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Aus dem Konzilsarchiv: Grundlegende Reformen statt Flickwerk

19. Oktober 2012 in Chronik, 10 Lesermeinungen
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Aus dem Kathpress-Archiv zum Konzil vor 50 Jahren: Pressekonferenz mit Gregoriana-Professor Schmidt in Rom - Ist die römische Liturgie dem Volk entfremdet? - Platz für schöpferische Freiheit in der liturgischen Gestaltung


Vatikan (kath.net/KAP) Kein Flickwerk, sondern grundsätzliche Reformen in der Liturgie forderte der niederländische Jesuitenpater Hermann Schmidt, Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana, auf einer Pressekonferenz im Konzilspressebüro in Rom am Donnerstag Mittag. Das Konzil könne die liturgischen Fragen nicht mit einigen Verbesserungen, Auslassungen oder Hinzufügungen lösen, sondern man müsse auf dem Weg einer radikalen Reform nach festen Grundsätzen zu konkreten praktischen Anwendungen kommen.

Das Liturgie-Schema, das dem Konzil als erstes zur Behandlung vorliegt, bezeichnete Prof. Schmidt als ein "volles aktuelles Programm liturgischer Erneuerung". Aufgabe des Konzils sei es jedoch nur, allgemeine Richtlinien zu geben, die praktische Anwendung müsse den durch das Konzil dazu Beauftragten überlassen bleiben. Nach der Überzeugung von Fachleuten könnten die Liturgie-Dekrete des Konzils in etwa fünf Jahren durchgeführt sein. Andere glaubten allerdings, man würde dazu noch mehr Zeit brauchen.


Das Hauptproblem in der Liturgie fasste Prof. Schmidt in die Frage zusammen: Wie kann die Liturgie ein organisches Element im Leben des Christen werden? Änderungen und Anpassungen der Liturgie seien in allen Jahrhunderten notwendig gewesen. In den letzten vier Jahrhunderten allerdings sei "Unveränderlichkeit das liturgische Ideal" gewesen. Die Konzilsväter werden entscheiden müssen, ob es wahr ist, dass die römische Liturgie dem gläubigen Volk entfremdet ist. Sie werden die Probleme im Geist eines gesunden Realismus lösen, denn - so sagte Pater Schmidt - "die meisten von ihnen sind ja Seelsorger, die täglich mit diesen Problemen zu tun haben".

Infolge der Überwindung des Kolonialismus und der Erschütterung der Vorherrschaft des Westens sei in unserem Jahrhundert die Frage akut geworden, ob auch andere liturgische Riten im breiteren Umfang zugelassen worden können. Es bestehe berechtigte Hoffnung, sagte Pater Schmidt, dass das Konzil zur Lösung dieses schwierigen Problems einige Grundregeln festlegen werde. Als Beispiel nannte der bekannte Liturgie-Professor die Dezentralisation in dem Sinne, dass im Rahmen einer "gewiss, notwendigen zentralen Leitung" eine Reihe von Vollmachten auf liturgischer Ebene regionalen Bischofskonferenzen übertragen wird. In den Missionen überwiege überall die römische Liturgie. Passt nicht - so fragte der Professor - die östliche Liturgie viel besser zu den Orientalen und zu allen, die im Osten leben? An der römischen Liturgie bemängelte er, sie sei durch Rubriken geregelt, so dass kein Platz für schöpferische Freiheiten in ihrer Gestaltung übrig bleibe. Die Formen der römischen Liturgie seien hierarchisch und klerikal, und so gebe es noch keine echte Form einer Volksliturgie der Messe zwischen dem Hochamt und der stillen Messe.

Abschließend unterstricht Prof. Schmidt, für die Rückführung der Masse zur Kirche sei nicht nur die soziale Betätigung in der Kirche unerlässlich, im Leben der Gläubigen sei heute vielmehr vor allem der Geist des Opfers nötig. Deshalb befasse sich das Konzil mit der Liturgie, als der Quelle des geistlichen Lebens der Christen. Und vom Konzil dürfe man mit Recht erwarten, dass es nach so vielen Jahren der Verwirrung und des Zögerns wirksame Grundregeln und praktische Dekrete erlassen werde.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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