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'Es ist ein großes Geschenk…'

29. Juli 2015 in Interview, keine Lesermeinung
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"…dass Leute mit unterschiedlichsten Ausbildungen zu uns kommen". Pater Josef Maureder SJ, scheidender Novizenmeister der Jesuiten in Deutschland, im Interview. Von Pater Christof Wolf SJ


Nürnberg (kath.net/Jesuiten) Pater Josef Maureder (54) war seit 2007 Novizenmeister der deutschsprachigen Jesuitenprovinzen in Nürnberg und hat junge Männer, die in den Orden eintreten wollen, begleitet. Zum Monatsende übergibt er diese für den Orden wichtige Aufgabe an Pater Thomas Hollweck SJ, der bislang Spiritual und Priesterseelsorger in Hamburg war. Pater Christof Wolf SJ hat den scheidenden Novizenmeister zu seinen Erfahrungen befragt.

Pater Christof Wolf SJ: Wie sieht normalerweise der Weg in den Jesuitenorden aus?

Pater Josef Maureder SJ: Wenn sich heute Leute für unseren Orden interessieren, haben sie für gewöhnlich Kontakt mit dem Verantwortlichen für die Berufungspastoral, der Interessenten begleitet und zu Informationstagen einlädt. Wenn es dazu kommt, dass sie aufgenommen werden und ins Noviziat kommen, dann beginnt eine zweijährige Ausbildungszeit. Die ersten zwei Wochen - wir nennen es Kandidatur - sind sie noch Gäste und entscheiden sich am Ende definitiv für die Noviziatszeit. Im ersten Jahr steht vor allem die menschliche Reifung im Vordergrund. Am Ende des ersten Jahres kommen die Großen Exerzitien, in denen meistens die Entscheidung fällt: Ist ihre Berufung anderswo? Oder spüren sie, dass sie weiter gehen und wirklich Jesuit werden wollen? Im zweiten Jahr ist die geistliche Phase ganz wichtig. Es geht um die Gelübde und die Lebensform (als Ordensmann). Und am Ende des Noviziats ist die apostolische Dimension, der Einsatz, sehr wichtig. Von den sieben Monaten sind sie praktisch über fünf Monate in Experimenten, in Praktika, in pastoralem Einsatz. Von daher ist das Noviziat eine zweijährige Übungszeit, in Gemeinschaft zu leben, den Orden kennen zu lernen, sich selbst kennen zu lernen und vor allem Gott kennen zu lernen, und in diesem Kennenlernen zu spüren: Will ich diesen Weg gehen, kann ich diesen Weg gehen, soll ich diesen Weg gehen? Und dann eine tragfähige Entscheidung treffen.


Pater Wolf: Wie verläuft die Aufnahme ins Noviziat, muss man sich da bewerben?

Pater Maureder: Wenn es konkreter wird mit dem Eintritt, wird der Novizenmeister einen Interessenten einladen, zwei bis vier Tage das Noviziat zu besuchen. In dieser Zeit klärt sich, ob wir das Aufnahmeverfahren beginnen. Dies beinhaltet, dass mit 4 Mitbrüdern gesprochen wird, die darüber schreiben, ob dieser Interessent geeignet ist, zu uns zu kommen. Dann wird er auch mit einem Psychologen reden, der sich die Frage stellt: Ist dieser Mann psychisch gesund? Oder gibt's da oder dort Fragezeichen? Die meldet er dem Interessenten auch zurück. Und dann brauchen wir Dokumente - ein Gesundheitszeugnis, die Abschlusszeugnisse der Studien, das Firmzeugnis. Am Schluss wird der Kandidat auch mit dem Provinzial sprechen, der sich alles durchliest und entscheidet. Wenn er positiv entscheidet, dann ist normalerweise Mitte September der Eintrittstermin.

Pater Wolf: Was sind die Motive derjenigen, die da anklopfen?

Pater Maureder: Ich stelle fest und es macht mir große Freude, dass die meisten tatsächlich irgendwo auf der Suche nach Gott sind, nach diesem Geheimnis, auf das sie zugehen. Und ein zweiter Grund ist gewöhnlich bei nicht wenigen, dass sie sich in dieser ungerechten Welt für die soziale Gerechtigkeit einsetzen wollen, dass sie spüren, sie können einfach nicht ihr bürgerliches Leben führen, wenn andere wirklich im Dreck sind und es ihnen schlecht geht. Ein dritter Grund ist meistens die Frage der Gemeinschaft, wenn sie sich bei uns melden. Sie wollen mit anderen den Weg gehen, also gerade einen Weg, der von Werten motiviert ist. Sie wissen, das geht normalerweise nicht allein und sie brauchen andere, wollen eine Pilgergemeinschaft. Dann gibt es natürlich noch verschiedene andere Aspekte. Manche wollen auch auf bestimmte intellektuelle Fragen eine Antwort. Sie zieht der Jesuitenorden an, weil er auch dafür steht, dass wir uns schweren Fragen stellen und uns intellektuell mit ihnen auseinandersetzen.

Pater Wolf: Was die Kandidaten betrifft, hat sich da in den letzten 8 Jahren etwas verändert?

Pater Maureder: Wir haben eine wachsende Spanne in mehrerer Hinsicht, z.B. des Alters. Das war früher eher die Ausnahme. Jetzt ist es so, dass wir eigentlich jedes Jahr schon damit rechnen, dass Leute kommen, die älter als 40 Jahre sind, und andere - und das ist eine neuere Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre -, die relativ jung sind, sodass man eine Spanne von manchmal über 20 Jahre zwischen den Jüngsten und Ältesten hat. Eine zweite Sache ist, dass die Spanne des kulturellen Hintergrundes, zum Teil in der Sprache, größer geworden ist. Weil wir natürlich aus drei Provinzen sind und Skandinavien dazu gehört (und in Zukunft auch Litauen). Dann gibt es eine größere Spanne in der kirchlichen Sozialisation. Es gibt Kandidaten, die haben kaum mit einer Pfarrgemeinde zu tun gehabt. Sie haben einen persönlichen Weg mit Gott gemacht. Und es gibt andere Kandidaten, Interessenten, die sind Messdiener gewesen. Ich meine, dass es ein großes Geschenk ist, dass die Leute mit unterschiedlichsten Ausbildungen kommen. Es gab manchmal einen Jahrgang, wo viele schon Theologie und Philosophie hatten. Aber jetzt kommen Leute aus praktischen Berufen, Juristen oder Rettungssanitäter. Ich empfinde das als einen Reichtum und ein Geschenk, auch wenn sie schon älter sind und noch das ganze Studium (von Philosophie und Theologie) machen müssen. Und ein Letztes, was sich verändert hat: dass die Motivation gewöhnlich abgeklopfter ist. Die Freunde und die Umgebung sind nicht unbedingt gleich begeistert, wenn sie sich für uns interessieren. Das war, vielleicht nicht unbedingt vor acht Jahren, aber doch vor zwei, drei Jahrzehnten, noch anders. Heute erleben die meisten fragende Gesichter. Das fordert eine Auseinandersetzung, ob sie wirklich diesen Weg wollen, in einem viel stärkeren Maße. Das halte ich eigentlich für vorteilhaft.

Pater Wolf: In den acht Jahren als Novizenmeister, was war da das schönste Erlebnis?

Pater Maureder: Eines der schönsten Erlebnisse ist natürlich immer wieder die Erfahrung in den Exerzitien, wenn Novizen deutlich wird, wer dieser Jesus von Nazareth für sie ist und was er bedeutet für die Welt. Und wenn man dann spürt, das hat sie ergriffen. Das habe ich einige Male in einer sehr deutlichen Weise erfahren dürfen im Zuhören. Sodass ich mich wirklich beherrschen musste, nicht in Tränen dazusitzen, sondern eine professionelle Ruhe zu bewahren. Weil mich das einfach bewegt, wenn dies für Novizen plötzlich klar wird. Und ich merke, dann ist so viel passiert... Alles andere, was einem sonst durch den Kopf geht, kann das nicht aufwiegen, wenn das Herz ergriffen wird. So wie Paulus sagt, dass er diesen Weg geht, "weil ich von Christus ergriffen worden bin".

kath.net dankt der Deutschen Provinz der Jesuiten für die freundliche Erlaubnis zur Widergabe dieses Interviews.

Foto: Pater Josef Maureder SJ, scheidender Novizenmeister der Jesuiten in Deutschland


P. Josef Maureder SJ über das schönste Erlebnis als Novizenmeister


© SJ-Bild/Christian Ender


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