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Umfrage: Die klassische Familie bleibt das Ideal

18. Dezember 2014 in Familie, 5 Lesermeinungen
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Für 96 Prozent der Deutschen sind Vater, Mutter und Kind konstitutiv


Stuttgart (kath.net/idea) Die klassische Familie aus Vater, Mutter und einem bzw. mehreren Kindern bleibt für die Deutschen das Ideal. 96 Prozent verstehen unter dem Stichwort „Familie“ noch immer dieses klassische Zusammenleben. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid (München) für das Magazin Reader’s Digest (Stuttgart) ergeben. Allerdings ist die Definition dessen, was Familie ist, in Bewegung. So gaben 83 Prozent an, auch eine Mutter mit einem oder mehreren Kindern sei für sie eine Familie; 80 Prozent sehen dies auch so, wenn nur der Vater den Nachwuchs aufzieht. Gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder haben, werden von zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) als Familie bezeichnet. Trotz der Aufweichung des einst klassischen Familienbildes gibt es in der Bewertung aber eine klare Grenze: Sechs von zehn Befragten (58 Prozent) gaben an, Paare ohne Kinder würden die Bezeichnung Familie nicht verdienen.

Familienpartei: Erziehungsleistung auch finanziell anerkennen

Der Europa-Abgeordnete Arne Gericke (Familienpartei) aus Tessin bei Rostock plädierte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) dafür, die Erziehungsleistung von Eltern auch finanziell stärker anzuerkennen. Es sei schlimm, wenn eine Mutter, die vier Kinder aufgezogen habe, später nur die Mindestrente bekomme. Dafür, dass die Zahl der Familien mit mehr als zwei Kindern weiter zurückgehe, machte er zum Teil auch die Medien verantwortlich, die Kinder vielfach als „Last, Armutsrisiko und Verzicht auf Lebensqualität“ darstellten. „Wer das Erlebnis Kind verpasst hat, ist spätestens im Alter bestraft, wenn er einsam ist“, zeigte sich der verheiratete Vater von vier leiblichen und drei Pflegekindern überzeugt.


Mit Blick auf die Politik kritisierte Gericke, dass die Idee der Familie immer stärker von der Gender-Ideologie überlagert werde. Der englische Ausdruck Gender bezeichnet das soziale oder psychologische Geschlecht einer Person im Unterschied zum biologischen Geschlecht. Die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive (Gender-Mainstreaming) ist verbindliche Richtlinie für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und gilt auch in der evangelischen Kirche.

Verband Kinderreicher Familien: Mehr Unterstützung nötig

Der Verband Kinderreicher Familien Deutschland plädierte gegenüber idea dafür, Kinder nicht allein als finanziellen Faktor, sondern vor allem als Bereicherung wahrzunehmen. Es brauche Gelassenheit und Stabilität, damit sich Eltern für mehr Kinder entschieden, sagte der Pressesprecher des Verbandes, Florian Brich (Mönchengladbach). „Der diffuse Spuk aus Globalisierung, Mobilität und Informationstechnologie verliert beim Anblick eines lachenden Kindes seine Bedeutung.“ Zugleich sei es nötig, dass Familien mit mehr als zwei Kindern noch stärker unterstützt würden: „Jedes Museum oder Schwimmbad, das seine Preisgestaltung entsprechend anpasst, ist bereits ein Gewinn.“

Ferner sprach sich Brich für steuerliche Entlastungen, eine Anerkennung der Erziehungsleistung bei der Berechnung der Rente sowie eine gleichwertige Förderung von häuslicher und institutioneller Kinderbetreuung aus. Wünschenswert sei darüber hinaus eine Wohnungsbau-Förderung für kinderreiche Familien.

Was Familien belastet

In der Umfrage ging es außerdem um Belastungen, denen sich Familien heute ausgesetzt sehen. Die Tatsache, dass sich Paare heutzutage schneller trennen als früher und jedes fünfte Familienoberhaupt in Deutschland inzwischen alleinerziehend ist, werten 88 Prozent als problematisch. Für 84 Prozent sind die hohen Lebenshaltungskosten zunehmend schwierig. 81 Prozent räumten ein, zu wenig Zeit für die Kinder zu haben. 69 Prozent glauben, dass die Familie besonders dadurch belastet wird, dass die Erwachsenen nach Selbstverwirklichung streben. Und für 58 Prozent der Befragten sind Familien vor allem dadurch herausgefordert, dass nahe Verwandte häufig sehr weit weg wohnen und so kaum helfen können.

Fast jeder Zweite erwartet, dass die Bedeutung der Familie abnehmen wird

Welche Erwartungen haben die Deutschen an die Familie?

95 Prozent wünschen sich Trost und Zuspruch in Krisen. 93 Prozent hoffen auf praktische Hilfe im Krankheitsfall und 81 Prozent darauf, im Alter gepflegt zu werden. Acht von zehn Befragten bauen auf gegenseitige finanzielle Unterstützung.

Obwohl die Familie einen hohen Stellenwert genießt und für die meisten selbst durch gute Freunde nicht ersetzt werden kann, sehen viele die Zukunft der Familie skeptisch. Fast jeder zweite Befragte (48 Prozent) geht davon aus, dass ihre Bedeutung über kurz oder lang abnehmen wird; 24 Prozent meinen, sie wird zunehmen, und 27 Prozent erwarten, dass sie unverändert bleiben wird.

„Derzeit empfinden viele den rasanten gesellschaftlichen Wandel, die Globalisierung, die zunehmende Mobilität und die Entwicklungen der Informationstechnologie als bedrohlich für das Zusammenleben“, erläutert der Familiensoziologe Detlev Lück vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Wiesbaden).

Er sieht in den Ergebnissen eine ausgeprägte Sehnsucht nach Sicherheit und Wärme. Und die suchten die meisten Menschen nach wie vor in der Familie, so Lück. TNS Emnid hatte deutschlandweit 1.005 Menschen über ihr Familienbild befragt.

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