Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. ADIOS!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. ‚Dubia‘ an den Vatikan – US-Priester bitten um Klärung hinsichtlich liturgischer Änderungen
  5. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  6. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  7. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  8. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  11. THESE: Und die Bibel hat doch Recht!
  12. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  13. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  14. L'Avvenire sorgt für Confusione!
  15. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen

«Es ist ein Dilemma»

6. August 2014 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Bundespräses der katholischen Schützen über Muslim als Schützenkönig. Von Sabine Kleyboldt (KNA)


Köln (kath.net/KNA) Die Krönung eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl-Sönnern hat eine bundesweite Diskussion losgetreten - schließlich hätte der katholische Verein den türkischstämmigen Muslim Mithat Gedik (33) laut Satzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gar nicht aufnehmen dürfen. Der Bundespräses des Dachverbandes, Kölns Domdechant Robert Kleine (Foto), erläutert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Köln die Hintergründe.

KNA: Monsignore Kleine, wie bewerten Sie die Debatte um den muslimischen Schützenkönig in Werl-Sönnern?

Kleine Ich bin überrascht über das Ausmaß der Kritik, angefangen vom Zentralrat der Muslime bis zu Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider, der von einem «Stück aus dem Tollhaus» redet. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Frage ist doch, wie man mit dem Glauben von Menschen umgeht. Die meisten Historischen Schützenbruderschaften sind nun einmal konfessionell gebunden und haben ein religiöses Fundament, das – für manche vielleicht überraschend - hin und wieder auch zum Ausdruck kommt.

KNA: Warum passt ein gut integrierter Muslim, der offenbar kein Problem hat mit der religiösen Ausrichtung, nicht in einen katholischen Schützenverein?


Kleine Die Bruderschaften haben eine jahrhundertelange Tradition: Ihr Zeichen ist das Kreuz, Schutzpatron ist der Heilige Sebastianus oder ein anderer Heiliger, der vorbildlich als Christ gelebt hat.

Wenn ich den Glauben von Muslimen ernst nehme, kann ich doch nicht erwarten, dass ein muslimischer Schützenbruder etwa das christliche Kreuz ansteckt oder an Fronleichnam hinter dem Allerheiligsten hergeht. Manche tragen heutzutage zwar das Kreuz als Modeschmuck, in einer Bruderschaft sollte es jedoch Glaubensbekenntnis und Ausdruck einer inneren Haltung sein.

KNA: Aber Herr Gedik ist doch freiwillig eingetreten...

Kleine Es ist wirklich ein Dilemma: Da ist jemand eingebunden in eine Bruderschaft, ist anerkannt, fühlt sich wohl. Das ist in den Augen der Gesellschaft eine gelungene Integration, und jetzt kommt die Kirche und haut da wieder drauf. Aber es ist diffiziler. Ich denke, es ist gut und richtig, dass es Vereine mit einem bestimmten Profil und entsprechenden Mitgliedern gibt. Aber wir erleben solchen Widerspruch bezüglich der katholischen Kirche auch beim Thema Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene. Da wir jedoch ein katholischer Verband sind, treten wir für bestimmte Traditionen und Werte ein.

KNA: Der Verband hat die Schlagworte «Glaube - Sitte - Heimat». Das klingt für manchen fast befremdlich.

Kleine Im Gegenteil, sie sind aktuell: Glaube steht für das christliche Fundament, Sitte für das gute Miteinander in der Gemeinschaft, getragen von Gottes- und Nächstenliebe, und Heimat steht nicht etwa für Heimattümelei oder irgendeinen Nationalismus, sondern für den Ort, wo ich zu Hause und geborgen bin, wo die Menschen sind, die ich liebe und für die ich da bin, aber auch für den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung.

KNA: Was können die Historischen Schützenbruderschaften aus der aktuellen Debatte lernen?

Kleine Sie ist vielleicht ein Ausgangspunkt für eine neue Diskussion über unser Selbstverständnis: Ist unseren Schützen bewusst, dass sie in einer katholischen Bruderschaft sind? Wollen sie das? Das sollte nicht nur im Dachverband, sondern auch in den einzelnen Bruderschaften diskutiert werden. Wenn man sich aber weiterhin für ein kirchliches Profil entscheidet, verwahre ich mich gegen den Vorwurf, man sei damit gegen Integration. Nur wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich in einen fruchtbaren Dialog mit anderen treten. Das ist übrigens besser, als wenn jemand gar keine Haltung hat.

KNA: Warum ist das Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit so schwer zu vermitteln?

Kleine Wir haben in unserer Gesellschaft die Tendenz, dass alles für alle möglich sein muss, alles gleich gültig ist. Dadurch wird aber vieles gleichgültig. Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit einer drohenden Profillosigkeit. Es kann doch auch nicht im Sinne der Integration sein, dass man religiös gebundene Vereine - ob für Christen, Juden, Muslime oder andere - als provinziell und von gestern diffamiert.

KNA: Was soll jetzt mit Schützenkönig Gedik geschehen?

Kleine Ich wünsche ihm ein schönes Königsjahr, aber er soll bitte dafür Verständnis haben, dass er beim Bezirksschießen und nächsten Wettbewerben nicht antreten kann, weil es der Satzung unseres Verbandes widerspricht. Weitere Konsequenzen müssen auf anderer Ebene entschieden werden. Ich bin auch gerne bereit, nach Sönnern zu fahren und mit allen Beteiligten zu sprechen.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto © Katholisches Stadtdekanat Köln


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu

Gesellschaft

  1. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  2. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  3. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  4. Zwischen Wölfen und Brüdern
  5. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  6. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  7. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  8. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  9. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  10. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. ADIOS!
  4. "Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt"
  5. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  6. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  7. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Möchte mich nun an liberale Theologen und Gläubige wenden“
  8. Synodaler Weg führte zu Streit und Verwerfung
  9. ‚Dubia‘ an den Vatikan – US-Priester bitten um Klärung hinsichtlich liturgischer Änderungen
  10. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  11. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  12. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  13. Hat der Synodale Weg „die katholische Kirche in Deutschland in Machtspiel und Kampfzone verwandelt“?
  14. Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Rom
  15. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz