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Der 'lachende Heilige' und das gerupfte Huhn

1. Februar 2013 in Chronik, keine Lesermeinung
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Philipp Neri (1515-1595) setzte Humor als Mittel zur geistlichen Führung ein, um Menschen für Gott zu gewinnen


Wien (kath.net/KAP) Philipp Neri (1515-1595) zählt fast 500 Jahre nach seiner Geburt nicht zuletzt wegen seines geistreichen Humors nach wie vor zu den beliebtesten Heiligen. Der Ordensgründer und "Apostel von Rom" gilt als herausragende Gestalt der Katholischen Reform im Rom des 16. Jahrhunderts. Den gebürtigen Florentiner zeichnete neben Intellektualität und Demut auch Heiterkeit und Liebenswürdigkeit aus, "die er als Mittel zur geistlichen Führung einsetzte" und damit "Menschen bis heute an sich ziehen und für Gott gewinnen" kann, wie Paul Wodrazka, Wiener Priester der Kongregation des Oratoriums des heiligen Philipp Neri, in einem Beitrag für das Jahrbuch 2011 der Diözese Gurk schrieb.

Schon 1600, fünf Jahre nach seinem Tod, wurde Philipp Neri seliggesprochen. 1622 folgte die Heiligsprechung zusammen mit Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Theresa von Ávila und Isidor von Madrid, die passend zum Humor Philipps in Rom augenzwinkernd kommentiert wurde: Papst Gregor XV. habe vier Spanier und einen Heiligen zur Ehre der Altäre erhoben, hieß es.

Dass Philipp ein "humoristischer Heiliger" war, veranschaulicht der Oratorianer Paul Wodrazka, der an der Apostolischen Nuntiatur Wien mitarbeitet, durch zwei Anekdoten aus dem Leben des Gründers der Weltpriestergemeinschaft.


Humorvolle Lektionen für zwei Adelige

Als gesuchter Beichtvater, der täglich bis zu zwölf Stunden im Beichtstuhl verbrachte, habe Philipp Bußen auferlegt, die "nicht nur sehr originell", sondern auch von hohem "glaubenspädagogischen Wert" waren, schrieb Wodrazka. Als Contessa Bianchi bekannte, sie habe wiederholt schlecht über andere Menschen gesprochen, trug ihr der weise Beichtvater Folgendes auf: "Zur Buße wirst du dir am Markt ein Huhn besorgen und dann damit zu mir kommen. Unterwegs musst du es so gut rupfen, dass dabei auch nicht eine Feder übrigbleibt."

Die Contessa führte dies folgsam aus, sehr zum Amüsement der römischen Bevölkerung. Angesichts des gerupften Huhns verlangte Philipp Neri von der stadtbekannten Adeligen jedoch, alle Federn wieder einzusammeln und keine dabei zu vergessen. Darauf die Contessa bestürzt: "Das ist doch nicht möglich! Der Wind hat die Federn bereits in ganz Rom verweht." Daraufhin Philipp: "Daran hättest du vorher denken müssen. So wie du die einmal ausgestreuten Federn nicht mehr aufsammeln kannst, weil der Wind sie verweht hat, so kannst du auch die bösen Worte, die du einmal ausgesprochen hast, nicht wieder zurücknehmen."

Eine weitere Anekdote rankt sich um den würdigen Kommunionempfang, auf den Philipp Neri besonderen Wert legte. Und wieder war eine römische Adelige im Visier seiner humorvollen Glaubenspädagogik: Die Principessa Camilla Doria-Pamphili hatte die Angewohnheit, unmittelbar nach der Kommunionspendung und noch vor Ende der Messfeier die Kirche zu verlassen. Der Heilige trug vier Ministranten auf, der Davoneilenden mit je einer brennenden langen Kerze zu folgen. Die verdutzte Principessa fragte nach dem Sinn der ungewöhnlichen Begleitung; die Erklärung lieferte der dazugekommene Philipp mit den Worten: "Principessa haben gerade den Leib Christi empfangen. Noch ist er nicht vergangen. Zu den Vorschriften der Kirche gehört: Das allerheiligste Sakrament muss mit Kerzen begleitet werden, wenn man es über die Straße trägt. Deshalb schickte ich die Kerzenträger nach."

Camilla Doria-Pamphili kehrte daraufhin beschämt mit hochrotem Kopf in das Gotteshaus zurück und verließ von da an die Kirche immer erst nach dem Schlusssegen.

Mehr noch als die "High Society" seiner Zeit hatte Philipp Neri die bedürftigen und "kleinen Leute" im Blick: Noch während seines Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße, heißt es im Ökumenischen Heiligenlexikon: "Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern." Johann Wolfgang von Goethe erklärte Philipp in seiner "Italienischen Reise" zu seinem Lieblingsheiligen.

In voller Länge nachzulesen ist der Artikel von Paul Wodrazka im Jahrbuch 2011 der Diözese Gurk (Thema: "Humor - Bruder des Glaubens"), das für 9 Euro plus Versandkosten nach wie vor erhältlich ist (Pressestelle, Tel.: 0463/57770-1071, Fax: 0463/57770-1079, [email protected]).

Foto: Hl. Philipp Neri (1515-1595), (c) www.oratorium.org


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