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Kardinal Schönborn: "Wenn sich bei uns so viele Menschen vom Christentum verabschieden..."

12. Februar 2026 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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"Wer die Kinder hat, hat die Zukunft. Es ist so einfach. Es herrscht Aufregung bei uns, dass es so viele Muslime gibt... da muss ich fragen: Warum gibt es die? Weil sie halt Kinder haben. Auch die Christen haben Kinder, aber die anderen haben mehr"


Wien (kath.net/KAP) Spannungen zwischen den Religionen gilt es mit Gespräch und respektvollem Austausch statt mit Panikmache zu begegnen: Das hat Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview mit "Zwischenbrücken" (Dienstag) hervorgehoben. Das Wiener Onlinemedium hat sich unter anderem der Berichterstattung aus dem Gemeindebezirk Brigittenau verschrieben, wo der Kardinal seit seiner Emeritierung als Erzbischof vor einem Jahr lebt - und in dem es einen hohen muslimischen Bevölkerungsanteil gibt. Für das Zusammenleben sei der Dialog der Kulturen und Religionen unverzichtbar, betonte Schönborn diesbezüglich.

Zwar teile auch er die Sorge der zunehmenden muslimischen Bevölkerung im vorher "großmehrheitlich christlichen" Europa, sagte der Kardinal, war jedoch zugleich um Differenzierung bemüht: "Wenn sich bei uns so viele Menschen vom Christentum verabschieden, dürfen sie sich nicht aufregen darüber, dass eine andere Religion im Wachsen ist und es Menschen gibt, die ihre Religion ernst nehmen." Auch die Demografie dürfe hier nicht vergessen werden: "Wer die Kinder hat, hat die Zukunft. Es ist so einfach." Zwar hätten auch die Christen Kinder, "aber die anderen haben mehr". 


Diese gesellschaftlichen Veränderungen dürften kein Hindernis im alltäglichen Zusammenleben sein, unterstrich der Kardinal: "Atmen Muslime eine andere Luft als Christen oder Atheisten? Warum sollte es uns nicht gelingen, zusammenzuleben? Natürlich ist das herausfordernd. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass es geht. Leider hat die Geschichte aber auch gezeigt, dass man Zusammenleben zerstören kann." Panikmache sei der falsche Weg, wie etwa 2013, als beim Bau des islamischen Zentrums in der Dammstraße in der Brigittenau Politiker mit dem Kreuz gegen Muslime marschiert waren. Er habe damals "gegen diese Proteste protestiert", erinnerte sich Schönborn zurück.

Freilich gebe es radikale Strömungen im Islam. Diese machten auch vielen Muslimen Angst und "ich fühle mich auf deren Seite", sagte der Kardinal. "Wir leben in derselben Stadt, wir haben dieselben Sorgen." Oftmals beruhe die Angst vor dem Islam auf Missverständnissen und Vorurteilen. Wichtig sei es daher, sich zuerst nicht als Angehörige von Religionen, sondern einfach als Menschen zu begegnen, "mit Respekt, mit Wohlwollen und mit Toleranz für die Unterschiede. Das erwarten wir von den anderen. Das dürfen wir aber auch selber nicht ausblenden." 

Über seinen nunmehrigen Alltag in einer kleinen Wohnung des Klosters der "Kleinen Schwestern vom Lamm" berichtete der emeritierte Wiener Erzbischof, dieser sei "sicherlich ruhiger" als zuvor, wenngleich es weiterhin noch viele Einladungen, Gespräche und gelegentlich Interviews und Reisen gebe. Er habe die Einladung der Schwestern dorthin angenommen, da er gerne in einer Gemeinschaft lebe und "nicht zum Eremiten geboren" sei. Auch habe er schon lange den Wunsch verspürt, "weg vom Zentrum" zu leben. Die Brigittenau sei ein "sympathischer" und "lebendiger" Bezirk und "besser als ihr Ruf", so der Kardinal. Er habe bereits viele Menschen kennengelernt und fühle sich dort "richtig".

(Interview im Wortlaut: https://www.zwischenbruecken.at/report/schoenborn-der-kardinal-vom-5a-brigittenau/)

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
 (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Kardinal Schönborn (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub


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