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Gott kommt als Gast. Zuhören und Dienen – zwei Haltungen für ein fruchtbares Leben

20. Juli 2025 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Papst Leo XIV.: Heilige Messe in Albano. Der Papst ruft dazu auf, Gastfreundschaft, Stille und Einsatz als Wege zu echter Gemeinschaft und zur Gegenwart Gottes neu zu entdecken. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Am 16. Sonntag im Jahreskreis feierte Papst Leo XIV. die Heilige Messe in der Kathedrale San Pancrazio der suburbikarischen Diözese Albano. In seiner Predigt meditierte der Papst über das biblische Motiv der Gastfreundschaft, das sowohl in der ersten Lesung aus dem Buch Genesis als auch im Evangelium des Tages zentral ist. Im Anschluss an seine Tage der Erholung in Castel Gandolfo kehrt Leo XIV. am Nachmittag in den Vatikan zurück.

Zu Beginn seiner Predigt begrüßte Papst Leo XIV. den Ortsbischof, die Vertreter des öffentlichen Lebens sowie die Gläubigen. Er stellte das gemeinsame Thema der biblischen Texte heraus: „In der heutigen Liturgie sprechen die erste Lesung und das Evangelium von der Gastfreundschaft, vom Dienen und vom Zuhören“. Der Papst verwies auf das Bild Abrahams, der am Eingang seines Zeltes sitzend drei Männer empfängt, in denen er die Gegenwart Gottes erkennt: „Es ist sehr schön zu sehen, wie er seine Rolle ausübt: Als er in den Besuchern die Gegenwart Gottes erkennt, steht er auf, läuft ihnen entgegen, wirft sich zu Boden und bittet sie, zu bleiben“. Abraham bringe Speise, Gesellschaft, Dienst und Schatten dar – „und sie erhalten das Versprechen eines neuen Lebens und einer Nachkommenschaft“. Diese Szene aus Genesis 18 sieht der Papst als Ausdruck einer Theologie des Empfangens und Antwortens: „Gott wählt den Weg der Gastfreundschaft, um Sara und Abraham zu begegnen und ihnen die Nachricht des Geschenks der Fruchtbarkeit zu überbringen, die sie sich so sehr wünschten und auf die sie nicht mehr zu hoffen wagten“.Das Evangelium (Lk 10,38–42) deutete der Papst im Licht derselben Dynamik: Jesus als Gast im Haus von Marta und Maria – einer dient, die andere hört zu. Die Gegenüberstellung beider Haltungen müsse jedoch überwunden werden: „Das Dienen und das Zuhören sind nämlich zwei zusammengehörige Ausprägungen der Gastfreundschaft“. Daraus folge eine doppelte Grundhaltung im Glaubensleben. Einerseits sei der konkrete Dienst notwendig – „in der Treue zu unseren Pflichten, je nach dem Stand und der Berufung eines jeden“. Andererseits brauche es „Momente der Stille und des Gebets“, in denen der Mensch sich vor Gott sammelt, um „von der Betrachtung des Wortes Gottes sowie von der Aufmerksamkeit für das auszugehen, was der Heilige Geist unserem Herzen eingibt“.


Der Papst ermutigte die Gläubigen, gerade in den Sommermonaten dieser Haltung Raum zu geben: „Zu diesem Zweck können die Sommertage ein günstiger Moment sein, um zu erfahren, wie schön und wichtig die Vertrautheit mit Gott ist und wie sehr sie uns helfen kann, offener und gastfreundlicher untereinander zu sein“. Er verband diesen geistlichen Vorschlag mit einem Aufruf zu menschlicher Nähe: „Nutzen wir diese Gelegenheit, um füreinander da zu sein, Erfahrungen und Ideen auszutauschen, einander Verständnis und Ratschläge zu schenken: Das gibt uns das Gefühl, geliebt zu sein, und das brauchen wir alle“. Aus der Verbindung von Sammlung und Gemeinschaft könne eine „Kultur des Friedens“ erwachsen. Der Papst führte aus: „Nur so, mit diesen Anstrengungen, kann man im Leben etwas Gutes aufbauen. Nur so entstehen und wachsen echte und starke Beziehungen zwischen den Menschen, und nur so, aus dem Alltag heraus, wächst das Reich Gottes“.

Mit einem Zitat von Papst Franziskus erinnerte er an die Jahre der Pandemie: „Wenn wir in der Freude leben wollen, müssen wir diese beiden Einstellungen miteinander verbinden: einerseits ‚sich zu Füßen Jesu setzen‘, um ihm zuzuhören […]; andererseits aufmerksam und bereit in der Gastfreundschaft sein, wenn er vorbeikommt und an unsere Tür klopft, mit dem Gesicht des Freundes, der einen Moment der Erholung und Geschwisterlichkeit braucht“ (Angelus, 21. Juli 2019).

Die Mühe, die mit dem Zuhören und Dienen verbunden ist, benannte der Papst offen: „Es kostet Mühe, sich zu verstehen, wenn man unterschiedliche Meinungen hat, sich gegenseitig zu vergeben, wenn man Fehler macht, einander zu helfen, wenn man krank ist, sich gegenseitig zu stützen, wenn man traurig ist“. Doch nur so „wächst das Reich Gottes, breitet sich aus und wird als gegenwärtig erfahren“.

In seiner Auslegung bezog sich Papst Leo XIV. auch auf eine Predigt des heiligen Augustinus. Dieser sah in Marta und Maria eine symbolische Darstellung zweier Lebensweisen: „das gegenwärtige und das künftige; das in der Mühe und das in der Ruhe; das leidvolle und das selige; das vergängliche und das ewige“ (Sermo 104,4). In einem Bild sagte Augustinus: „Das Schiff fährt vorüber und gelangt in die Heimat; aber in die Heimat gelangt man nur mit dem Schiff“ (ebd., 6–7).

Am Schluss betonte der Papst den Aufruf zur Einheit des christlichen Lebens aus Kontemplation und Arbeit, Stille und Aktivität: „Abraham, Marta und Maria erinnern uns heute genau daran: dass Zuhören und Dienen zwei sich ergänzende Haltungen sind, mit denen wir uns im Leben für die segnende Gegenwart des Herrn öffnen.“

Er schloss mit einer Zusammenfassung: „Ihr Beispiel lädt uns ein, in unserem Alltag Kontemplation und Aktion, Ruhe und Anstrengung, Stille und Fleiß in Weisheit und Ausgewogenheit in Einklang zu bringen; und dabei stets die Liebe Jesu als Urteilsmaßstab, sein Wort als Leuchte und seine Gnade als Kraftquelle zu wahren, die uns weit über unsere eigenen Möglichkeiten hinaus stärkt (vgl. Phil 4,13)“.

 


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