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‚Weil ich nicht Gott suchte‘

11. Jänner 2014 in Kommentar, 13 Lesermeinungen
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Das katholische Coming out Döblins ist in den Augen B. Brechts „ein peinlicher Vorfall“ - Von Helmut Müller.


Linz (www.kath.net)
Man mag über das Coming out von Thomas Hitzelsperger denken wie man will – ein coming out „auf katholisch“ hatte vor gut 70 Jahren andere Folgen: Empörung, Entsetzen und Sprachlosigkeit. Zudem wurden Bert Brechts „irreligiöse Gefühle“ verletzt. Helene Weigel, die Frau Bert Brechts, hatte am 14. 8. 1943 in Santa Monica zu Ehren Alfred Döblins zu dessen 65. Geburtstag eingeladen. Alles was im Exil Rang und Namen hatte, fand sich ein. Heinrich und Thomas Mann, Hans Eisler, Arnold Schöneberg, Fritz Kortner, Peter Lorre und viele andere.

Als Heinrich Mann, die Festrede gehalten hatte, geschah das als ungeheuerlich Empfundene. Alfred Döblin, der bis dahin gefeierte Relativist, Skeptiker, Sinnsucher und Autor von „Berlin Alexander Platz“, gestand ein, was er zwei Jahre lang für sich behalten hatte, dass er katholisch geworden sei. Sprachlosigkeit war die mildeste Form dieses wirklich mutigen Coming outs . Bert Brecht notierte noch am gleichen Abend in seinem Tagebuch: „am schluß hielt döblin eine rede gegen moralischen relativismus und für feste maße religiöser art, womit er die irreligiösen gefühle der meisten feiernden verletzte [...] als döblin anfing zu beschreiben, wie mit vielen anderen schreibern auch er mitschuldig wurde an dem aufstieg der nazis [...] und die frage entschlossen aufwarf, warum denn, glaubte ich für minuten kindlich, er werde jetzt forfahren: ‚weil ich die verbrechen der herrschenden vertuscht, die bedrückten entmutigt, die hungernden mit gesängen abgespeist habe’ usw. aber er fuhr nur verstockt, unbußfertig, ohne reue fort: ‚weil ich nicht gott suchte’“.


Brecht konnte sich gar nicht beruhigen, sondern verfasste wenige Tage später das Gedicht „Peinlicher Vorfall“. Das Gedicht ist eine Parodie, voller ironischer Überhöhungen und Spott und spricht davon, dass in eine „gerührte Stimmung“ ein „unziemliches“ und „unzüchtiges“ Bekenntnis platzt, das die „irreligiösen Gefühle“ der Feiernden „verletzt“. Es endet mit den Worten: „Seit drei Tagen habe ich nicht gewagt, meinen Freunden und Schülern unter die Augen zu treten, so schäme ich mich.“ Es blieb aber nicht bei diesem Fremdschämen. Er suchte Erklärungen bei erlittenen Krankheiten des einst Gefeierten, einem schweren kriegsbedingten Schicksal, dem Verlust von Familienangehörigen und der Flucht aus der Heimat. Dadurch sei er schwach geworden und dem Glauben anheim gefallen. Es endet mit einer gemeinen Bemerkung, schließlich lebe er „mit einer ungewöhnlich dummen und spießigen Frau“ zusammen. Selbst Elisabeth Langgässer sprach von einer „Katastrophe“. Alfred Döblin hat sehr wohl bemerkt, dass seine Rede Empörung und Sprachlosigkeit zur Folge hatte: „Man lehnte mich schweigend ab. Es war keine Rede für eine Geburtstagsfeier.“

Dieses Coming out war sein künstlerisches Ende. Seit dem sprach man von einem Bruch in seinem Werk. Auch eine 400 seitige Dissertation aus dem Jahre 1999 konnte diesen Eindruck nicht wirklich aus dem Weg räumen. Wenn man dem Jenaer Historiker Stefan Gerber glauben mag, ist es 70 Jahre später nicht besser geworden. Katholische, nicht kirchenkritische Intellektuelle, sind zu einer bedrohten Spezies geworden. Sie werden häufig wenig schmeichelhaft wahrgenommen, aus der „rechten Dunkelkammer“ kommend, sind „Krawallkatholiken“, „Ewiggestrige“, „nicht Ernst zu nehmende“ oder „unseriöse“ Gesprächspartner. Da muss man schon seinen ganz Mut zusammen nehmen, wenn man bisher nicht katholisch war, beschließt es zu werden.


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Lesermeinungen

 Jollek 20. Jänner 2014 

Daß Brecht

subjektiv ehrlich gewesen sei, ist abzustreiten. Er war ein betsügerischer, emotional limitierter Charakter.


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 Randolf 18. Jänner 2014 
 

Brecht

Man mag Brechts Auffassungen nicht teilen, jedenfalls äußerte er sich ehrlich und trieb kein hinterhältiges Spiel mit der Kirche, die er offen ablehnte. Er heuchelte wenigstens keine "Reformen" herbei, um Unfrieden in sie hineinzutragen.


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 Kostadinov 15. Jänner 2014 

der einzige Bert...

...der als Intellektueller im positiven Sinne durchgeht, ist Bert aus der Sesamstraße. Brecht ist ein Dünnbrettbohrer, der für sich immer Toleranz reklamiert hat und dann allen anderen die Weltrevolution aufzwingen wollte. Seine Gedichte sind sicherlich Geschmackssache, aber für einen großen Denker kann ich ihn mangels Denkergebnissen nicht halten...


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 PBaldauf 13. Jänner 2014 
 

@Romika

Dass Brecht sich bei Lebzeiten nicht mehr gewandelt hat, entging mir keineswegs. Ich meinte es in der Hoffnung, dass ihn kurz vor dem Tod noch die Gnade erreicht hat - vielleicht in der letzten Sekunde. Man darf und soll ja hoffen.

www.kathshop.at/suche.php?sb=9783903028371


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 willibald reichert 12. Jänner 2014 
 

Romika

Brecht hat auch manches unter seinem
Namen veröffentlicht, was nicht von ihm
kreiert war, sondern von gewissen ihm
zugetanen weiblichen Wesen. Da der Mann
sich aber auf der richtigen, nämlich
der linken Seite eingerichtet hatte, ist
bis heute im Mainstream unserer Zeit das
Wort Plagiat für die Aneignung fremder
Leistungen bezüglich seines Tuns außen
vor geblieben.


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 Romika 12. Jänner 2014 
 

Brecht

Das Positive ist, dass Brecht sich noch ohne Gefahr rechtlicher Inanspruchnahme äußern konnte. Der ignorante Kommunist hat sich nicht mehr gewandelt, was dem Dichter vom Dienst Baldauf entging.


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 PBaldauf 11. Jänner 2014 
 

Döblin und Brecht

Zu Döblin:
Dein Bekenntnis war sehr gut
Es zeigte Demut und auch Mut

Zu Brecht:
So ähnlich stehts schon in der Bibel:
Hochmut und Weisheit sind inkompatibel
Ich hoff, er hat sich noch bekehrt
und sich der Rettung nicht verwehrt

Döblin bekannte sich zum Glauben
Die Ehre kann ihm niemand rauben

www.kathshop.at/suche.php?sb=9783903028371


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 JohnPaul 11. Jänner 2014 

Brechts Reaktion

Es erscheint mir übrigens typisch, wie Brecht hier reagiert: mit Spott, Häme, intellektueller Überheblichkeit, Pathologisierung (er fragte nach Krankheiten) und sogar Kontaktabbruch (wie man an anderer Stelle lesen kann) - das Ganze natürlich in Form eines Gedichts verpackt, da "Kunst" ja frei ist. Und die gleichen Leute (Brechts Werk ist ja voll davon) beklagen sich dann über Diskriminierungen durch Dritte. Man fragt sich, was in Deutschland los wäre, wenn jemand auf Hitzelsbergers Coming-out auch nur annähernd in einer solchen Weise reagiert hätte ...


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 JohnPaul 11. Jänner 2014 

Konversion

Vielen Dank für diesen Beitrag. Von Döblins Bekehrung hatte ich noch gar nichts gewusst. Sie zeigt, dass es heilbringendere Konversionen gibt als die Hitzelsbergers. Es gibt nichts, was - jeden Tag aufs Neue - beglückender und befreiender ist, als sein Leben Christus zu übergeben. Selbst ein frühererer Atheist, der erst mit über 30 zum katholischen Glauben zurückfand, weiß ich genau, wovon ich hier rede.

DEO GRATIAS!


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 Scotus 11. Jänner 2014 

Zunächst war es Nietzsche, der ihn verdarb...

Schon mit vierzehn Jahren notierte Döblin, Gott sei das Gute in der Welt. Nachdem er aber Nietzsches "Genealogie der Moral" gelesen hatte, war er tief erschüttert: "Kannte ich Gott trotz alledem, gegen den es hier ging? Wusste ich von ihm? Ahnte und ersehnte ich ihn? Ich weiß nicht. Aber ich sah, dass es hier schrecklich ernst wurde, dass es um Gott ging und dass ich daran beteiligt war."

1904 schrieb er als Student an Else Lasker-Schüler: "Ich werde vielleicht noch einmal sehr gläubig werden [...] wenn man zu denken versucht, wird alles Bekannte unbekannt; das Rätsel steht unglaublich dicht vor der Tür.. Das Beste, was wir tun können, ist beten [...] Nichts ist mir widriger als der aufgeklärte Liberalismus, der über die Religionen lacht und sie für Massenfraß hält."

Seine Bekehrung war ein äußerst komplexer geistiger Vorgang am Ende einer Kette von Einsichten, Erkenntnissen, Erschütterunen, Enttäuschungen und Zweifeln, die erst allmählich zur Glaubensgewissheit geführt hatten.


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 Jollek 11. Jänner 2014 

Von künstlerischem Ende

kann man nicht reden. Döblin war einer der anerkanntesten und bestverkauften Autoren der 1950er und 60er Jahre. Die Kritik in Deutschland behandelte ihn stets mit Hochachtung. Wenn ich mich recht erinnere, wurde er sogar in der DDR verlegt.


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 waghäusler 11. Jänner 2014 
 

Ja Ja Ja

Die Intellektuellen ob Akademiker oder Kreativer Art.
Schon seit der Französischen Revolution über die 68er Bewegung bis Heute Glauben sich dazu auserkohren,uns den kleinen Dummen die Welt und Natur zu erklären.
Intellekt und Hochmut halten sich die Waage.
Oh Bert,Oh Bert du und die deines Geistes Brüder wie habt ihr eure Todesstunde verlebt?
Kam Gottes Gnade auf euch,so dass sich Erkenntnis und Bekehrung einhielt oder ward Ihr in Verstockung?
Wir aber sollten uns mutig zu unserem Herrn bekennen,ganz gleich was uns deswegen angedroht wird.
Wenn wir uns zu Ihm bekennen,dann wird auch Er sich vor seinem Vater zu uns bekennen.


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 girsberg74 11. Jänner 2014 
 

Aus gegebenem Anlass: Döblin hatte sein Ziel erreicht!

„Dieses Coming out war sein künstlerisches Ende“

Kunst scheint demnach kein Ding an sich zu sein, ist nie absolut – allenfalls die Anstrengung des Künstlers, sondern immer ein Abbild auf bestimmte Vorstellungen einer gegebenen Öffentlichkeit, deren Ziele oder Feindbilder getroffen sind

Wenn einer, wie in diesem Falle Döblin, getroffen ist, wird vieles hinfällig, spielt keine Rolle mehr, hat an Bedeutung verloren. Positiv gesagt: Einer hat sein Ziel erreicht.

(Dank für diesen Text an den Autor Peter Müller.)


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