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Die Pille danach und die Folgen

18. März 2015 in Kommentar, 14 Lesermeinungen
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Sollen durch Verkaufsdruck gehetzte Apothekenmitarbeiter in „Ruhe“ im offenen Ladengeschäft mit der Frau über Termin des letzten Geschlechtsverkehrs und Risiken sprechen? Wer glaubt denn im Ernst eine solche Farce? Gastkommentar von Mechthild Löhr


Berlin (kath.net) Dies ist kein Werbeblock. Doch es geht hier um eine europaweite, höchst erfolgreiche Werbeaktion für die „Pille danach“, die zwei Tage vor dem Weltfrauentag 2015 als „Geschenk“ an die Frauen gewissermaßen freigegeben wurde. Seit dem 15. März ist sie nun bundesweit in jeder Apotheke und sowieso im grenzenlosen Internet beratungsfrei verkäuflich. Sie wird bald in vielen Handtaschen und im Reisegepäck junger Mädchen und Frauen mit dabei sein. Auch Pro Familia rät schon seit langem in ihrer Information für Jugendliche „Auf Nummer sicher mit der Pille danach“, ein solches „Notfallpäckchen“ stets griffbereit zu haben.

Doch diese Werbung, für die sich die drei bis vier profitierenden Pharmakonzerne herzlich bedanken können, ist das Gegenteil von Aufklärung: „Sicher“ ist hier leider nur eins, die guten Verkaufsumsätze. Millionenfach und verschreibungslos wie ein beliebiges Vitaminpräparat wird jetzt die „Pille danach“ über die Ladentheke gereicht. Risiken und Nebenwirkungen sind im Einzelfall erheblich und gefährlich, gerade auch dem erst 2009 zugelassenen Mittel „Ellaone“: So äußerten sich kurz vor der Freigabe kritisch die Ärztevertreter: der Gynäkologe Dr.Werner Harlfinger, Kongresspräsident der Frauenheilkundetagung Foko 2015: „…das Unwissen ist gro߅“ und "Wir Frauenärzte sind in großer Sorge, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abbrüche steigt."

Denn die „Pille danach“ könnte bald zum neuen Kassenschlager werden. Nachdem von den „Pillen“ mit Rezeptpflicht im letzten Jahr schon ca. 500.000 abgesetzt wurden, dürften jetzt die Umsatzzahlen explodieren. Auf Kosten der Gesundheit der Frau und zu Lasten der Embryonen, die in den ersten fünf Tagen der möglichen Einnahmefrist schon gezeugt wurden.


Ohne Zweifel werden mehr und mehr Frauen, so wie in anderen Ländern bereits bei Schulmädchen, den bequemen und preiswerten Zugriff auf einer „notfallbezogenen Einmalpille“ einer dauerhaften Verhütungspilleneinnahme gegenüber vorziehen. Und für die Männer ist dies sowieso der schnellste und billigste Weg, da alle Risiken bei der Frau bleiben.

So bedarf es keiner großen Phantasie, um zu erkennen, was dieses „bequeme“ Angebot für junge Frauen bedeutet: Sofort kann der Griff zur „Pille danach“ erfolgen, ziemlich „auf Nummer sicher“ eine Schwangerschaft (durch Ovulations- und/ oder Nidationshemmung) zeitnah zu verhindern oder früh abzubrechen.

Diese „Vorteile“ werden dank intensiver Werbungsunterstützung seitens staatsfinanzierte Einrichtungen in jeder Aufklärungsbroschüre jetzt an die Frau und den Mann gebracht. Über die Risiken und Folgen, insbesondere bei völlig unkontrollierbarer häufiger Einnahme wird wohl solange geschwiegen werden, bis (wie bei anderen Verhütungspillen in den USA und in Frankreich bereits geschehen) sie wegen gefährlicher Thrombosen und Todesfolgen mit Sanktionen belegt oder vom Markt genommen werden. Von alledem wird die zukünftige Kundin in den Apotheken nicht viel erfahren. Alternative und neutrale Studien zu Langzeitfolgen sind noch verschwindet rar.

Oder sollen etwa durch Verkaufsdruck gehetzte Apothekenmitarbeiter in „Ruhe“ im offenen Ladengeschäft mit der Frau über ihren Termin des letzten Geschlechtsverkehrs und die Risiken sprechen? Wer glaubt denn im Ernst eine solche Farce? Im Internet kann ohnehin jeder unkontrolliert bestellen. Wir haben das selbst ausprobiert, als noch Rezeptpflicht bestand. Daher ist diese „Beratungsverordnung“ nicht mehr als eine Farce, die verdecken soll, dass es sich gerade nicht um ein harmloses „Notfallverhütungsmittel“ handelt, sondern um hochdosierte Hormonpräparate mit Gesundheit und Leben riskierenden Wirkungen.

Was Beratungsangebote gerade nicht bewirkt, können wir seit Jahrzehnten bei der Abtreibung beobachten. Mindestens jede fünfte bis sechste Schwangerschaft endet ohnehin bereits seit langem in Deutschland mit einer staatsfinanzierten Abtreibung. Obwohl es damit gelungen ist, weltweit zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten zu gehören (selbst China liegt bei einer Reproduktionsquote von 1,5 Kindern) ist offensichtlich die Politik hier immer noch besorgt, dass zu viele ungewollte Schwangerschaften bestehen könnten. Selbstbestimmung und Freiheit für die Frauen, sagen die einen. Gesundheitliche Risiken und mehr Abtreibungen, befürchten die anderen.

Auch Frauenärzte bleiben besorgt: "Die Substanzen haben es in sich" heißt es. Die Vizepräsidentin der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, Prof. Birgit Seelbach-Göbel (Regensburg), ist überzeugt, dass auch viele Frauen die „Pille danach“ einnehmen werden, die sie gar nicht benötigten, weil sie zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs gar nicht schwanger werden konnten. Gegenüber dpa sagte sie: „Es sieht nach Freiheit aus. Aber tatsächlich ist es vor allem ein großer Markt. Und die Pharmaindustrie profitiert.“

Die „Pille danach“ wird jetzt zum harmlosen, alltäglichen „Lifestyle“-Produkt für die Frau stilisiert – jederzeit frei und ungehindert verfügbar. Und Männer können sich jetzt noch bequemer aus der Verantwortung ziehen und den Frauen all die negativen Folgen „ungeplanten“ Vergnügungen zuschieben: deren Risiko ist damit nähert sich der Null.

Von Gesundheitsschutz aber für Mädchen und Frauen und oder gar vom Embryonenschutz kann hier keine Rede sein. Aber von einer der erfolgreichsten Marketing- und Verkaufsstrategie von Pharmaunternehmen seit langem, der die Politik allzu willig und gern gefolgt ist. Die negativen Folgen werden nicht lange auf sich warten lassen.

Mechthild Löhr (Foto) ist die erste Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL).

Foto Löhr © Christdemokraten für das Leben


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