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Salzburger Erzbischof stellt sich hinter 'Auerbacher Schulschwestern'

4. Jänner 2002 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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In einem Leserbrief an die TAGESPOST übt Erzbischof Eder (Salzburg) heftige Kritik an den verantwortlichen Behörden „So gingen seinerzeit die Nazis vor“


Bayern (kath.net / news.stjosef.at)
Die "Schulschwestern Unserer Lieben Frau in Auerbach" (Oberpfalz) stehen seit einigen Monaten im Mittelpunkt eines einseitigen Medieninteresses: Mit Ende des Schuljahres 2001/2002 geben sie Leitung und Unterricht in der Realschule Auerbach auf. Zu diesem Schritt wurden sie veranlasst, weil die Stadt und der Landkreis auf Druck des bayrischen Kultusministeriums verlangten, die Schulleitung zu ersetzen sowie eine Lehrkraft vom Unterricht zu entlassen. Der Orden sieht diese Forderungen als nicht gerechtfertigt an und zieht nun die Konsequenzen. Der Hintergrund: Die Schwestern tragen bestimmte Inhalte des Sexualkunde-Unterrichts nicht mit und hatten deshalb Teile von Schulbüchern "zensuriert". Der Widerspruch dagegen war äußerst heftig.
Nach dem Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, stellt sich nun ein weiterer österreichischer Bischof hinter die „Auerbacher Schulschwestern“, die übrigens zu den wenigen Ordensgemeinschaften gehören, die einen relativ starken Zuwachs haben.

Aufgrund der Brisanz des Inhaltes veröffentlicht KATH.NET den Leserbrief von Erzbischof Georg Eder auszugsweise:

Was man in den letzten Wochen aus dem katholischen Bayern hörte – ich meine das Drama um die Auerbacher Schulschwestern -, lässt den Außenstehenden (aber nicht Unwissenden) zunächst ungläubig erstarren und dann sehr nachdenklich werden.
Anzeige – Entfernung der Schulleitung – Verordnung – Verbannung des Ordens – Beschlagnahmung der Gebäude. So gingen seinerzeit die Nazis vor, wenn es darum ging, den Einfluss der Kirche auf Kinder und Jugend zu brechen. Wie sich die Methoden gleichen! Einzig die Akteure ändern sich.

Ich möchte einmal nachfragen, wie es in unserem Nachbarland um die Gewissensfreiheit bestellt ist. Wenn sich die Schwestern - und das weiß ich aus erster Quelle – im Gewissen verantwortlich fühlten, im Sexualkundeunterricht einmal nicht dem säkularisierten Staat, sondern der Lehre der Kirche zu folgen, in deren Dienst sie stehen – wie ist das zu beurteilen?...

Zur Verbindung mit dem Engelwerk, das ich aufgrund einiger Erfahrung gut genug kenne: Die Schwestern haben mit dem Opus Angelorum nicht das Geringste zu tun, das kann ich bezeugen. Wenn man aber das Engelwerk zu den Sekten rechnet, ist das eine Diffamierung. Die Vertreter des Opus Angelorum haben 1993 die Entscheidung der Glaubenskongregation angenommen und auch durchgeführt. Der Akt ist geschlossen.

Bleibt noch die – zu Recht umstrittene – Sexualaufklärung in den Schulen. Hierzulande wird sie projekthaft schon in den Kindergarten verlegt, mit dem Hinweis, dass man so die Kinder vor dem Missbrauch besser schützen könne. Ich frage mich: Wenn der sexuelle Missbrauch – und das ist statistisch erwiesen – zum allergrößten Teil durch die eigenen Väter und „Onkel“ erfolgt, wie kann sich ein „aufgeklärtes“ Kind besser vor Männerarmen schützen als ein nicht aufgeklärtes? F. W. Foerster sagte einmal, dass die Aufklärung weit mehr Zunder bringt, als die beste moralische Rede löschen kann. (Im Übrigen haben hier offensichtlich auch die lokalen und zentralen Instanzen der Kirche versagt).

Ich fordere das staatliche Schulamt auf, das schwere Unrecht, das den Schulschwestern angetan wurde, gutzumachen und in Zukunft auch das Elternrecht und die Gewissensfreiheit aller – der Eltern, der Kinder und der Lehrer – zu respektieren.
(Georg Eder, Erzbischof von Salzburg)



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