern, ist wenig hilfreich in einer Krisensituation. Es ist erneut ein bedauerlicher Akt auch gegen Papst Franziskus, der mit seiner Aufforderung an die Ortskirchen, doch mehr Verantwortung zu übernehmen, gerade nicht meint, Rechtsbrüche zu begehen und die Spaltung in Lehre und Praxis zu betreiben. Der Papst wünscht von den Bischöfen, dass sie diejenigen sind, die das Lehramt der Kirche vor Ort sind. Die Bischöfe sollen Väter für ihre Priester und gute Hirten für das Volk sein. Der Weg der Kirche ist ein Weg der Einheit, nicht ein Weg der experimentellen Spaltungsversuche.

Mit der Aufforderung an die deutschen Bischöfe zu Ungehorsam und Rechtsbruch hat der Kardinal dem Vertrauen, das der Papst in die Bischöfe setzt, eine schallende Ohrfeige verpasst.

Es bleibt zu hoffen, dass kein Bischof einen solchen Gedanken auch nur einen kurzen Moment weiterverfolgt.

Foto Peter Winnemöller


Foto Peter Winnemöller © kath.net/Michael Hesemann


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Kirche

  1. Das kirchliche Amt zwischen Wahrheit und Selbstreferenz – Vom Selbstausdruck zum Christuszeugnis
  2. Neue Fantasien über das Weiheamt für Frauen?
  3. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  4. „Je besser die zentralen Ämter der Kirche geführt werden, desto größer der Nutzen für die Kirche“
  5. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  6. „Treue oder Einheit? Wie wird Leo XIV. mit den Lehr- und Disziplinarproblemen der Kirche umgehen?“
  7. Erzbistum Brisbane/Australien: Messbesucherzahlen wachsen seit drei Jahren
  8. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  9. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  10. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“






Top-15

meist-gelesen

  1. SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz - ANMELDUNG nur noch bis 22. JUNI!!!
  2. Die Alte Messe braucht die Piusbruderschaft nicht
  3. Leo XIV. über Piusbruderschaft: „Wenn sie sich dafür entscheiden, bedauere ich das. Aber…“
  4. "Wir haben kleines Gebet gesprochen, weil wir glauben, daß Jesus durch das Spiel verherrlich wird"
  5. Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen
  6. Linksfeministinnen haben einst katholischen Verband übernommen
  7. ‚Das Christentum ist in Deutschland inzwischen fast so bedroht wie das Auerhuhn‘
  8. „Alles, was auch nur entfernt katholisch aussieht, zu hinterfragen, davor zu warnen“
  9. Bischof Algermissen: kfd-Positionspapier zu § 218 StGB ist nicht katholisch
  10. Rückflug des Papstes von Teneriffa nach Rom um mehrere Stunden verzögert
  11. ‚Jedes Knie soll sich beugen‘: Erzbischof Fisher ruft zum Knien vor der Eucharistie auf
  12. 'Ein Akt der Hoffnung': US-Bischöfe weihen die USA dem Heiligsten Herzen Jesu
  13. „NMECHA hat mehr für den christlichen glauben getan als die letzten kirchentage der @EKD“
  14. Voodoo-inspirierte Installationen in Kirchen? „Wie konnte das Erzbistum Paris so etwas genehmigen?“
  15. Fünf Mythen über den Heiligen Geist

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz