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„Maria ist eine historische Gestalt, eine für Gott unendlich offene Person, eine Tochter Israels“

vor 18 Minuten in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Maria nimmt uns an der Hand und führt uns zu den Ursprüngen unseres Heils und zum Herzen unseres Glaubens: Sie, die erste Jüngerin und Mutter des Herrn Jesus war.“ Predigt zu Mariä Geburt von Gerhard Kardinal Müller


Rom (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Predigt von Gerhard Kardinal Müller vom 8.9.2026 zum Fest Mariä Geburt in voller Länge in eigener Übersetzung:

„Selig bist du, o Jungfrau Maria, und allen Lobes würdig: denn aus dir ist hervorgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott.“ Heute feiert die Kirche die Geburt der Jungfrau Maria, der Mutter Jesu – des universellen Erlösers der Menschheit und des Sohnes des ewigen Vaters.

Maria geht Jesus voraus, so wie die Morgenröte den Aufgang der Sonne ankündigt.

Neun Monate vor ihrer Geburt – nach ihrer Empfängnis durch ihre Eltern Joachim und Anna – feiert die Kirche das Hochfest der Empfängnis Mariens ohne Erbsünde; ein Zustand, in dem sie im Hinblick auf die Verdienste des Erlösers, ihres Sohnes, bereits bewahrt worden war. Tatsächlich konnte Maria ihr „Fiat“ auf die Botschaft des Engels Gabriel hin nur durch die Gnade der Erlösung aussprechen – indem sie zustimmte, dass das ewige Wort des Vaters aus ihrem jungfräulichen Schoß die menschliche Natur, Leib und Seele, annehmen sollte. So ist sie als Mutter des Herrn – durch ihren Glauben – zugleich auch die Mutter der Gläubigen, die gemeinsam mit Christus, ihrem Haupt, die Kirche des dreifaltigen Gottes bilden.

Maria ist daher von so großer Bedeutung in der Heilsgeschichte sowie im gegenwärtigen Leben der Kirche und im Alltag eines jeden gläubigen Katholiken.

Dies liegt gerade daran, dass Maria in der Heilsgeschichte die wichtigste Person nach Jesus ist – dem Sohn Gottes und dem einzigen Erlöser der Welt. Durch ihr „Ja“ – ihre gläubige und bereite Antwort auf die Botschaft des Engels – wurde sie zur Mutter des ewigen Sohnes Gottes, des Fleisch gewordenen Wortes: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38).


Gott, der Schöpfer – der reiner Geist und ewiges Leben ist –, wohnt durch den Heiligen Geist in der Seele eines Geschöpfes, Maria, die zur Mutter seines ewigen Sohnes wird, der dem Vater wesensgleich ist. Wir wissen, dass Jesus in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde, gemäß der Prophezeiung Jesajas, und dass sich seine Bestimmung in Jerusalem erfüllte – einem historischen Ort, der in Raum und Zeit existiert und gewiss kein mythologischer Ort ist. Er gab sein Leben auf Golgatha für das Heil der Welt hin. Dort ereignete sich die Auferstehung von den Toten, durch die Gott sich als der Gott des Lebens offenbarte. Christus, „der Sohn Marias“ (Mk 6,3), enthüllt das Geheimnis seiner Person und seiner Sendung mit den Worten: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh 11,25–26).

Maria ist eine historische Gestalt, eine für Gott unendlich offene Person, eine Tochter Israels. Sie lebt nun im Himmel und tritt für uns – die pilgernde Kirche – bei ihrem göttlichen Sohn, dem auferstandenen Herrn, ein. Doch was sie für Jesus ist und was sie bis heute für uns, die wir seine Kirche sind, bedeutet, lässt sich nicht durch mythologische Metaphern oder existentialistische, zeitlose Wahrheiten deuten.

Sie muss im Horizont des Heilsplans Gottes verstanden werden – eines Plans, den Er in Jesus Christus geschichtlich verwirklicht hat und den Er durch den in unsere Herzen ausgegossenen Heiligen Geist universalisiert und verinnerlicht.

Die Kirche – Braut und Leib Christi sowie Tempel des Heiligen Geistes – ist die sakramentale Gegenwart des Wortes Gottes, das in Maria unser Fleisch annahm und so sein Zelt unter uns aufschlug.

Genau dort vollzieht sich der größte Akt der Inklusion – um einen populären Begriff zu verwenden – in der gesamten Geschichte. Wir werden Bürger der Stadt Gottes und Freunde seines Sohnes Jesus Christus.

„In ihm fügt sich der ganze Bau zusammen und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn; in ihm werdet auch ihr durch den Geist zu einer Wohnung Gottes aufgebaut.“ (Eph 4,18–22)

Maria war bereit, ihr ganzes menschliches Leben Gott hinzugeben. So wird sie auch unsere Mutter, denn aus ihrem Glauben sind wir als Kinder Gottes und als Brüder und Schwestern Jesu geboren worden. Sie führt uns in die Nachfolge ein, da sie von seiner Empfängnis und Geburt an bis hin nach Golgatha bei Jesus war – dort, wo der Schmerz über das Leiden ihres Sohnes ihre Seele wie ein Schwert durchdrang (vgl. Lk 2,35). Und Maria befand sich inmitten der Gemeinschaft der Jünger Jesu – einer Gemeinschaft, die der Heilige Geist in die Kirche verwandelt, das Sakrament des Heils der Welt (Lumen Gentium 1; 48).

Maria ist das wahre Sinnbild und das konkrete Vorbild für die Erfüllung des Willens Gottes – jenes Gottes, den Jesus als „meinen himmlischen Vater“ bezeichnet und offenbart.

Elisabeth – die Mutter Johannes’ des Täufers, des Vorläufers des Messias – war es, die, erfüllt vom Heiligen Geist, mit lauter Stimme ausrief: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1,42–45).

Lassen wir uns also von Maria leiten – der unbefleckten Jungfrau und in den Himmel aufgenommenen Mutter Gottes –, die bis heute eine sichere Wegweiserin in der Kirche ist und uns zu den Höhen der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit führt. Maria nimmt uns an der Hand und führt uns zu den Ursprüngen unseres Heils und zum Herzen unseres Glaubens: Sie, die erste Jüngerin und Mutter des Herrn Jesus war, wurde durch ihren Gehorsam zur Mutter der Gläubigen, zu unserer Mutter und zur Mutter des neuen Volkes der Jünger des Herrn.

Beten wir also gemeinsam mit der ganzen Kirche: „Gott, gütiger Vater, der du durch die Geburt der seligen Jungfrau Maria den Anfang des Heils für die Welt gewirkt hast: Gib uns, dass wir in der Liebe wachsen und im Glauben ausharren, auf dass wir in ihr das Zeichen unserer Hoffnung erkennen.“ Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Archivbild: Ikonische Darstellung von Maria als Kind mit ihren Eltern Joachim und Anna


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