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Der rheinische Gelassene

11. Juli 2014 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln – das passt. Ihm, dem alten Neuen, der weder Angst vor Widerspruch noch vor Erkenntnisgewinn hat, macht so rasch niemand etwas vor. Von Martin Lohmann


Köln (kath.net) Er ist für viele ein besonderes Phänomen. Die einen halten ihn für konservativ, andere vermuten in ihm einen Progressiven. Doch Rainer Maria Woelki (Foto) passt in keines der beliebten und so gerne gebrauchten Klischees. Für Schubladierungen ist er nicht geeignet. So gesehen ist seine Rückholaktion in die rheinische Heimat sicher eine gute Entscheidung. Auch deshalb, weil sich der bisherige Berliner Kardinal, der nur wenige Jahre Zeit zum Handeln und Führen an der Spree hatte, in Köln bestens auskennt – und die Kölner nur zu gut kennt. Dem Erzbistum könnte es sehr gut tun, einen kenntnisreichen und dennoch klischeeunfähigen Erzbischof zu haben. Viele haben es sich gewünscht, andere werden damit leben können: Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln – das passt. Nicht nur, weil er FC-Fan ist, Humor hat und Karneval kann. Ihm, dem alten Neuen, der weder Angst vor Widerspruch noch vor Erkenntnisgewinn hat, macht so rasch niemand etwas vor.

Köln ist seine Heimat. Das Rheinische, wozu eine gewisse Gelassenheit und ein Gönnen-Können zählen, ist seine Mentalität. Und die internen Abläufe seines neuen Bistums, in dem Woelki groß wurde, kennt er aus der Innenansicht. Kindheit und Jugend in bescheidenen Verhältnissen in der Bruder-Klaus-Siedlung im Kölner Stadtteil Mülheim machten ihn bodenständig und unfähig für jedes Abgehobensein. In Bonn und Freiburg holte er sich, nachdem er seinen Wehrdienst im Panzerartilleriebataillon 95 in Munster geleistet hatte, sein theologisches Wissen, war und bleibt ein Verehrer des großen Kölner Kardinals und Sozialwissenschaftlers Joseph Höffner, der den Priester Woelki beeindruckte und prägte. Nach Kaplansjahren wurde er engster Vertrauter von Kardinal Meisner als dessen Geheimsekretär.


Später bestellte Meisner ihn zum Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn. An der Päpstlichen Opus-Dei-Universität vom Heiligen Kreuz in Rom wurde er zum Thema „Die Pfarrei – ein Beitrag zu ihrer ekkelsiologischen Ortsbestimmung“ im Jahre 2000 zum Doktor der Theologie promoviert.

Auch mit Meisner verstand sich Woelki gut, wenn auch die Mär, er denke und handle bisweilen wie eine Kopie dieses seines Vorgängers, eine Mär ist und bleibt. Rainer Maria verstand es immer, sich seinen eigenen und besonnenen Kopf zu bewahren.

Der neue Kölner Erzbischof verkörpert eine nicht für alle immer leichte Mischung aus theologischer Treue und pragmatischem Wagemut. Für Häresien eignet sich Woelki wahrlich nicht, für das Wagnis neuer Wege dagegen schon. Sein pastorales und für ihn jenseits jeder Absicht zum Spektakulären normales Nachdenken über die Begegnung mit wiederverheiratet Geschiedenen oder auch Homosexuellen entspringen einer letztlich frommen und gottesfürchtigen Seele. Die Ruhe, mit der er sich zu äußern pflegt, ist Ausdruck dieser Grundhaltung. Und zum inneren Kompass des ehemaligen Weihbischofs in Köln, der jetzt Weihbischöfe in Köln hat, zählt auch eine ebenso selbstverständliche wie klare Unaufgeregtheit, mit der Woelki immer wieder für das Lebensrecht eines jeden Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen Tod spricht und dafür eintritt, dass es keine Alternative zu einer wirklichen Kultur des Lebens gibt.

Und weil er so ist, wie er ist, passt der hochgewachsene Kardinal Rainer Maria in kein kleines Kästchen – und irritiert schon mal. Die einen oder die anderen. Doch das ficht ihn nicht an und kann sein Selbstbewusstsein kaum ankratzen. Er, der sich den Wahlspruch „Wir sind Zeugen“ genommen hat, will Zeugnis geben von der Liebe Gottes. Dazu wird er, der möglicherweise mehr zu führen in der Lage sein wird, als dies manche hinter dem freundlichen Gesicht zu vermuten meinen, in Köln viel Gelegenheit haben. Einem Weggefährten sagte er nach der Kardinalserhebung in Rom, man sollte alles tun, der katholischen Kirche in Deutschland ein besseres, freundlicheres und einladenderes Gesicht zu geben. Möglicherweise wird es sich gerade in Köln auf seine ganz eigene Weise zeigen.

Der Theologe Martin Lohmann ist Buchautor und Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV.

Foto des Kardinals


Kardinal Woelki 2012 im interessanten Kurzporträt


Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki über Nightfever


Foto (c) Martin Lohmann/LohmannMedia



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