Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  2. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  3. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  4. Theologe Thomas Söding: „Es braucht eine katholische Internationale!“
  5. Der stumme Gott unserer Zeit
  6. Wenn der Wiener Erzbischof den Heiligen Geist gegen das Kirchenrecht ausspielen möchte
  7. Realitätsverlust im Bistum Chur
  8. BDKJ Nordrhein-Westfalen will Verbot der AfD
  9. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  10. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  11. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"
  12. Ramadan sorgte für Unfrieden an Wiener Schulen!
  13. Michelle Obama ermutigt Mütter arbeiten zu gehen
  14. "Er hat meine Pläne durchkreuzt": Warum der Teufel Angst vor Johannes Paul II. hatte
  15. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung

«Es ist ein Dilemma»

6. August 2014 in Interview, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Bundespräses der katholischen Schützen über Muslim als Schützenkönig. Von Sabine Kleyboldt (KNA)


Köln (kath.net/KNA) Die Krönung eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl-Sönnern hat eine bundesweite Diskussion losgetreten - schließlich hätte der katholische Verein den türkischstämmigen Muslim Mithat Gedik (33) laut Satzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gar nicht aufnehmen dürfen. Der Bundespräses des Dachverbandes, Kölns Domdechant Robert Kleine (Foto), erläutert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Köln die Hintergründe.

KNA: Monsignore Kleine, wie bewerten Sie die Debatte um den muslimischen Schützenkönig in Werl-Sönnern?

Kleine Ich bin überrascht über das Ausmaß der Kritik, angefangen vom Zentralrat der Muslime bis zu Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider, der von einem «Stück aus dem Tollhaus» redet. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Frage ist doch, wie man mit dem Glauben von Menschen umgeht. Die meisten Historischen Schützenbruderschaften sind nun einmal konfessionell gebunden und haben ein religiöses Fundament, das – für manche vielleicht überraschend - hin und wieder auch zum Ausdruck kommt.

KNA: Warum passt ein gut integrierter Muslim, der offenbar kein Problem hat mit der religiösen Ausrichtung, nicht in einen katholischen Schützenverein?


Kleine Die Bruderschaften haben eine jahrhundertelange Tradition: Ihr Zeichen ist das Kreuz, Schutzpatron ist der Heilige Sebastianus oder ein anderer Heiliger, der vorbildlich als Christ gelebt hat.

Wenn ich den Glauben von Muslimen ernst nehme, kann ich doch nicht erwarten, dass ein muslimischer Schützenbruder etwa das christliche Kreuz ansteckt oder an Fronleichnam hinter dem Allerheiligsten hergeht. Manche tragen heutzutage zwar das Kreuz als Modeschmuck, in einer Bruderschaft sollte es jedoch Glaubensbekenntnis und Ausdruck einer inneren Haltung sein.

KNA: Aber Herr Gedik ist doch freiwillig eingetreten...

Kleine Es ist wirklich ein Dilemma: Da ist jemand eingebunden in eine Bruderschaft, ist anerkannt, fühlt sich wohl. Das ist in den Augen der Gesellschaft eine gelungene Integration, und jetzt kommt die Kirche und haut da wieder drauf. Aber es ist diffiziler. Ich denke, es ist gut und richtig, dass es Vereine mit einem bestimmten Profil und entsprechenden Mitgliedern gibt. Aber wir erleben solchen Widerspruch bezüglich der katholischen Kirche auch beim Thema Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene. Da wir jedoch ein katholischer Verband sind, treten wir für bestimmte Traditionen und Werte ein.

KNA: Der Verband hat die Schlagworte «Glaube - Sitte - Heimat». Das klingt für manchen fast befremdlich.

Kleine Im Gegenteil, sie sind aktuell: Glaube steht für das christliche Fundament, Sitte für das gute Miteinander in der Gemeinschaft, getragen von Gottes- und Nächstenliebe, und Heimat steht nicht etwa für Heimattümelei oder irgendeinen Nationalismus, sondern für den Ort, wo ich zu Hause und geborgen bin, wo die Menschen sind, die ich liebe und für die ich da bin, aber auch für den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung.

KNA: Was können die Historischen Schützenbruderschaften aus der aktuellen Debatte lernen?

Kleine Sie ist vielleicht ein Ausgangspunkt für eine neue Diskussion über unser Selbstverständnis: Ist unseren Schützen bewusst, dass sie in einer katholischen Bruderschaft sind? Wollen sie das? Das sollte nicht nur im Dachverband, sondern auch in den einzelnen Bruderschaften diskutiert werden. Wenn man sich aber weiterhin für ein kirchliches Profil entscheidet, verwahre ich mich gegen den Vorwurf, man sei damit gegen Integration. Nur wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich in einen fruchtbaren Dialog mit anderen treten. Das ist übrigens besser, als wenn jemand gar keine Haltung hat.

KNA: Warum ist das Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit so schwer zu vermitteln?

Kleine Wir haben in unserer Gesellschaft die Tendenz, dass alles für alle möglich sein muss, alles gleich gültig ist. Dadurch wird aber vieles gleichgültig. Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit einer drohenden Profillosigkeit. Es kann doch auch nicht im Sinne der Integration sein, dass man religiös gebundene Vereine - ob für Christen, Juden, Muslime oder andere - als provinziell und von gestern diffamiert.

KNA: Was soll jetzt mit Schützenkönig Gedik geschehen?

Kleine Ich wünsche ihm ein schönes Königsjahr, aber er soll bitte dafür Verständnis haben, dass er beim Bezirksschießen und nächsten Wettbewerben nicht antreten kann, weil es der Satzung unseres Verbandes widerspricht. Weitere Konsequenzen müssen auf anderer Ebene entschieden werden. Ich bin auch gerne bereit, nach Sönnern zu fahren und mit allen Beteiligten zu sprechen.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Foto © Katholisches Stadtdekanat Köln


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu

Gesellschaft

  1. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  2. Botox? – Die unsichtbaren tragischen Folgen des Jugendwahns
  3. Slowakei: Kirchen bitten gemeinsam um Vergebung für Verfehlungen
  4. Zwischen Wölfen und Brüdern
  5. „Alte Fragen, überraschende Antworten“
  6. Mike Johnson: Westen muss sich wieder auf christliche Werte besinnen
  7. Unschuldig angeklagt und verurteilt
  8. Scott Hahn: ‚Mit Kompromissen gewinnen wir nicht’
  9. Verkauf eines Feminismus-kritischen Buchs auf Facebook und Instagram gesperrt
  10. Österreichs Integrationsministerin richtet „Dokumentationsstelle politischer Islam“ ein






Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. "Er hat meine Pläne durchkreuzt": Warum der Teufel Angst vor Johannes Paul II. hatte
  5. Realitätsverlust im Bistum Chur
  6. Wenn der Wiener Erzbischof den Heiligen Geist gegen das Kirchenrecht ausspielen möchte
  7. „Die meisten Seelen dort sind die, welche nicht an die Existenz der Hölle geglaubt haben“
  8. Warum kein einfach gläubiger Katholik „Laienpredigten“ in der heiligen Messe braucht
  9. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  10. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  11. Hatte J.D. Vance doch Recht? Wenn Hitler-Vergleiche in Deutschland die Polizei auf den Plan rufen
  12. Papst Leo auf Versöhnungskurs
  13. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  14. 'Ich verstehe Gott nicht': Ältester Deutscher feiert 110. Geburtstag
  15. Junge Katholiken suchen in der Kirche lehramtliche Klarheit und nicht Anpassungsfähigkeit

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz