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Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende

25. Juli 2026 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
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Georg Gänswein war Präfekt des Päpstlichen Hauses. Später überwarf er sich mit Franziskus. Jetzt wird er 70 und ist Nuntius in einer heiklen Region - Porträt von Kathpress-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Es hat lange gedauert, bis im Vatikan die Stelle neu besetzt wurde, die der deutsche Erzbischof Georg Gänswein viele Jahre innehatte. Erst am 30. März 2026 ernannte Papst Leo XIV. den kanadischen Erzbischof und Vatikan-Diplomaten Petar Rajic zum neuen Präfekten des Päpstlichen Hauses. Zuvor war die Stelle dessen, der unter anderem höchstrangige Staatsgäste zum Papst geleitet, jahrelang offiziell vakant.

Erzbischof Gänswein, der dieses Amt zwischen 2012 und 2020 stilprägend mit Charme und Weltgewandtheit ausfüllte, ist inzwischen seinerseits Vatikan-Diplomat. Seit zwei Jahren vertritt er den Heiligen Stuhl in einem der außenpolitisch heikelsten Gebiete Europas, in den drei baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland. In dieser Funktion begeht der gebürtige Schwarzwälder am 30. Juli seinen 70. Geburtstag.

"Eine bittere und schmerzhafte Erfahrung"

Seine heutige Aufgabe hat ihm noch Papst Franziskus zugewiesen - nachdem die beiden so unterschiedlichen Kirchenmänner einen über Jahre angestauten Konflikt überwunden hatten. Zuvor hatte Gänswein eine vom Papst auferlegte einjährige Auszeit in der badischen Heimat geduldig ertragen. "Für mich war das eine bittere und schmerzhafte Erfahrung", sagte Gänswein Anfang Juli in einem Interview mit Kathpress. "Es fühlte sich an, als würde man den Hund vom Hof jagen, ohne wirklich zu erfahren, warum."


Wie es zu den Spannungen zwischen Gänswein und Papst Franziskus kam, ist oft erzählt und beschrieben worden. Gleich zweimal ging es etwa um Buchveröffentlichungen, die der Argentinier missbilligte und in denen der Deutsche eine unglückliche Rolle spielte. Doch der eigentliche Grund für das Knirschen im Getriebe war wohl die Tatsache, dass der bei vielen Medienleuten beliebte deutsche Geistliche über Jahre hinweg ein Diener zweier Herren war. Und eine solche Konstellation wird schon in der Bibel als unmöglich beschrieben.

In der von Papst Benedikt XVI. durch seinen frühzeitigen Rücktritt begründeten "Ära zweier Päpste" war Gänsweins Rolle objektiv keine einfache. Und dann füllte der promovierte Kirchenrechtler diese Rolle mitunter so kraftvoll und kreativ aus, dass es dem Papst aus Argentinien gegen den Strich ging - und dieser sich veranlasst sah, dem Deutschen die Tugend der Bescheidenheit näherzubringen.

Gänswein-Verhältnis zu Leo XIV. unbekannt

Ein Produkt jener spannungsreichen Zeit ist Gänsweins Bestseller "Nichts als die Wahrheit", in dem er das Nebeneinander von amtierendem und emeritiertem Papst anschaulich schildert. Für die spätere Kirchengeschichte hat es den großen Wert, dass jeder Papst, der künftig mit einem Rücktritt liebäugelt, darin nachlesen kann, welche möglichen Auswirkungen ein solcher Schritt nach sich zieht.

Inzwischen haben beide Päpste, unter denen Gänswein gleichzeitig diente, das Zeitliche gesegnet. Wenn der Vatikandiplomat nun in Interviews davon spricht, dass unter Papst Leo XIV. wieder "Normalität" in den Vatikan eingekehrt sei, meint er damit in erster Linie den eher papstgemäßen Regierungs- und Kommunikationsstil des Kirchenoberhaupts. Indirekt ruft er aber auch noch einmal in Erinnerung, wie schwierig das Nebeneinander von Benedikt und Franziskus als Konstruktion war.

Über das Verhältnis zwischen Gänswein und dem gleichaltrigen Papst aus Chicago ist bislang wenig bekannt. "Als das Konklave begann, hatte ich ihn überhaupt nicht auf meinem Zettel", gestand Gänswein. Die beiden sprachen im Dezember 2025 im Vatikan länger miteinander, danach war Gänswein voll des Lobes für seinen neuen Chef.

Zukunft bleibt ungewiss

Seither gab es vereinzelte Spekulationen, der einstige Papstsekretär könnte im amerikanischen Pontifikat noch ein letztes Mal nach Höherem streben. Er würde dann vielleicht bei den auf etlichen Leitungsstellen im Vatikan anstehenden Neubesetzungen eine herausragende Verwendung finden. Doch bislang fehlt für solche Gedankenspiele jegliche Bestätigung.

Andere Vatikanbeobachter mutmaßen, Gänswein könnte im kommenden Sommer nach drei Jahren Diplomatendienst im Baltikum zum Ende seiner Karriere in eine der "großen" und glanzvollen Apostolischen Nuntiaturen wechseln. Passend wäre etwa die in Paris. Dort erreicht der jetzige Stelleninhaber, Erzbischof Celestino Migliore, am 1. Juli 2027 die bischöfliche Altersgrenze von 75 Jahren. Und anders als Litauisch müsste der sprachbegabte Gänswein das Französische nicht erst erlernen. Es ist eine der vier Fremdsprachen, die er schon lange gut beherrscht.

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten
Foto oben (c) kath.net/Petra Lorleberg


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Lesermeinungen

 lamwool 28. Juli 2026 
 

Danke

@Vincentinus für Ihre Antwort. Nur schade, dass wir beide die Einzigen sind, welche davon reden. Vielleicht ist es 'zu heikel' hier.


0
 
 Vincentinus 26. Juli 2026 
 

@lamwool

Das ist ein sehr spannendes Thema! Das Kirchenrecht ist dazu sehr eindeutig. Und Benedikt XVI ist höchst korrekt (wie bei ihm nicht anders zu erwarten war) zurückgetreten. Was nach der Wahl von Papst Franziskus geschehen ist, ist leidenschaftslos zu hinterfragen und für allfällige Fälle konkret und bestimmt zu regeln! Franziskus hat das wohl aus Respekt vor seinem Vorgänger nicht getan. Das ist jetzt aber dringend zu erledigen!


0
 
 chorbisch 26. Juli 2026 
 

@ golden

Nachdem Erzbischof Gänswein sich vermutlich in seinem Arbeitsfeld eingearbeitet und Kontakte geknüpft hat, wäre es aus Sicht des Vatikan eventuell keine gute Idee, ihn von dort abzuberufen.

Das Baltikum ist ein politisch heikles Gebiet, warum sollte man gerade in so einer Lage den Nuntius austauschen.

Womit ich nicht sagen will, dass der Erzbischof in Paris oder in einem deutschen Bistum nicht ebenso segensreich wirken könnte. Aber der Vatikan muss eben die Gesamtkirche und die ganze Welt im Auge behalten, nicht nur die Situation in Deutschland.

Wie @girsberg74 schon geschrieben hat, der Aufsatz ist wohl eher Ausdruck der Hoffnungen und Wünsche Herrn Ring-Eifels als eine Darstellung der künftigen Entwicklung des Weges von EB Gänswein.


1
 
 golden 26. Juli 2026 
 

Auch überall, wo deutsch gesprochen wird

,wäre Ebf. Gänswein bitter nötig !
...München...


0
 
 lamwool 25. Juli 2026 
 

Rücktritt inwiefern

Ich vermisse hier Meinungen zur Problematik einer 'Aera zweier Päpste'. Was sagt das Kirchenrecht darüber aus, wenn ein Papst zurücktritt? . Soll der Zurückgetretene sich noch mit der aktuellen Tätigkeit des neuen Papstes befassen. Wie Figura zeigt, sind da Probleme unvermeidlich.
Stichwort (Z^hier geschrieben): 'Diener seines/zweier Herren'?
Würde mich sehr (!!) interessieren.


0
 
 Hope F. 25. Juli 2026 
 

Alle guten Wünsche

Ich wünsche Erzbischof Gänswein Gesundheit und Gottes reichen Segen für das neue Lebensjahr. Es würde mich sehr freuen, wenn er unter Papst Leo XIV. noch einmal ein höheres Amt begleiten würde. Als treuer "Diener" von Papst Benedikt hätte er es verdient.


3
 
 SalvatoreMio 25. Juli 2026 
 

Der 30. Juli bis zum 70. Geburtstag

ist nicht mehr weit. Viele andere Bürger genießen dann längst den Ruhestand, und auch ein Priester hat nur 2 Arme und zwei Beine. Erzbischof Gänswein ist sprachbegabt. Schön, aber im Baltikum eine hochanspruchsvolle Aufgabe übernehmen und gleichzeitig mit einer ganz anderen Sprache umgehen - nicht nur für den Hausgebrauch - das ist schon etwas! (Ich meine, grundsätzlich denken wir oft zu wenig darüber nach, wie Menschen sich füreinander einsetzen - auf welchem Sektor auch immer!). Ich wünsche dem Herrn Erzbischof reichen Segen für die kommende Zeit!


2
 
 physicus 25. Juli 2026 
 

Herzlichen Glückwunsch an Erzbischof Gänswein und Gottes reichen Segen für viele weitere Jahre fruchtbaren Wirkens!


5
 
 girsberg74 25. Juli 2026 
 

Mutmaßungen über ungelegte Eier.

Wozu?


3
 

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