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Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft

21. Jänner 2026 in Chronik, 5 Lesermeinungen
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Wiederholte Äußerungen von US-Präsident Trump, der Interesse an einem Kauf von Grönland bekundet hat, haben die Insel und ihre Bewohner in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt.


Nuuk (kath.net/jg)
Inmitten wachsender geopolitischer Spannungen um die Insel Grönland melden sich immer mehr Einheimische zu Wort. Sie werfen Dänemark jahrzehntelange koloniale Missstände, Zwangssterilisationen, Kindesentführungen und wirtschaftliche Ausbeutung vor. „Sie haben unsere Zukunft gestohlen“, sagt Amarok Petersen, eine Betroffene der Zwangsmaßnahmen, im Gespräch mit der New York Post.

Von den 1960er bis in die 1990er Jahre wurden Tausenden grönländischen Mädchen und Frauen – häufig ohne ihr Wissen oder Einverständnis – Spiralen (IUDs) eingesetzt, um die Geburtenrate der indigenen Bevölkerung zu senken. Amarok Petersen erfuhr erst mit 27 Jahren, dass ihr im Alter von 13 Jahren ohne ihr Wissen eine solche Spirale eingesetzt worden war. Später wurden ihr sogar die Eileiter entfernt. „Ich werde niemals Kinder haben“, sagt sie. „Diese Entscheidung wurde mir genommen.“

Erst 2025 entschuldigte sich die dänische Regierung offiziell für die Zwangssterilisationen und bot den Opfern eine Entschädigung von etwa 46.000 US-Dollar an. Für viele Betroffene ist das jedoch bei Weitem nicht genug. „Sie haben Generationen zerstört und sagen jetzt: ‚Hier – sei still‘“, kritisiert Petersen.


Ein weiterer Kritikpunkt ist das sogenannte „Little Danes“-Experiment, welches in den 1950er bis 1970er Jahren durchgeführt wurde. Grönländische Kinder wurden gewaltsam von ihren Familien getrennt und zur Adoption oder Erziehung nach Dänemark gebracht – oft für immer. Viele Familien zerbrachen unwiderruflich. 

Neben den historischen Traumata klagen viele Grönländer über anhaltende soziale und wirtschaftliche Missstände. Die von Dänemark errichteten Wohnblocks, in denen die einheimische Bevölkerung untergebracht wurde, seien eng, veraltet und von Schimmelpilz befallen, berichtet Karen Hammeken Jensen. Die Mieten fressen den Großteil des Einkommens auf, Modernisierungen finden kaum statt.

Besonders bitter empfinden Fischer wie Elias Lunge die Situation in der Fischerei – dem wichtigsten Wirtschaftszweig der Insel: „Wir fangen den Kabeljau, er wird tiefgekühlt und ins Ausland verschifft, dort verarbeitet und für viel mehr Geld verkauft. Warum bleibt das Geld nicht hier?“, fragt er. Während Fischer vor Ort teilweise nur umgerechnet 1,86 Dollar pro Kilo erhalten, kostet derselbe Fisch auf dem lokalen Markt bis zu 12,50 Dollar.

Für viele Grönländer steht fest: Die aktuelle Form der Autonomie reicht nicht aus. „Grönland gehört den Grönländern“, sagt Amarok Petersen. „Aber in Wirklichkeit spricht Dänemark für uns. Dänemark entscheidet.“ Die Mehrheit der politischen Parteien auf der Insel strebt langfristig die vollständige Unabhängigkeit an – seit 2009 besteht sogar das gesetzliche Recht, ein entsprechendes Referendum abzuhalten. Uneinigkeit herrscht jedoch über den Zeitpunkt: Die Abhängigkeit von dänischen Zuschüssen, die etwa zwei Drittel des Staatshaushalts ausmachen, macht einen sofortigen Bruch für viele unrealistisch.

Die Debatte erhält durch die wiederholten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zusätzlich Brisanz, der Grönland kaufen oder unter US-Kontrolle bringen will – mit Verweis auf strategische Lage, Rohstoffe (insbesondere Seltene Erden) und Sicherheit in der Arktis. Dänemark und die grönländische Regierung betonen hingegen: „Grönland ist nicht zu verkaufen.“

Viele Grönländer lehnen einen Anschluss an die USA klar ab. Umfragen zeigen, dass nur etwa 6 Prozent der 56.000 Einwohner einen solchen Schritt befürworten. Stattdessen sehen einige in der aktuellen Zuspitzung paradoxerweise sogar eine Chance: „Zumindest stellt er die dänische Kontrolle infrage“, meint Amarok Petersen über Trump. „Diese Diskussion wurde vorher nie zugelassen.“

 


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