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Zwischen Krippe und Weltpolitik. Die Gottesmutter als Ort des Friedens

vor 4 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Leo XIV.: Unbewaffnet und entwaffnend. Die Logik des göttlichen Segens als Weg zu Freiheit und Frieden. Das Geheimnis Mariens als Begegnung zwischen göttlicher Selbstentäußerung und menschlicher Hingabe. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In der Petersbasilika feierte Papst Leo XIV. am Oktavtag von Weihnachten, Hochfest der Gottesmutter Maria und zugleich Weltfriedenstag, die heilige Messe, in deren Mittelpunkt eine Deutung des biblischen Segens aus dem Buch Numeri stand: „Der Herr segne dich und behüte dich … der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden“ (Num 6,24–26). Dieser Segen wurde in seinem ursprünglichen Zusammenhang verortet, indem auf seine Stellung im Kontext der Weihe der Nasiräer hingewiesen wurde. Darin sei die fruchtbare Dimension der Gabe in der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk sichtbar geworden: Der Mensch bringe dem Schöpfer zurück, was er empfangen habe, und Gott antworte, indem er sein wohlwollendes Angesicht zuwende, „so wie am Anfang der Welt“, in Anspielung auf den Blick Gottes über die Schöpfung (vgl. Gen 1,31).

Leo XIV. beschrieb das Volk Israel, auf das dieser Segen ursprünglich gezielt habe, als „Volk der Befreiten“, das nach langer Sklaverei durch Gottes Eingreifen und die Antwort des Mose neu geboren worden sei. Dabei wurde die ambivalente Situation Ägyptens hervorgehoben: Sicherheit und Versorgung hätten bestanden, aber um den Preis der Unterdrückung, unter einer Macht, „die immer mehr verlangte und immer weniger gab“ (vgl. Ex 5,6–7). Demgegenüber habe in der Wüste zwar vieles gefehlt, dafür aber sei Freiheit geschenkt worden: ein Weg in die Zukunft, ein weises Gesetz, die Verheißung eines Landes ohne Ketten: letztlich eine neue Geburt.


Von dort aus lenkte der Papst den Blick auf den Beginn des neuen Jahres. Die Liturgie erinnere daran, dass jeder Tag - getragen von Gottes Barmherzigkeit und der freien Antwort des Menschen - als Neubeginn verstanden werden könne. Das Jahr erschien als „offener Weg“, den es in Freiheit, als Empfangende und Weitergebende von Vergebung, im Vertrauen auf Gottes Nähe zu gehen gelte. In diesem Horizont stand die Feier der Gottesmutterschaft Mariens. Ihr „Ja“ wurde als Beitrag dazu gedeutet, „dem Ursprung allen Erbarmens und aller Güte ein menschliches Antlitz“ zu geben: das Antlitz Christi, durch dessen Augen - Kind, Jugendlicher, Mann - die Liebe des Vaters zu den Menschen gelangt sei und sie verwandle. Am Beginn des Jahres sei daher die Bitte angemessen gewesen, den Segen Gottes als Geborgenheit und Licht zu erfahren, um den eigenen Weg und das Ziel bewusster zu erkennen, verbunden mit der Aufgabe, Gott Ehre zu geben „durch Gebet, durch die Heiligkeit des Lebens und indem wir einander seine Güte widerspiegeln“.

Der Gedanke wurde patristisch vertieft. Augustinus habe gelehrt, dass in Maria „der Schöpfer des Menschen Mensch wurde“, dass „der Lenker der Gestirne“ an der Mutterbrust saugte und „das Brot hungerte“, um zu befreien (Sermo 191, 1.1). Darin sei das Wesen des göttlichen Handelns sichtbar geworden: eine selbstlose Liebe, die - wie in der Botschaft zum Weltfriedenstag betont - „unbewaffnet und entwaffnend“ erscheine, nackt und schutzlos wie ein Neugeborenes. Diese Logik zeige, dass die Welt nicht durch „das Schärfen der Schwerter“, durch Verurteilen, Unterdrücken oder Beseitigen gerettet werde, sondern durch das Bemühen, zu verstehen, zu vergeben, zu befreien und anzunehmen, „ohne Berechnung und ohne Angst“.

Von hier aus wurde Maria selbst betrachtet: jenes Antlitz Gottes, das in ihrem Schoß Gestalt angenommen habe, habe ihr Leben verwandelt. Sie habe dessen Schönheit in der Kindheit Jesu betrachtet, ihn dann als demütige Jüngerin auf dem Weg bis zum Kreuz begleitet. Ihr Handeln sei als Entäußerung beschrieben worden: Verzicht auf Sicherheiten, Schutzmechanismen und Erwartungen, totale Hingabe, um den Sohn, den sie empfangen habe, der Welt zurückzuschenken. So sei in der Gottesmutterschaft die Begegnung zweier „entwaffneter Wirklichkeiten“ sichtbar geworden: Gott, der „auf alle Privilegien seiner Gottheit verzichtet“, um im Fleisch geboren zu werden (vgl. Phil 2,6–11), und der Mensch, der sich vertrauensvoll ganz überlasse und in Freiheit antworte. Diese Linie wurde mit Johannes Paul II. vertieft. Er habe auf die Hirten verwiesen, die „die entwaffnende Zartheit des Kindes, die überraschende Armut“ sowie die Demut Mariens und Josefs erfahren hätten, was ihr Leben verwandelt und sie zu „Heilsboten“ gemacht habe. Am Ende des Großen Jubiläumsjahres 2000 habe dieser zugleich daran erinnert, wie durch empfangene und geschenkte Vergebung, durch die Erinnerung an Märtyrer und den Schrei der Armen die heilbringende Gegenwart Gottes erkennbar geworden sei; Christus fordere die Gläubigen zu neuer Bereitschaft auf, „sein so altes und doch immer neues Evangelium zu verkünden“, um Geschichte und Kulturen zu beleben.

Zum Abschluss wurde der Blick ausdrücklich auf das Heilige Jahr der Hoffnung gerichtet. Am Beginn des neuen Jahres und nahe seinem Ende sei die Krippe als Ort des „entwaffnenden und entwaffneten“ Friedens bezeichnet worden, als Ort des Segens, der an die Wunder des Glaubens erinnere. Daraus wurde ein Vorsatz formuliert: sich wie die Hirten Gott lobend und preisend (vgl. Lk 2,20) dem anzuvertrauen, was gesehen und gehört worden sei und dies als Wegweisung für die kommenden Monate und das ganze christliche Leben zu verstehen.

 


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Lesermeinungen

 Fink vor 4 Stunden 
 

1. Januar - der Oktavtag von Weihnachten - "der achte Tag"

Lukas-Evangelium 2,21 "Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus".
Über die Jahrhunderte war der 1. Januar das Fest der "Beschneidung des Herrn" und der "Namensgebung Jesu".
Mit der großen Liturgie- und Kalender-Reform von 1969/1970 hat man daraus ein Marienfest gemacht. War das gut ? Wo man doch sonst - damals wie heute- soviel Wert auf die Ökumene (mit den Orthodoxen und den Evangelischen) legt !?


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