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Pius XII. – Ein Paradigmenwechsel bahnt sich an.

13. Oktober 2023 in Weltkirche, 4 Lesermeinungen
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In Rom diskutierten jüdische und katholische Historiker und Theologen die neu entdeckten Dokumente über den Weltkriegspapst und den Holocaust - Von Michael HESEMANN


Rom (kath.net/mh)

Im März 2020 öffnete Papst Franziskus die vatikanischen Archive zum Pontifikat Pius XII. (1939-1958) in der Hoffnung, damit eine seit 60 Jahren andauernde Debatte zu beenden: schwieg der Weltkriegs-Papst tatsächlich zum Jahrtausendverbrechen des Holocaust, wie 1963 der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth in seinem Schauspiel „Der Stellvertreter“ behauptete, und wenn ja, aus welchem Grund?

Dreieinhalb Jahre später, vom 9.-11. Oktober 2023, lud die päpstliche Universität Gregoriana jüdische und katholische Historiker und Theologen ein, um über ihre jüngsten Erkenntnisse zu berichten und zugleich ein neues Kapitel im Dialog zwischen Juden und Katholiken aufzuschlagen. Der Zeitpunkt konnte symbolträchtiger nicht sein: zum jüdischen Laubhüttenfest, zum 65. Todestag von Pius XII. und kurz vor dem 80. Jahrestag des „Blutsabbats“, des 16. Oktobers 1943, als die SS die Juden Roms verhaften und nach Auschwitz deportieren sollte. So war es geplant. Was die Veranstalter nicht ahnen konnten: Die internationale Konferenz „Neue Dokumente aus dem Pontifikat Papst Pius XII. und ihre Bedeutung für jüdisch-christliche Beziehungen“ fand gerade statt, als der Staat Israels den brutalsten terroristischen Angriff seiner Geschichte abwehren und 1200 Tote beklagen musste. Mehr Juden waren nur im Holocaust an einem Tag ermordet worden.

Die tragischen Ereignisse in Israel lagen wie ein Schatten über dem Kongress an der Gregoriana. Sie verhinderten, dass die zu ihm eingeladene israelische Delegation aus Yad Vashem nach Rom reisen konnten. Aber sie relativierten auch den Streit zwischen den Experten, denn gleich, wie man die Rolle des Vatikans während der Schoa beurteilt – man war sich einig in der Solidarität mit Israel und erkannte umso mehr die Versöhnung von Juden und Christen als Gebot der Stunde. So beherrschte ein wohltuender gegenseitiger Respekt die Stimmung auf dieser Konferenz, während Rom mit schönstem Spätsommerwetter als lichtes Zentrum einer sich verdunkelnden Welt erschien. Dadurch wurde vielleicht aber auch Schlimmeres verhindert – denn eine doch ziemlich einseitige Auswahl der Referenten, primär durch das amerikanische Holocaust-Museum in Washington, hätte die Konferenz auch ganz schnell zum Tribunal mit dem Papst auf der Anklagebank werden lassen – und das hätte Pius XII. nun wirklich nicht verdient.

So aber traten der Veranstalter von „gregorianischer“ Seite, Bischof Etienne Veto, und seine amerikanische Mit-Gastgeberin, Suzanne Brown-Fleming vom United States Holocaust Memorial Museum, bewusst einträchtig nebeneinander auf, als interessantes Duo der Gegensätze und Gemeinsamkeiten. Man habe „eine Ebene gegenseitigen Vertrauens“ erreicht und schwor auf das Modewort „Diversity“. Doch oft fehlte es dann doch am Meinungspluralismus, wurde von einem Großteil der Referenten ein ziemlich einseitiges Bild serviert, während man die Arbeit anderer Experten nur allzu gerne ignorierte. Stattdessen wurde munter relativiert und moralisiert: „Wir wollen nicht urteilen“ lautete ein oft gehörtes Mantra, „wir wollen vielmehr lernen, wie man es besser machen kann“. Einig waren sich alle nur in einem: „Erst in zehn bis fünfzehn Jahren wird sich ein vollständigeres Bild ergeben“. Das garantiert zumindest Forschungsgelder für die nächsten anderthalb Jahrzehnte, bis man, natürlich, sich noch immer nicht einig sein wird, solange man konsequent unbequeme Fakten ignoriert.

Ein paar Beispiele seien angeführt.

Der erste Sensationsfund, der sogar in einer Sonderveranstaltung präsentiert wurde, war die Entdeckung von „Birolos Liste“; sie führt die Namen von rund 4400 Personen auf, die während der deutschen Besatzung Roms vom September 1943 bis Juni 1944 in 182 römischen Klöstern (davon 42 Männerklöstern) versteckt worden waren und von denen mindestens 3647 eindeutig als Juden identifiziert werden konnten. Gozzolini Birolo, ein Jesuitenpater und Mitarbeiter des Biblicums, war direkt nach dem Abzug der Deutschen von seinem Ordensbruder Pater Leiber, seines Zeichens Privatsekretär von Papst Pius XII., gebeten worden, diese Liste zur Dokumentation der vatikanischen Hilfeleistungen anzufertigen. Sie kann in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn sie beweist, was Pius-Verteidiger schon immer behauptet hatten: Dass nach der Judenaktion vom 16. Oktober 1943 Papst Pius XII. die Klöster aufforderte, Juden zu verstecken und auf diese Weise 80 % der römischen Juden die Besatzungszeit überlebten. Doch genau das zweifelte der junge Jesuitenpater Dr. Dominik Markl, der im Biblicum die Liste vorstellte, an, wörtlich: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass dies auf Anordnung des Papstes geschah“. Dabei räumte sogar der Münsteraner Kirchengeschichtler Prof. Hubert Wolf, bislang einer der schärfsten Kritiker Pius XII., ein: „Es ist doch naiv, zu glauben, dass in einer Stadt voller deutscher Soldaten Priester schriftliche Anweisungen des Papstes in die Klöster trugen“. Ganz nebenbei: Auch einen schriftlichen Befehl Hitlers zum Holocaust suchte die Forschung bislang vergebens. Tatsache aber ist: Pius XII. schickte nur wenige Tage nach der Razzia seinen Neffen Carlo Pacelli zu dem österreichischen Bischof Alois Hudal, der gute Beziehungen zu den deutschen Besatzern unterhielt und bewirkte, dass der deutsche Stadtkommandant Generalmajor Stahel 550 Plakate drucken ließ, die Häuser zu „Eigentum des Heiligen Stuhls“ erklärten und deutschen Soldaten und SS-Männern den Zutritt verbot (woran sich diese, erstaunlicherweise, dann auch hielten). Nur durch diese Aktion, die eindeutig vom Papst ausging, wurden die Klöster zu „sicheren Häusern“ für jüdische Flüchtlinge. Dann, am 25. Oktober veröffentlichte Pius XII. in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ einen dringenden Aufruf, allen Verfolgten, „gleich welcher Rasse oder Religion“, Schutz zu gewähren – womit zum damaligen Zeitpunkt natürlich nur Juden gemeint sein konnten. Und plötzlich ist sie doch wieder da, die Anordnung des Papstes!


Geradezu ignorant war Amadeo Guerrazzi von der Universität Padua, der über die Razzia vom 16. Oktober 1943 sprach. Zu dieser hat besagter Bischof Hudal ein Memorandum verfasst: Carlo Pacelli habe ihn gebeten zu intervenieren, er habe General Stahel angerufen und ihm erklärt, der Papst drohe mit einem Protest, der die Italiener gegen die Deutschen aufbringen würde, und so hätte Stahel bei Himmler den Abbruch der „Judenaktion“ bewirkt. Das, so Guerrazzi, sei nicht wahr; die SS hätte einfach keine Juden mehr gefunden, das Telefonat mit Himmler hätte sich Stahel bloß ausgedacht, um die Kirchenmänner zu beruhigen. Was der italienische Professor vergaß: Von zwei deutschen Offizieren liegen eidesstattliche Erklärungen vor, die das Gegenteil beweisen. Leutnant Kunkel aus dem Stab Stahels war dabei, als Stahel mit Himmler telefonierte und Generalmajor (damals Oberst) Beelitz aus dem Stab General Kesselrings wurde Zeuge, wie Stahel von seinem Telefonat mit Himmler erzählte. Beide Zeugnisse finden sich in der Positio zum Seligsprechungsprozess Pius XII., die der große, vor einem Jahr verstorbene Jesuit und Historiker Pater Prof. Peter Gumpel erstellt hatte. Tatsächlich erfuhr Himmler die Hintergründe und ließ Stahel nur zwei Wochen später an die Ostfront versetzen, wo er in russische Kriegsgefangenschaft geriet und in Sibirien verstarb. Sein Einsatz war also keine Lüge, sondern bitterer Ernst, den er mit seinem Leben bezahlte.

Ziemlich fragwürdig war auch die Interpretation des Vatikan-Archiv-Mitarbeiters Giovanni Coco, der den zweiten Sensationsfund dieser Konferenz vorstellte, den Brief eines deutschen Jesuiten an Pater Leiber, in dem schon im Dezember 1942 von einem „SS-Hochofen“ in Rawa Russka die Rede war, in dem täglich 6000 Juden getötet würden. Damit, so Coco, sei klar, dass der Papst schon früh „das über den Holocaust am besten informierte Staatsoberhaupt“ war und umso unverständlicher, dass er dieses Wissen nicht mit der Welt teilte. Doch Coco als Historiker machte einen Anfängerfehler, den man als „Fallstrick des Anachronismus“ bezeichnet. Er bewertete diese Information aus heutiger Perspektive; wir wissen, dass es 22 km von Rawa Russka entfernt das KZ Belzec gab, das ein Todeslager war (wenngleich auch ohne Krematorium, weshalb der Begriff „Hochofen“ etwas befremdlich wirkt). Wie aber ging man 1942 damit um? Tatsächlich ist schon lange bekannt, dass seit Sommer 1942 Gerüchte über Todeslager die Amerikaner, Briten und den Vatikan erreichten. Doch die Berichte stammten oft aus vierter Hand und waren in sich so widersprüchlich, dass selbst jüdische Organisationen (wie Guggenheim vom Jüdischen Weltkongress, der den Riegner-Bericht von 1942 entsprechend zensierte) ihnen keinen Glauben schenkten. So war, wollte man eine Blamage auf heikelstem diplomatischen Parkett vermeiden, äußerste Vorsicht angesagt.

Andere Historiker gingen ähnlich nachlässig mit den Fakten um. So referierte der Rumäne Ion Popa, der gleich ein Buch zu dem Thema ankündigte, über die allzu freundlichen diplomatischen Beziehungen zwischen dem Antonescu-Regime und dem Vatikan. Sie dienten, so Popa, dem Zweck, einerseits die rumänischen Morde an zehntausenden Juden zu vertuschen und andererseits, den Vatikan als Wohltäter der Verfolgten darzustellen. Doch bei genauerer Betrachtung ging es damals sehr viel weniger zynisch zu. Auf Druck des Vatikans nämlich lieferte Rumänien seine Juden eben nicht an die Deutschen aus, die sie ermordet hätten, sondern deportierte sie in das freilich rückständige Transnistrien. Zwölf diplomatische Interventionen des Nuntius Cassulo zeigen, dass es dabei keineswegs harmonisch zuging; erst als die Rumänen die Wünsche Roms weitgehendst erfüllten und auch direkte Hilfe in Transnistrien zuließen, zeigte sich der Heilige Stuhl erkenntlich.

Die eigentliche Überraschung der Konferenz aber war keine der Auslassungen einseitig (oder oberflächlich) arbeitender Historiker, sondern ein regelrechtes Erweckungserlebnis. Bislang gingen selbst seriöse Holocaust-Forscher davon aus, dass der Vatikan und Pius XII. nur oder zumindest bevorzugt Katholiken jüdischer Abstammung half, die unter die faschistischen Rassengesetze gefallen waren. So auch auf der römischen Konferenz. Brown Fleming etwa sprach von einer „überwältigenden Unterstützung für Katholiken, die unter die Rassengesetze fielen“. David Kertzer, Autor des kontroversen Bestsellers „The Pope at War“, behauptete in seinem Buch wie auf der Konferenz: „Der Vatikan versuchte nur, getaufte Juden zu retten“. Die italienische Historikerin Raffaela Perin erklärte: „Die Bekehrung der Juden war Ziel der katholischen Kirche in den 1930er Jahren“. Doch die Archivbestände des Vatikans sprechen eine ganz andere Sprache. Das musste der Münsteraner Hubert Wolf lernen, als er in den neuerdings zugänglichen Archivbeständen für ein wissenschaftliches Projekt seiner Universität an die 1700 Hilfsgesuche verfolgter Juden an den Vatikan auswertete. Die erste Überraschung: 90 % wurden bearbeitet. Die zweite: 10 % wurden dem Papst persönlich vorgelegt, der in jedem Fall konkrete Hilfe anordnete. Die dritte Überraschung: Es gab keinen Unterschied in der Behandlung getaufter und ungetaufter Juden. Wolf: „Im Gegenteil. Bei den Katholiken wurde noch gefragt, ob es denn auch gute Katholiken seien. Bei den Juden stellte man keine Fragen, sondern half einfach!“

Diese Beobachtung bestätigte Johan Ickx, Leiter des historischen Archivs des vatikanischen Staatssekretariats, dessen Vortrag vielleicht der Höhepunkt des dreitägigen Kongresses war. Denn Ickx, der im Auftrag des Papstes die Akten für die Freigabe vorbereitete, hat den weitaus besten Überblick über deren Inhalt. Auch er hatte noch 2018 geglaubt, der Vatikan hätte nur Konvertiten geholfen und sich dafür eine Erklärung zurechtgelegt: Natürlich muss sich ein Hirte zuerst um die eigene Herde kümmern, Glaubensjuden hatten eigene Hilfsorganisationen, die sich für sie (aber nicht für Konvertiten) einsetzten, das Konkordat erlaubte der Kirche nur den Einsatz für „katholische Nichtarier“, Hilfe für Juden war riskant. „In Berlin bekommt man schon Schwierigkeiten, wenn man dabei zuschaut, wie ein Jude zusammengeschlagen wird“, berichtete der Nuntius Cesare Orsenigo aus der Reichshauptstadt. Doch dann musste Ickx feststellen, dass die überwiegende Zahl der insgesamt 17.000 Hilfsgesuche (von denen Wolf also gerade einmal 10 % gesichtet hat) Glaubensjuden betreffen. Offenbar ging bei Juden die Kunde um, dass der Papst helfen kann und hilft. Tatsächlich hatte Pius XII. nicht nur 1940 auf einem Konsistorium „Hilfe für Flüchtige … auch jene semitischer Herkunft“ gefordert, sondern auch gleich die Initiative ergriffen. „Als ich all diese Dokumente las“, so Ickx, „entdeckte ich eine regelrechte Struktur, die im Verborgenen arbeitete und die Juden auf vielerlei Weise Hilfe leistete, über geheime ebenso wie über offizielle Kanäle.“ Diese Struktur, er nennt sie „das Büro“, war auf lokaler (römischer), nationaler (italienischer), kontinentaler (europäischer) und globaler Ebene aktiv. Es wurden Fluchtkorridore geschaffen, es wurden lokale Bischöfe involviert (in Italien etwa die Bischöfe und Erzbischöfe von Florenz, Assisi  - wo allein 300 Juden Zuflucht fanden, die aus allen Teilen des Landes stammten -, Genua, Verona oder Salerno), es wurden die Nuntien in den von den Nazis besetzten Ländern darauf angesetzt, Deportationen aufzuschieben, Juden außer Landes zu bringen oder zu verstecken, es wurden die Nuntien und Erzbischöfe eventueller Fluchtziele gebeten, Visa zu beschaffen. „Sie alle waren aktiv, taten, was sie konnten, um Menschen aus gefährlichen in sicherere Länder zu schleusen und so viele Juden wie möglich vor dem Zugriff der Nazis zu retten.“ Ickx weiter: „Dieses Büro für die Juden war einzigartig – keine andere Regierung bot praktische Hilfe dieser Art an. Viele der Bischöfe und Nuntien, die daran mitarbeiteten, wurden als ‚Gerechte unter den Völkern‘, als Helfer der Juden im Holocaust geehrt, obwohl keiner von ihnen selbständig gehandelt hat, sondern stets auf Anweisung von höchster Stelle – von Pius XII.“

So wurde die römische Konferenz trotz einiger Enttäuschungen schließlich zum Wendepunkt. Mag der eine oder andere noch immer versuchen, seine liebgewonnenen Vorurteile krampfhaft zu verteidigen, so kündigt sich doch durch Männer wie Ickx und Wolf ein Paradigmenwechsel an. Pius XII. war eben doch nicht „nur“ der Papst, der schwieg; er war in erster Linie der Papst, der half. Es muss klar sein, dass in der angespannten Situation jener Zeit jeder offene Protest dieses klandestine Hilfswerk massiv gefährdet, wahrscheinlich sogar zu seiner Zerstörung geführt hätte. So liefern die neuentdeckten Dokumente zumindest eine Erklärung für das angebliche „Schweigen“ des Papstes, oder besser: die vorsichtige Wortwahl in seinen immerhin drei öffentlichen Erklärungen zu den Gräueln der Schoa. Jetzt sind die Moraltheologen gefragt: Wäre ein Protest es wert, hunderttausende Menschenleben zu gefährden? Oder hat es tatsächlich Priorität, um jeden Preis Leben zu retten? Die Diskussion um Pius XII. wird uns noch eine Zeit lang begleiten, aber eines hat sich auf der Konferenz in Rom gezeigt: Es kommt Bewegung in die so leidenschaftlich geführte Debatte!

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Foto: (c) Michael Hesemann


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Lesermeinungen

 Felix87 13. Oktober 2023 
 

Die Juden: Gottes edler Ölbaum

"Wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgehauen und gegen die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, dann werden erst recht sie als die von Natur zugehörigen Zweige ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden." Röm 11, 24.

Ich bin sicher Pius XII. hat auch aus dieser besonderen Verantwortung für die Juden heraus gehandelt, damit sie einmal leichter das Evangelium werden annehmen können, in einer Zeit die Gott allein bestimmt.


2
 
 Schillerlocke 13. Oktober 2023 
 

Es ist sehr wichtig und sehr richtig,

dass nun ein differenziertes Bild dieser furchtbaren Zeit entsteht. Allmählich wird immer deutlicher, dass Papst Pius XII sich um ein umsichtiges und kluges Vorgehen zur Rettung der Juden bemühte. Es sollte wohl vermieden werden, durch zu lauten Aktionismus Öl ins Feuer zu gießen und dadurch ungewollt Schaden anzurichten. Man darf nicht vergessen, dass die nationalsozialistischen Täter unberechenbare Verbrecher waren, die man nicht reizen durfte. Vieles, was die Kirche in Rom und Italien unternahm, geschah im Verborgenen, um die Aufmerksamkeit der Nazis nicht zu erregen.


3
 
 Erik 13. Oktober 2023 
 

Ein "Santo Subito"....

..wird man bei Pius XII wohl nicht mehr hören. Aber langsam verschwinden die Hindernisse - aber vor allem wird man ihm und seinem Ringen gerecht. Leider ist mit Dreck zu werfen immer noch einfacher und gewinnbringender.


3
 
 Perlinde 13. Oktober 2023 
 

Gott sei Dank

gibt es Historiker wie Michael Hesemann. Danke für
den Artikel


4
 

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