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Bischof Voderholzer unterzieht DBK-Genderflyer einer Grundsatzkritik

23. Oktober 2015 in Deutschland, 49 Lesermeinungen
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„Wenn es um die ‚katholische Position‘ gehen soll, muss auch angesprochen werden, dass das ‚Familienmodell‘ im Einklang mit der Lehre Jesu und der Lehre der Kirche stehen muss, eben als Ehe von Mann und Frau – offen für Kinder.“


Regensburg (kath.net/pbr) Mit Grundsatzkritik reagiert der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auf den Flyer „Geschlechtersensibel: Gender katholisch gelesen“, der gestern im Namen der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben worden ist.

kath.net dokumentiert den Kommentar von Bischof Voderholzer zum Flyer „Geschlechtersensibel: Gender katholisch gelesen“, erstellt von Frau Prof. Dr. Hildegard Keul (Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz) und Herrn Dr. Andreas Ruffing (Kirchliche Arbeitsstelle für Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen e.V., in voller Länge:

Am 22.10.2015 wurde im Namen der Deutschen Bischofskonferenz ein Flyer zum Thema Gender Mainstreaming veröffentlicht. Ich möchte meine Kritikpunkte an diesem Flyer hier im Einzelnen entsprechend der Gliederung des Flyers auflisten:

Zu Punkt 1: Der Flyer spricht von unfairen Auseinandersetzungen mit Drohungen und Diffamierungen. Er versäumt es, auch nur einen Beleg zu nennen. In der Regel sind es besonders die gendersensiblen Theologinnen und Theologen, die die Kritiker des Gender-Mainstreaming in die Nähe von AfD, Pegida und dem „rechten Rand“ bringen (Quellen hierzu z.B. in: Manfred Spieker, Gender-Mainstreaming in Deutschland. Konsequenzen für Staat, Gesellschaft und Kirchen, Paderborn 2015, 44, Anm. 24).


Zu Punkt 2: Hier wird die Intersexualität angesprochen, als sei sie neben Weiblichkeit und Männlichkeit eine Art drittes Geschlecht. Es wäre sicher für eine objektive Information von Nutzen gewesen, darauf hinzuweisen, dass sie ein Defekt ist, auf den das Familienrecht Rücksicht nehmen muss (z.B. keine vorschnellen Geschlechtsfestlegungen in Geburtsurkunden), der aber äußerst selten vorkommt.

Zu Punkt 3: Die Formulierung „die katholische Position besagt“, dass Gender und Sex zusammengehören, ist an dieser Stelle falsch und irreführend. Papst Franziskus, um nur ein Beispiel zu nennen, hat sich wiederholt sehr kritisch zur Gender-Theorie geäußert, z.B. wenn er bei der Generalaudienz am 15.4.2015 sagte: „Ich frage mich zum Beispiel, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und einer Resignation ist, die darauf abzielt, den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, weil sie sich nicht mehr damit auseinanderzusetzen versteht.“ (Papst Franziskus, Ansprache bei der Generalaudienz am 15. April 2015).

Zu Punkt 4: Dass das Gender-Mainstreaming eine Strategie ist, die zur Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern beitragen möchte, ist naiv und irreführend. Es geht dem Gender-Mainstreaming um die soziale und politische Akzeptanz der Homosexualität und darüber hinaus um die Durchsetzung des Diversity-Mainstreaming, in dem alle sexuellen Orientierungen als gleichrangig gelten. Es geht ihm um die Infragestellung der Heterosexualität als das Normale und Schöpfungsgemäße.

Zu Punkt 5: Der Flyer fordert eine Wertschätzung jedes Menschen unabhängig von der sexuellen Orientierung. Das Diskriminierungsverbot, das auch gegenüber Homosexuellen gilt, beinhaltet keine Wertschätzung einer homosexuellen Orientierung. Homosexualität darf also kritisiert werden und die Kritik ist noch keine Diskriminierung. Obwohl die Ziffer vom christlichen Menschenbild sprechen will, verliert sie kein Wort darüber, dass Sexualität auf die Weitergabe des Lebens hin angelegt ist. Ehe und Familie kommen im ganzen Flyer nicht vor. Insofern ist er schon selbst ein Dokument des Gender-Mainstreaming in der Kirche.

Zu Punkt 6: 2 Kor 12,9 auf die Schwächen des Mannes hin zu interpretieren, ist kühn, auch ein Dokument des Gender-Mainstreaming in der Exegese. Hier wird eine gnadentheologische Aussage für eine bestimmte gesellschaftspolitische These verzweckt. Dass Thomas Morus auch noch erwähnt wird, ist ja schön. Aber leider findet sich kein Wort darüber, dass er den Märtyrertod in Kauf nahm, weil er gegenüber Heinrich VIII. die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe verteidigte.

Zu Punkt 7: Dass Vielfalt ein Lebenselixier der Kirche sei, und die Kirche „Männer und Frauen unterstützt, ein für sie und ihre Familien stimmiges Lebensmodell zu finden“, ist etwas dürftig, um nicht zu sagen zweideutig. Wenn es um die „katholische Position“ gehen soll, muss auch angesprochen werden, dass das „Familienmodell“ im Einklang mit der Lehre Jesu und der Lehre der Kirche stehen muss, eben als Ehe von Mann und Frau – offen für Kinder.

Bei den Lektüreempfehlungen fehlen Hinweise auf päpstliche Dokumente.

Als Alternative zu diesem Flyer möchte ich den „Glaubens-Kompass“ von Kirche in Not empfehlen: „Gender-Ideologie. Ein Leitfaden“ .


Zur Dokumentation: Der Gender-Flyer der Deutschen Bischofskonferenz


Foto Bischof Voderholzer (c) Bistum Regensburg



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