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Warum du alle Kekse gegessen hast

vor 7 Stunden in Familie, 2 Lesermeinungen
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Wir haben photogeshoppte Idealisierungen von uns selber und neigen dazu, unsere falschen Handlungen zu rechtfertigen. Ein Ausweg ist, Gott gegenüber ganz ehrlich zu werden.


Wien (kath.net / pk) Warum streiten wir so viel? Und warum ist es oft so schwierig, den anderen – und sich selbst – zu verstehen? Wir nehmen uns keine Zeit, wirklich zuzuhören und haben fixe Annahmen im Kopf, erklärt Michael Rennier in einem Beitrag auf „Aleteia“.

Die gleiche Dynamik findet sich auch in unserem inneren Monolog wieder - in den Dingen, die wir uns selbst sagen, in dem Selbstbild, das wir pflegen, in den Selbstrechtfertigungen, die wir verwenden, um uns besser zu fühlen. „Das Ergebnis ist das gleiche“, sagt Rennier. „Unsere innere „Konversation“ ist gestört, verwirrt durch Lügen und Halbwahrheiten.“

Ein Kind argumentiert beispielsweise, es sei in Ordnung, seinen Bruder zu schlagen, weil „er angefangen hat”. Der Mann in der Sitcom, der seine Taschen mit Zuckerpäckchen füllt, argumentiert, dass das Restaurant „will”, dass er sie alle mitnimmt. „Ich habe mir immer gesagt, dass es meinem Chef nichts ausmacht, wenn ich zu spät vom Mittagessen zurückkomme“, bekennt der Autor.

„Ich sage mir immer noch, dass ich auf der Autobahn zu schnell fahren darf, weil ,es alle anderen auch tun‘“, gibt er zu. „Ich rechtfertige meine Ungeduld damit, dass ich müde bin. Ich rechtfertige meine Müdigkeit mit Überarbeitung, obwohl sie in Wirklichkeit darauf zurückzuführen ist, dass ich lange ferngesehen habe. Ich tue so, als seien meine schlechten Taten in Ordnung und meine guten Taten heldenhaft.“


Oder, um es in ein Bild zu fassen. „Wenn man mir einen Buntstift geben und mich auffordern würde, ein Bild meiner Seele zu malen, wäre das Ergebnis ein Durcheinander aus Ungenauigkeiten und photogeshoppten Idealisierungen. Ich weiß ganz genau, dass sogar meine Texte, die Essays, Predigten und Bücher, in die ich mein Herzblut stecke, um transparent zu sein und authentische Verbindungen zu meinen Lesern herzustellen, von selbstrechtfertigenden Verzerrungen geprägt sind.“

Auch ein Blick in den Spiegel löst meist verzerrte Wahrnehmungen aus. Bei Männern gäbe es eher die Tendenz, ihr Aussehen zu überschätzen, vermutet Rennier. Frauen hingegen hätten einen viel kritischeren Blick auf sich selber. „Ich weiß nicht, ob diese Unterscheidung zwischen den Geschlechtern zutreffend ist, aber wer auch immer wir im Spiegel zu sehen glauben, es ist nicht die Realität.“

Der Autor erzählt eine kleine Episode aus seinem Alltag: „Vor nicht allzu langer Zeit schaute ich in den Spiegel und stellte in einem seltenen Moment der Ehrlichkeit fest, dass ich etwas zugenommen hatte. Meine unmittelbare Reaktion war Selbstrechtfertigung. Ich war verletzt und konnte nicht wie gewohnt joggen gehen. Es waren Ferien und ich musste all diese Kekse essen. Ich werde älter und es ist nur natürlich, dass ich zunehme, das hat nichts mit meiner Völlerei oder Faulheit zu tun.“

Letztlich sei diese Selbstrechtfertigung jedoch „eine Form des Lügens“, meint er. „Sie ist wie ein Zerrspiegel, der ein völlig anderes Bild zurückwirft.“ Die großen Heiligen haben das Problem erkannt. Der heilige Paulus fragte sich, warum er Dinge tat, die er nicht tun wollte, und warum er nicht die Dinge tat, die er tun wollte.  

Der heilige Augustinus verglich es damit, außerhalb seiner selbst zu schweben und nicht in der Lage zu sein, die Beweggründe seines eigenen Herzens genau zu diagnostizieren. Wenn alles von Selbstrechtfertigung überlagert ist, werden wir zu Rätseln, die unmöglich zu lösen sind.

„Ich bin kein großer Heiliger, aber jedes Mal, wenn ich mein Gewissen prüfe, erkenne ich das gleiche Problem. Ich kenne mich selbst kaum gut genug, um meine Sünden zu erkennen. Ich habe sie so lange verschleiert, dass es fast unmöglich ist, sie zu entwirren. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass langjährige Gewohnheiten eigentlich keine Sünden sind, dass meine Ungeduld und Arroganz gerechtfertigt sind und dass es die eigene Schuld der anderen ist, wenn sie sich durch mich beleidigt fühlen.“

Dies sei „eine Form der Selbsttäuschung, eine Lüge, deren Existenz ich kaum zugeben möchte. Ich rede mich heraus, bis ich sie vergessen habe. Ich vergesse, dass ich lüge, und beginne, die falschen Annahmen wirklich zu glauben. Ich fühle mich besser, habe aber völlig den Kontakt zu meinem wahren Ich verloren. Das ist der Preis der Lügen.“

Das Problem sei, dass man nicht mehr fähig sei, sich selbst zu verbessern oder zu verändern, „weil ich meine Fehler gar nicht richtig benennen kann. Anstatt ehrlich zu sein, möchte ich mein Gesicht wahren und Peinlichkeiten vermeiden.“ Irgendwann sei es jedoch genug. „Es ist Zeit, realistisch zu werden.“

Ein erster Tipp für alle, die aufhören wollen, ihre Handlungen zu rechtfertigen, und eine bessere Beichte ablegen wollen, ist, den Heiligen Geist um genaue Selbsterkenntnis zu bitten: Gott kann uns helfen, unsere Selbstrechtfertigungen zu durchbrechen und endlich ehrlich zu werden.

Ein zweiter Vorschlag ist, diese Handlungen objektiv und klar zu benennen, anstatt sie mit Selbstrechtfertigungen zu umschreiben, dass sie durch Stress oder Reaktionen auf andere oder einen schlechten Tag verursacht wurden. Sobald wir die Realität unserer Sünden aufgedeckt haben, ist es an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen.

Tipp 3: Jene, die uns am besten kennen, kennen unsere Fehler am besten. Ein guter Freund oder ein Familienmitglied, das in Liebe die Wahrheit sagt, ist von unschätzbarem Wert.


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Lesermeinungen

 Karlmaria vor 6 Stunden 

Das ist halt die Gefahr mit den Meinungen

Meinungen zu haben ist etwas sehr gefährliches. Meinungen sind so etwa das genaue Gegenteil von Demut. Nun ist ja jeder dazu berufen auch missionarisch zu wirken. Da sollte es aber nicht um Meinungen gehen. Ich habe da nur ganz wenige Punkte die ich immer wieder wiederhole. Dass die Kirche allumfassend ist und Gott alle Menschen liebt und will dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen zum Beispiel. Aber bloß keine Einzelheiten. Dazu fühle ich mich nicht berufen. Priester müssen das natürlich machen aber ich habe mich da gedrückt wenn sich Leute an mich hängen wollten. Das kann auch eine große Gefahr sein wo den Priestern dann ihre Weihe hilft. Ich war ja früher protestantisch und Protestanten wissen dass wir bis über beide Ohren in der Erbsünde stecken. Entsprechend sind auch unsere Meinungen nicht rein von der Erbsünde. Insofern ist es schon so dass außer Gott und den Nächsten zu lieben nicht viel übrig bleibt das wir ganz genau wissen!


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 Stefan Fleischer vor 6 Stunden 

Früher sagte man uns oft

"Der, der ich bin, grüsst traurig, den, der ich möchte sein."
Aber vielleicht stellen wir oft viel zu hohe Ansprüche nicht nur an unsere Nächsten, sondern auch an uns selbst. Wenn ich mich entscheide, Fussball zu spielen, kann ich nicht erwarten, gleich in der Nationalmannschaft mithalten zu können. Ich glaube, Gott sieht das auch so. Er erwartet Perfektion von jenen, welche er zur Perfektion berufen hat, von allen anderen nicht mehr als ehrliches Bemühen. Nicht umsonst erlaubt er uns, ihn Vater zu nennen.


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