Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Bistum Trier entlässt AFD-Landtagsabgeordneten Schaufert aus einem Kirchengremium
  2. Schweiz: Bischof Bonnemain bei Beerdigung von Bischof Huonder
  3. Kardinal Müller: "Sie sind wie die SA!"
  4. Das Leben des Menschen ist schutzwürdig oder doch nicht?
  5. Ablehnung von Fiducia supplicans: Afrikas Bischöfe haben ‚für die ganze Kirche’ gesprochen
  6. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für mindestens 2024 und 2025!
  7. Eine kleine Nachbetrachtung zu einer Konferenz in Brüssel
  8. Höchstgericht entscheidet über Bibel-Tweet von Ex-Ministerin Räsänen
  9. Großes Interesse an Taylor Swift-Gottesdienst in Heidelberg
  10. Erzbistum Hamburg verliert 2023 Millionen Euro durch Mitgliederschwund
  11. ,Ich habe Pornographie gemacht – jetzt mache ich Rosenkränze!‘
  12. Meloni: Leihmutterschaft ist ,unmenschliche Praxis‘
  13. Vatikan: Religionsfreiheit durch Urteil gegen Kardinal bedroht
  14. Das Mediennetzwerk Pontifex, gegründet 2005 als "Generation Benedikt", beendet seine Tätigkeit
  15. "Ich glaube, dass Xi, Putin und der Iran wirklich die Achse des Bösen sind"

Feuer frei auf den Feuerkreis

30. Dezember 2023 in Schweiz, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Über den Umgang der Medien, wenn Missbrauch im rechten Spektrum der Kirche passiert – ein Kommentar von Martin Meier-Schnüriger.


Altendorf (kath.net/ swiss-cath)
Berichte über angebliche oder tatsächliche Missbrauchsskandale in der Katholischen Kirche nehmen kein Ende. Besonders gierig stürzt man sich auf Fälle, die in einem – je nach Ansicht – treu– oder erzkatholischen Milieu stattgefunden haben. Ja, wenn sich die Sittenwächter selbst nicht an ihre Regeln halten, dann – so das gängige Narrativ – taugen vermutlich ihre Sitten nicht viel und dürfen ruhig über Bord geworfen werden.
In diesen Tagen macht wieder einmal eine dieser unappetitlichen Geschichten die Runde. Das Medienportal «kath.ch» und die «SonntagsZeitung» berichten, dass zwei Priester, die in ihrer Freizeit für den katholischen Pfadfinderbund «Feuerkreis Niklaus von Flüe» tätig sind bzw. waren, übergriffiger Handlungen bezichtigt werden. Die beiden Fälle haben miteinander nichts zu tun und sind auch ganz verschieden gelagert. Doch darum geht es den Enthüllungsjournalisten nicht; für sie ist wichtig zu zeigen, dass der «Feuerkreis» und ähnliche Bewegungen eine dubiose und von der Aussenwelt abgeschottete Parallelgesellschaft bilden, in der Missbrauch sozusagen vorprogrammiert ist. Dass sie es dabei zuweilen mit Genauigkeit und Seriosität nicht allzu ernst nehmen, verkommt zur Randnotiz; bekanntlich heiligt der Zweck ja die Mittel ...
Genau genommen ist schon die Überschrift im «kath.ch»-Artikel falsch: «Traditionalistische Pfadi: Missbrauchsvorwürfe gegen zwei Priester». Der «Feuerkreis Niklaus von Flüe» ist weder traditionalistisch noch, wie er im Verlauf des Artikels auch bezeichnet wird, erzkatholisch, sondern schlichtweg katholisch. Die Gottesdienste wurden und werden – mit wenigen Ausnahmen – im neuen Messritus gefeiert, und zwar innerhalb der liturgischen Vorschriften, auf eine jugend- und kindergerechte Art. Die Pfadfinderübungen sind mit denen von «weltlichen» Scouts durchaus vergleichbar: Man geht ins Lager, kocht im Wald ab, baut Seilbrücken, lernt Erste Hilfe usw. Ergänzend kommen eine Stunde Katechese und als Abschluss der Übung die Feier der heiligen Messe dazu. Beichtgelegenheit wird angeboten, ist aber nicht verpflichtend.


«kath.ch» berichtet reisserisch von «Besuchen bei einem Exorzisten». Klickt man auf den angegebenen Link, landet man beim Pfarrer von Steinen SZ und Dekan des Dekanats Innerschwyz, Ruedi Nussbaumer, der sich auch beim «Feuerkreis» engagiert und in diesem Zusammenhang gelegentlich Scouts von anderen Abteilungen als Gäste empfängt. Davon, dass er als Exorzist tätig sein soll, ist nichts bekannt. Doch «kath.ch» erweckt bei den Lesern den Eindruck, als ob Minderjährige zur Teilnahme an Teufelsaustreibungen gezwungen würden.
Der «Feuerkreis» wurde 1988 als Alternative zu den sich immer mehr von der Kirche abnabelnden katholischen Jugendverbänden gegründet. Priester nehmen im «Feuerkreis» zwar eine wichtige Position ein, doch die eigentliche Leitung der einzelnen Abteilungen wie auch des Gesamtbundes liegt in den Händen von Laien, jungen Frauen und Männern, die sich in ihrer Freizeit mit viel Herzblut der Jugend- und Kinderarbeit widmen. Wie «kath.ch» und sein «Experte» Stefan Loppacher, der als Ex-Priester und Neoatheist («Gott ist tot, und ich vermisse ihn nicht») selbst eine fragwürdige Rolle spielt, unterstellen können, ein solches Umfeld sei besonders problematisch und «toxisch», bleibt ihr Geheimnis. Auf jeden Fall spricht es eher für als gegen den «Feuerkreis», dass in den 35 Jahren seines Bestehens gerade mal zwei mögliche Fälle von Missbrauch aufgetreten sind, wobei der eine Fall als zwar nicht akzeptabel, aber doch auch nicht besonders gravierend angesehen werden kann, und der andere zwar einen «Feuerkreis»-Priester betrifft, aber sich nicht im Rahmen des «Feuerkreises» abspielte.
Wie schon erwähnt, haben die beiden Fälle nichts miteinander zu tun, was «kath.ch» nicht daran hindert, Gemeinsamkeiten zu konstruieren. So gilt der Plattform etwa der Umstand, dass beide inkriminierten Priester von Erzbischof Wolfgang Haas geweiht wurden, als «Beweis» dafür, dass sie sich in einem Umfeld bewegten, das für Missbrauch besonders prädestiniert war.
Während «kath.ch» den einen Fall ungeniert mit vollem Namen und sogar mit einem nicht unkenntlich gemachten Bild des Angeschuldigten schildert, hält es sich im andern Fall scheinheilig an die journalistischen Regeln und benutzt ein Pseudonym, da ja, wie es jeweils so schön heisst, «die Unschuldsvermutung gilt». Allerdings ist der Artikel gespickt mit Andeutungen und Hintergrundinformationen, die es einem halbwegs kundigen Leser leicht machen, die Identität des Täters – so er denn überhaupt einer ist – zu ermitteln. In diesem Fall ist die Schuld des Beschuldigten nämlich keineswegs erwiesen, lässt doch «kath.ch» nur das mutmassliche Opfer zu Wort kommen, ohne Beweise für die Wahrheit seiner Aussagen zu erbringen.
Zwei Priester – im schlimmsten Fall! – haben an bestimmten Punkten ihres Lebens gesündigt. Sie sind schwach geworden, genauso wie jeder Mensch immer wieder schwach wird. Das ist die Tragik des Sündenfalls und der gebrochenen menschlichen Natur. Dass es sich um Priester handelt, also um Menschen, von denen man eine Vorbildfunktion erwartet, macht die Tragik ein Stück weit grösser. Es geht aber nicht an, für das Fehlverhalten zweier Menschen eine ganze Organisation verantwortlich zu machen. Der «Feuerkreis Niklaus von Flüe» ist nicht missbrauchsanfälliger als irgendeine andere Jugendbewegung. Etwas anderes zu behaupten ist in höchstem Mass unredlich – ein Missbrauch mit dem Missbrauch eben!
Wie selbst «kath.ch» berichtete, hat die Bundesleitung des "Feuerkreises" den mit Namen genannten und gerichtlich verurteilten Priester schon 2020 von jeglicher Aktivität im "Feuerkreis" ausgeschlossen und an ihrer Sitzung von Ende November 2023 auch den Priester mit dem Pseudonym "Andreas" bis zur Klärung des Falles suspendiert. Das zeigt, dass im "Feuerkreis" bezüglich Missbrauch Nulltoleranz herrscht.

Der Feuerkreis Niklaus von Flüe (FNF) ist Mitglied der unabhängigen Pfadfinderorganisation WFIS, die sich vor allem dem traditionellen Pfadfindertum nach Lord Baden-Powell verpflichtet fühlt und dieses hochhält. Der WFIS gehören weltweit 6.5 Millionen Menschen an und sie ist hinter WOSM und WAGGGS die drittgrösste, weltweite Pfadfinderorganisation.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 heikostir 30. Dezember 2023 
 

Vorsicht vor einseitigen Darstellungen!

Wer kath.ch regelmäßig ließt, kann sich als Katholik nur verwundert, manchmal auch entsetzt die Augen reiben, was da zu lesen ist. Einseitigkeit pur bei vielen Themen, auch bei der Missbrauchsfrage.

Doch leider gibt es das auch auf der anderen Seite: z.B. bei denjenigen, die behaupten, Missbrauch wäre eine Folge der Kirchen- und Liturgiereform durch das II. Vatikanische Konzil. Da wird dann bewusst klein geredet oder gar ausgeblendet, dass es Missbrauch auch vorher (siehe 50iger Jahre) gegeben hat.

Das Gebot der Stunde: Vorsicht bei allzu einseitigen Darstellungen und Lösungskonzepten, egal ob aus der sog. "liberalen" oder aus der sog. "konservativen" Seite.


2
 
 fidesetratio 29. Dezember 2023 
 

Offenlegung der Machenschaften von "Journalisten"

Danke für diesen hervorragenden Text!

Er seziert schonungslos, wie manche und leider nicht wenige sogenannte "Journalisten" mit der Wahrheit und mit Menschen umgehen. Denen geht es nicht um Berichterstattung sondern um Diffamierung.

Diesem Text kann man nur eine weite Verbreitung wünschen. Danke dass kath.net das ihm Mögliche dazu beiträgt.


2
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Werden Sie Schutzengerl für kath.net für mindestens 2024 und 2025!
  2. KOMMEN SIE MIT! EINMALIGE REISE - 13. Oktober 2024 in Fatima + Andalusien!
  3. Kardinal Müller: "Sie sind wie die SA!"
  4. Eine kleine Nachbetrachtung zu einer Konferenz in Brüssel
  5. Schweiz: Bischof Bonnemain bei Beerdigung von Bischof Huonder
  6. ,Ich habe Pornographie gemacht – jetzt mache ich Rosenkränze!‘
  7. Der Teufel sitzt im Detail
  8. Ablehnung von Fiducia supplicans: Afrikas Bischöfe haben ‚für die ganze Kirche’ gesprochen
  9. Das Mediennetzwerk Pontifex, gegründet 2005 als "Generation Benedikt", beendet seine Tätigkeit
  10. "Ich verzeihe dir, du bist mein Sohn. Ich liebe dich und werde immer für dich beten"
  11. Der Mann mit Ticketnummer 2387393
  12. Frankreich: „Inzwischen bedeutet Katholizismus, seinen Glauben erklären zu können“
  13. Taylor sei mit Euch
  14. Bistum Trier entlässt AFD-Landtagsabgeordneten Schaufert aus einem Kirchengremium
  15. Großes Interesse an Taylor Swift-Gottesdienst in Heidelberg

© 2024 kath.net | Impressum | Datenschutz