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Die wahre Faszination der Sexualität

14. Mai 2011 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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Benedikt XVI.: Es ist geboten, die Theologie des Leibes mit der Theologie der Liebe zu verbinden. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Die wahre Faszination der Sexualität entwächst der Größe der Horizonte, welche die Liebe Gottes eröffnet. In dieser Perspektive stehen Geist und Leib in keinem Widerspruch zueinander. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. am gestrigen Freitag an die Teilnehmer einer Tagung, die vom Päpstlichen Institut „Johannes Paul II.“ für Studien zu Ehe und Familie veranstaltet wurde. Johannes Paul II. hatte die Einrichtung vor 30 Jahren gegründet, im selben Jahr, so Benedikt XVI., als er auf dem Petersplatz Opfer eines Attentats geworden sei.

Der Papst betonte die Notwendigkeit, die Theologie des Leibes mit der Theologie der Liebe zu verbinden, um die Einheit des Weges des Menschen zu finden. Ausgehend vom Beispiel von Gemälden Michelangelos, die den nackten Körper darstellen, betonte der Papst, dass der Künstler Körper gemalt habe, „in denen Licht, Leben und Glanz wohnen“. Absicht Michelangelos sei es gewesen zu zeigen, dass der Leib des Menschen ein Geheimnis verberge, „die Tatsache, dass sich der Geist ihn ihnen zeigt und wirksam ist“.

Im Plan Gottes gebe es somit keinen Gegensatz zwischen Leib und Geist. So träten die Leiber von Adam und Eva vor dem Sündenfall in voller Harmonie in Erscheinung. „Der Eros ist ein Empfangen der Liebe von Gott, um sie weitergeben zu können“, so Benedikt XVI. In der Liebe werde der Mensch neu geschaffen: „Das heißt: es beginnt ein neues Leben, das Leben der neuen Einheit der beiden in einem Fleisch“.


So entstehe die wahre Faszination der Sexualität aus der Größe dieses sich eröffnenden Horizonts: „Die ganzheitliche Schönheit, das Universum der anderen Person und des ‚Wir’, das in der Vereinigung entsteht, die Verheißung der Gemeinschaft, die sich darin verbirgt, die neue Fruchtbarkeit, der Weg, den die Liebe hin zu Gott, dem Quell der Liebe, eröffnet“. Auf diese Weise werde die Vereinigung in einem Fleisch zur Vereinigung des ganzen Lebens, damit Mann und Frau auch eins im Geist werden.

Es eröffne sich ein Weg, auf dem der Leib den Wert der Zeit und des langsamen Reifens in der Liebe zeige. In diesem Licht „empfängt die Tugend der Keuschheit einen neuen Sinn“, betonte der Papst. Sie sei kein „Nein“ mehr gegenüber den Freuden des Lebens, sondern ein großes „Ja“ zur Liebe als tiefe Kommunikation unter den Personen. Diese erfordere Zeit und Achtung, „als gemeinsamer Weg hin zur Fülle und als Liebe, die fähig wird, Leben zu erzeugen und das neue Leben, das entsteht, großherzig zu empfangen.“

Der Leib enthalte auch eine negative Sprache. Er spreche von der Unterdrückung des anderen, von dem Verlangen, ihn zu besitzen und auszunutzen. „Wir wissen jedoch, dass diese Sprache nicht zum ursprünglichen Plan Gottes gehört, sondern Frucht der Sünde ist“, so Benedikt XVI. Wenn der Leib von seinem kindhaften Sinn, von seiner Verbindung mit dem Schöpfer losgelöst werde, so wende er sich gegen den Menschen und verliere seine Fähigkeit, die Gemeinschaft durchscheinen zu lasen. Auf diese Weise werde der Leib zum Boden der Aneignung des Anderen.

Benedikt XVI. stellte fest, dass darin das „Drama der Sexualität“ bestehe, die in der heutigen Zeit im engen Kreis des eigenen Leibes und der Emotion verschlossen bleibe, sich in Wirklichkeit aber nur im Ruf zu etwas Größerem verwirklichen könne.

Gott biete jedoch dem Menschen „einen Weg der Erlösung des Leibes an, dessen Sprache in der Familie bewahrt wird“. Die Familie werde zum Ort, wo sich die Theologie des Leibes und die Theologie der Liebe ineinander verschränken. In der Familie werde die Güte des Leibes gelernt, in der Erfahrung der Liebe, die der Mensch von den Eltern empfange. In der Familie werde in der ehelichen Liebe die Selbstschenkung „in einem Fleisch“ gelebt und die Fruchtbarkeit der Liebe erfahren: „Das Leben verschränkt sich mit den anderen Generationen“.

Die Familie sei der Ort, an dem der Mensch seine Beziehungsfähigkeit entdecke, „nicht als autonomes Individuum, das sich selbst verwirklicht, sondern als Kind, Gatte, Vater und Mutter, deren Identität darauf gründet, zur Liebe berufen zu sein, sich von Anderen her zu empfangen und sich den Anderen zu schenken“,

Bei der Fleischwerdung stehe der Mensch vor an einer demütigen Bewegung Gottes, der sich im Leib erniedrige, um ihn dann zu sich zu erheben. Das Fleisch, „Sünder in Adam“, werde so von Chrisus angenommen und erlöst. Es handle sich dabei um ein Fleisch, so Benedikt XVI. abschließend, das immer mehr von Licht und Geist, von Gott erfüllt werde.

In dieser Hinsicht „vermeidet die Theologie des Leibes, wenn sie im Zusammenhang der Tradition gelesen wird, die Gefahr der Oberflächlichkeit und erlaubt es, die Größe der Berufung zur Liebe zu erfassen“. Es sei dies eine Berufung zur Gemeinschaft der Menschen in der zweifachen Form des Lebens der Jungfräulichkeit und der Ehe.



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