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„Ich hatte wirklich nicht mit Grönland gerechnet“

vor 6 Stunden in Interview, keine Lesermeinung
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Inmitten riesiger Eisberge begreift man, dass man ein Mensch ist und nicht Gott: Pater Tomaž Majcen, Leiter von Grönlands einziger katholischen Pfarrgemeinde, im „Aleteia“-Interview.


Nuuk (kath.net / pk) Grönland hat etwa 57.000 Einwohner, von denen nur eine Handvoll katholisch sind. Die einzige katholische Gemeinde – in der Hauptstadt Nuuk – wird von Pater Tomaž Majcen geleitet, einem Franziskaner, der auch als Missionar in Dänemark tätig ist. Er verbringt mehrmals im Jahr jeweils drei Wochen in Grönland. Auch andere Priester besuchen die örtlichen Katholiken, sodass der Gemeinde fast immer mindestens ein katholischer Priester zur Verfügung steht.

„Wissen Sie, Grönland stand nicht gerade auf meiner Wunschliste“, verrät Pater Tomaž, ein gebürtiger Slowene, in der slowenischen Ausgabe von „Aleteia“. „Als meine Oberen mich fragten, ob ich nach Dänemark gehen würde, stellte ich mir Kopenhagen vor, eine schöne alte Stadt, Kultur ... Ich hatte wirklich nicht mit Grönland gerechnet!“

Aber das Leben eines Missionars sei „voller Überraschungen“. Er begann 2017 in Dänemark, dann ergab sich die Gelegenheit für Grönland. „Im Jahr 2023 wurde ich Pfarrer der Christ-König-Gemeinde in Nuuk. Das ist schon etwas Besonderes ... Die größte Insel der Welt hat nur eine katholische Gemeinde! Und ich, ein kleiner Slowene, wurde ihr Pfarrer. Das ist Gottes Werk, nicht meines.“

„Zuerst dachte ich, ich wüsste, was Kälte ist“, beschreibt der Pater seine ersten Erfahrungen dort. „Schließlich haben wir in Slowenien auch Winter, nicht wahr? … Aber Grönland ist etwas anderes! Es ist eine Kälte, die einem in die Knochen geht, ein Wind, der einen fast wegweht. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Menschen gewöhnen sich an alles, wenn sie müssen. Diese Stille, wenn alles mit Schnee bedeckt ist, diese Reinheit ... Das ist etwas Besonderes.“

„Manchmal, wenn ich am Ufer stehe und die im Meer treibenden Eisberge betrachte, sage ich mir: „Wie glücklich du bist, Gottes Kunstwerke sehen zu dürfen!“ Dieses Eis ist Tausende von Jahren alt, diese Farben – Blau, Türkis, Weiß – es ist, als hätte Gott selbst es gemalt. Und in diesen Momenten vergisst man die Kälte, man vergisst den Wind. Man sieht nur noch die Schönheit. Grönland ist mir ans Herz gewachsen. Trotz der Kälte und vor allem wegen der wunderschönen Nordlichter.“


In Grönland gebe es nur sehr wenige Katholiken, erzählt er. „Die meisten Menschen gehören der lutherischen Kirche an, die hier seit Jahrhunderten präsent ist. Unsere Gemeinde in Nuuk hat etwa 500 Mitglieder, von denen die meisten Einwanderer sind – Filipinos, Vietnamesen, Europäer. Es gibt nur sehr wenige grönländische Katholiken.“

Diese leben ihren Glauben „auf eine sehr einfache und authentische Weise“. Es gebe kein Traditionschristentum wie in anderen Ländern, etwa seinem Heimatland Slowenien. „Hier muss man sich für seinen Glauben entscheiden. Niemand ist katholisch, nur weil seine Eltern es waren. Man ist katholisch, weil man sich dafür entschieden hat. Und das ist beeindruckend! Diese Menschen sind hier, weil sie es wollen, nicht aus Gewohnheit.“

Grönländer seien „keine Menschen vieler Worte. Sie sind nicht wie wir Slowenen, die gerne reden und sich umarmen ... Aber sie sind trotzdem warmherzig und haben mich sehr nett aufgenommen. Grönländer sind Menschen der Stille, Menschen der Natur. Sie leben in einer Umgebung, in der es mehr Stille als Worte gibt, mehr Raum als Menschen. Und diese Stille hat sie geprägt... Ihre Herzlichkeit ist still und tief. Und was habe ich gelernt? Dass Stille nicht der Feind ist. Gott ist in der Stille. Die Grönländer wissen das.“

Wie schauen die Freizeit-Aktivitäten des Priesters aus, wenn es sich mit andere jungen Leuten trifft? Aktivitäten wie Fußballspielen seien natürlich nicht möglich. „Hier gibt es andere Aktivitäten. Manchmal machen wir mit jungen Leuten Ausflüge zum Fjord, beobachten schwimmende Robben, manchmal sehen wir sogar Wale. Das ist ihre Natur, ihre Welt. Und dort, am Wasser, am Eis, reden wir über das Leben, über Gott, über alles. Und natürlich trinken wir – keinen „Kooka”, sondern heiße Schokolade oder Kaffee. Wir sitzen zusammen, trinken, lachen. Das ist ihre Art, Kontakte zu knüpfen.“

Auf die Frage nach seinen Erfahrungen als Missionar unter Dänen meinte Pater Tomaž, der Kontrast zu seinem Heimatland Slowenien sei wirklich groß. „Dänemark ist eines der am stärksten säkularisierten Länder der Welt. Die lutherische Kirche ist dort eher eine kulturelle Institution: Die Menschen heiraten dort, lassen ihre Kinder taufen und kommen dann erst zur Beerdigung wieder. So ist das eben.“

Für Katholiken in Kopenhagen sei das anders. „Wir sind eine Minderheit, nur zwei Prozent. Aber wir sind eine lebendige Kirche! Die Menschen kommen in die Kirche, weil sie es wollen, nicht wegen der Tradition. Und das ist schön zu sehen.“

Dies habe ihm persönlich eine „neue Perspektive“ gegeben. „In Slowenien nehmen wir den Glauben manchmal als selbstverständlich hin. Natürlich sind wir Katholiken, natürlich haben wir ein Kreuz an der Wand ... Aber [in Dänemark] muss man sich entscheiden. Und wenn sie sich für den Glauben entscheiden, leben sie ihn tiefer und bewusster.“

Ihn selber habe seine Zeit im Norden verändert. „Erstens habe ich Demut gelernt. Wenn man mitten in Grönland steht, inmitten dieser riesigen Eisberge, dieser endlosen weißen Landschaften, fühlt man sich so klein! Man erinnert sich daran, dass man ein Mensch ist, nicht Gott.“

„Zweitens habe ich Stille gelernt. In der Stille hört man Gott. In der Stille hört man sein eigenes Herz. Und das ist nicht einfach! Manchmal möchte man lieber Musik hören, sein Handy benutzen, irgendetwas, um der Stille zu entfliehen. Aber hier muss man sich selbst, Gott und der Wahrheit stellen.

Drittens habe ich Geduld gelernt. Hier läuft alles langsam. Das Wetter kann sich schlagartig ändern, und dann sitzt man drei Tage lang im Haus fest. Die Menschen kommen, wenn sie kommen; die Zeit spielt mehr oder weniger keine Rolle. Und man lernt zu warten, im Moment präsent zu sein.

Und viertens habe ich gelernt, dankbar zu sein: für ein warmes Zimmer, für die Sonne, wenn sie scheint, für jeden Menschen, der zur Messe kommt, für jedes Lächeln. Hier kann man nichts als selbstverständlich ansehen.“

Das Leben im Norden sei „ein Geschenk. Manchmal ein schwieriges Geschenk, ein kaltes Geschenk, aber dennoch ein Geschenk. Ich habe gelernt, dass Gott überall wirkt: in der Kälte und in der Hitze, in der Stille und in der Musik, unter Slowenen und Grönländern. Seine Liebe kennt keine Grenzen.

Ich lade Sie ein, für Frieden und Respekt vor der Souveränität zu beten und sich gemeinsam mit uns für die Schöpfung einzusetzen, insbesondere für unsere empfindliche arktische Umwelt, die eines der atemberaubendsten und zugleich verletzlichsten Meisterwerke Gottes ist. Grönland heißt Sie willkommen – mit Stille, mit Schnee und mit Hoffnung. Gott segne Sie und herzliche Grüße aus Nuuk.“


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