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Das Leben in mir

25. Juni 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Ein neuer Film setzt neue Akzente in der Mein-Bauch-gehört-mir - Diskussion und ist eine gelungene Antwort auf die Kultur des Todes. Von Franziskus von Ritter-Groenesteyn.


München (www.kath.net) In Zeiten, wo wir weltweit mit 46 Millionen Abtreibungen pro Jahr leben müssen – besser man spricht von 46 Millionen ausgelöschter pränataler Kinderleben - und der Umgang damit in den Medien und der Politik zur Alltäglichkeit verharmlost wird, wirkt ein Film, wie „Leben in mir“ wie eine Oase der Wahrheit in einer Wüste aus Lüge und Verdrängung.

Dies ist ein wichtiger Film, ist er doch ein unaufdringliches aber dafür umso eindringlicheres Plädoyer für eine Kultur des Lebens, wie sie von Papst Johannes Paul II. immer wieder propagiert wurde. Da wirkt es schon fast wie ein celestiales Augenzwinkern, wenn die Hauptfigur, Eva, mit derselben Schauspielerin besetzt wird, wie in der erst kürzlich im Fernsehen ausgestrahlten Wojtyla-Biografie „Karol – Ein Mann der Papst wurde“.

Für das aus der Modebranche kommende Model Malgosia Bela war die Eva in das „Leben in mir“ ihre erste Filmrolle überhaupt. Es ist ihrem intensiven Mienenspiel zu verdanken, dass sie bereits ein Jahr später die Rolle von Karols Freundin angetragen bekam.

„Leben in mir“ ist der zweite Spielfilm der auch in Amerika bekannten jungen polnischen Regisseurin Malgosia Szumowska – laut Time Magazin „a person to watch“. Er handelt von der 22-jährigen Eva die sich plötzlich mit einer ungewollten Schwangerschaft konfrontiert sieht und sich eigentlich noch zu jung fühlt, um die Mutterrolle zu übernehmen.

Szumowska: „Alles begann damit, dass ich eine Radiosendung hörte, worin es darum ging, dass ein Embryo im Bauch der Mutter bereits hören kann.“ Sie entwarf ein Drehbuch, gab es ihrer Mutter zum Lesen – eine bekannte polnische Schriftstellerin, Dorota Terakowska – und der gefiel es so gut, dass sie daraus parallel zur Entstehung des Films den Bestsellerroman „Ono“ schrieb.

Der Film, der sich ganz den großen Themen von Leben und Tod widmet, entzieht sich in seinem fragmentarischen Erzählstil der gewohnten klassischen Drehbuch-Dramaturgie. Es sind vielmehr Bildkompositionen, sie bewegen sich im Rhythmus sanfter, schöner Musik und man erspürt ihre christliche Struktur.

Man begreift das „Leben in mir“ aber erst dann richtig, wenn man sich den Ansatz der Regisseurin zu eigen macht: „Für mich ist die Idee eines Films das Wichtigste. Die Handlung, die Geschichte kommt immer erst an zweiter Stelle.“ In der Tat umgibt die geführten Dialoge und Bildschnitte manchmal ein Geheimnis, das nur die Figuren zu kennen scheinen und das dem Zuschauer allenfalls erahnbar wird. Dies tut dem Film aber kaum einen Abbruch.

Ist es nur ein Windstoß der am Anfang des Filmes die Fenster zu Evas Leben aufstößt, und dem sich Eva bewusst entzieht, in dem sie es wieder schließt, oder ist es Ruach, der Geist Gottes, der Wind, der weht wo er will, der ihr Leben verändern will? Ist der junge Junkie Michal, der sie auf dem Weg zur Abtreibung beklaut, mehr als nur ein ärgerlicher Zufall, oder ist er nicht vielmehr ein Glücksfall, weil ihr nun das Geld zur Abtreibung fehlt und sich so Eva für das Neue in ihrem Leben öffnen kann, indem sie erstmals richtig hinhört.

So hört sie, wie im Nebenzimmer eine werdende Mutter lacht und sich an ihrem Baby erfreut, mit ihm redet, als wäre es schon geboren. Eine der schönsten Szenen, wenn sich auf Höhe von Evas Bauch das Ultraschallbild des anderen Embryos spiegelt. Ist es nur der Zufall, wenn gleich darauf anderswo ihr weiser Vater auf ihre Frage, „Wann beginnt das Leben?“ antwortet „Sobald der Mensch hören kann“? Eva entschließt sich mit ihrem Kind zu reden und sie stößt das Fenster zum Leben weit auf.

„Es“, wie Eva ihr im Mutterleib heranwachsendes Kind zärtlich nennt, beginnt im Rhythmus von Evas Tag zu pulsieren und schenkt ihr einen tieferen Sinn fürs Dasein im Hier und Jetzt. Sind es anfangs noch unbeholfene Sprechversuche, so entwickelt sich Evas Beziehung zu ihrem Kind mehr und mehr zu einer tiefen Liebe, getragen von nonverbaler pränataler Kommunikation: „Gib mir ein Zeichen, dass du da bist. ... Ich finde es so wunderschön dich zu spüren.“

Das Ungeborene zu schützen und zu verteidigen wird ihr zur Selbstverständlichkeit, etwa wenn Eva auf das von der konsultierten Ärztin achtlos ausgesprochene „ Sie könnten das Kind verlieren.“ entrüstet kontert „Aber es kann Sie doch hören!“

Auch wenn der Glaube nie zur Sprache kommt, er ist doch gegenwärtig in den Bildern und Gesichtern; etwa wenn sich Mönche im Vorbeigehen vor dem verborgenen Leben im Mutterleib verneigen; etwa wenn Andrej Rublews Ikone der Dreifaltigkeit zum Urgrund wird, auf dem Fotos, tägliche Schnappschüsse des Lebens, zu liegen kommen.

Oder, wenn Eva eintaucht in das Wasser eines Sees, sich dabei an einem treibenden Baumstamm in einer Weise festhält, die einen unwillkürlich an den Querbalken des Kreuzes Christi denken lässt. Und so verwundert es auch nicht, wenn sie sich an eben diesem Querbalken festhält um Michal leidenschaftlich zu küssen. Der Glaube an die Auferstehung klingt an, wenn Evas Vater die Existenz des Todes leugnet, weil dieser nichts anderes sei als „ein großer Sprung in die unendliche Liebe“.

Und selbst wenn Eva auf das Leben ihres Kindes einen Meineid schwört, so entbehrt dies dennoch nicht christlicher Werte, denn sie tut dies aus Liebe zu ihrer Freundin Yvona, einer ehemaligen Prostituierten, deren früheres Leben durch eine böswillige Indiskretion zum alles vernichtenden Stolperstein für ihre soeben glücklich geschlossene Ehe zu werden droht.

„Das Leben in mir“ setzt neue, willkommene Akzente in der Mein-Bauch-gehört-mir-Diskussion und ist eine gelungene Antwort auf die Kultur des Todes. Der Film kommt im Verleih der Pandora Film in den deutschen Großstädten (leider zunächst nur) mit 20 Kopien am 29. Juni in die Kinos. Ob der Film auch in Österreich zu sehen sein wird, ist noch offen.



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