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Wenn der 'katholische Reformflügel' die 'Gunst der Stunde' nützt

8. August 2011 in Deutschland, 146 Lesermeinungen
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Kölner Theologin Saskia Wendel instrumentalisiert den Massenmörder von Oslo für ihre kirchenideologischen Ansichten - Matthias Matussek übt scharfe Kritik: Die Breivik-Keule ist sicher, sie ist wirksam, sie kann von jedem Deppen geschwungen werden


München (kath.net)
Der bekannte katholische Journalist Matthias Matussek hat auf "Spiegel Online" scharfe Kritik an der Verzweckung des norwegischen Terroristin Breivik durch die katholische Theologin Saskia Wendel geübt. Die Unterzeichnerin des antikirchlichen Theologenmemorandums hatte in einem Interview mit der "Zeit" ernsthaft behauptet, dass dieser "ein ganz klar christlich aufgeladenes Weltbild" habe. Wendel, die an der Uni Köln Systematische Theologie lehren darf, meinte dann sogar, dass der Terrorist die Öffnungen, die das Zweite Vatikanum in den sechziger Jahren vollzogen hat, rückgängig gemacht habe und "den alten Exklusivismus ins Recht" setzen wolle. Für sie besetze er "klassische Topoi des katholischen Traditionalismus". "Breivik hat zutiefst antimoderne Einstellungen etwa zur Abtreibung, zur Empfängnisverhütung, zur Geschlechtergerechtigkeit. Deshalb polemisiert er auch gegen Frauenordination und gegen die Anerkennung von Homosexualität durch die Kirche. Er lobt den Reichtum der Liturgie und die apostolische Sukzession, setzt die Autorität des katholischen Lehramtes gegen beliebige Deutungen der Schrift und betont die Unfehlbarkeit des Papstes.", meinte sie in dem Interview. Für Wendel gibt es sogar "bei bestimmten traditionalistischen Gruppierungen" in der katholischen Kirche "womöglich auch antidemokratische Einstellungen". Wörtlich meinte sie dann noch als Draufgabe: "Sollte hier ein Gewaltpotenzial entstehen, muss der Staat seine Schutzfunktion erfüllen. Das sind dann keine rein innerkirchlichen Angelegenheiten mehr."


Matthias Matussek Antwort auf diese und ähnliche Verzweckungen des Terroristen fällt deutlich aus: "Die Breivik-Keule ist sicher, sie ist wirksam, sie kann von jedem Deppen geschwungen werden. Eine Krankheit hat die Feuilletons befallen. Die Denunziationssucht. Die Rasterfahndung. Die linke Sympathisantenjagd auf Islamkritiker oder Konservative oder Christliche oder alle, die man sowieso nie leiden konnte und die jetzt mal, im Schatten eines Massenmordes, ordentlich abgeschrubbt werden dürfen."

Dann stellt der katholische Journalist klar, was jeder durchschnittlich informierte Christ wissen sollte: "Nein, Breivik war kein christlicher Tempelritter. Er hat sich nur mit deren Schürze dekoriert. Er war auch kein Christ." Dann erteilt Matussek auch der Kölner Theologin Wendel eine deutliche Absage an ihre Thesen und wirft ihr vor, dass sie die Breivik-Keule ebenfalls benütze und damit "der katholische Reformflügel" die Gunst der Stunde nutze, um sich ein für allemal "vom Traditionalistenverein abzusetzen."
"Wusste Breivik eigentlich, was er da angerichtet hat, gerade im innerkirchlichen Dialog? Katholiken, die gegen Abtreibung und gegen Frauenordinierung sind - zwei Positionen der Weltkirche - müssen sich ganz warm anziehen. Sie stehen fortan unter Beobachtung. Sie werden zu geistigen Brandstiftern, ja, sind eigentlich schon überführte Terroristen. Willkommen im Club! Unnötig zu sagen, dass Saskia Wendel zu den Unterzeichnern des progressiven Theologenmemorandums zur Liberalisierung der Kirchen gehört. Also: Romtreue Katholiken, durchatmen. Ihr steht ab sofort unter Beobachtung. Ihr werdet in einem Atemzug mit einem Massenmörder genannt.", meint Matussek wörtlich.

Für ihn stehe fest, dass Wendels Argumentation nur als eine "handfeste Warnung und Einschüchterung" gelesen werden könne. "Dass eine linke Theologin in einer weltanschaulichen Debatte so unverhohlen nach der Polizei ruft, ist dann doch ein Novum." Für den Journalisten gibt es "in der Instrumentalisierung eines entsetzlichen Massenmordes" offenbar keine Hemmschwellen mehr. "Bei uns rastern sie und nutzen die Chance, auszuteilen und Rechnungen zu begleichen, ob eifrige Milchbärte oder gestandene Ausgebuffte, sie verleumden, sie klittern, sie fahnden ohne höheren Auftrag, jeder mit der Lupe unterwegs auf der Suche nach "Stellen".

KATH.NET hat das Erzbistum Köln um eine Stellungnahme zum umstrittenen Interview der Kölner Theologin Saskia Wendel ersucht und wird weiter berichten.

SPIEGEL: Der Kommentar in voller Länge

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Foto: Saskia Wendel; (c) Uni Köln


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