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Estland: Patriarch Bartholomaios übt heftige Kritik an Moskau

15. September 2023 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Patriarch von Konstantinopel absolviert mehrtägigen Estland-Besuch - Ziel ist Stärkung der eigenständigen estnischen Orthodoxie gegenüber der Russisch-orthodoxen Kirche


Tallin (kath.net/KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat am Mittwoch in der estnischen Hauptstadt Tallin einen Gottesdienst aus Anlass der 100-jährigen Autonomie der Estnischen Orthodoxen Kirche gefeiert. In seiner Predigt beim Gottesdienst in der orthodoxen Simeon-und-Anna-Kathedrale fuhr der Patriarch auch einmal mehr schwere Geschütze gegen die Russisch-orthodoxe Kirche auf. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel sei 1923 dem Ansuchen der orthodoxen Kirche Estland zur Verleihung der Autonomie bereitwillig nachgekommen, und das gegen den Willen Moskaus, so der Patriarch, und weiter wörtlich: "Wir treffen Entscheidungen im Einklang mit den heiligen Kanones der Kirche, aber die andere Seite setzt Waffen ein, bedroht und umgeht die heiligen Kanones und Ordnungen der orthodoxen Kirche."

Die unabhängige orthodoxe Kirche in Estland habe schwere Zeiten durchgemacht, würdigte der Patriarch die Standhaftigkeit der Kirche. Es habe auch viele Märtyrer gegeben, so Bartholomaios, der die Geschichte der Kirche in Estland mit der aktuellen Situation in der Ukraine verglich. Nach der Unabhängigkeit Estlands wurden die orthodoxen Gemeinden des Landes 1923 vom Moskauer Patriarchat gelöst und als Estnische Orthodoxe Kirche dem Ökumenischen Patriarchen unterstellt. Als Estland nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Sowjetunion wurde, wurde die orthodoxe Landeskirche 1944 faktisch wieder dem Moskauer Patriarchat unterstellt, was erst 1978 von Konstantinopel notgedrungen legitimiert wurde.


Die Estnische Orthodoxe Kirche bestand nur in der Emigration fort. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit bemühten sich die orthodoxen Esten um die Wiederherstellung ihrer Landeskirche und deren staatliche und kirchliche Anerkennung. Die staatliche Anerkennung erfolgte 1993, die kirchliche Anerkennung 1996, als Patriarch Bartholomaios erklärte, dass die 1923 ausgesprochene Anerkennung der Estnischen Orthodoxen Kirche wieder in Kraft sei. Das Moskauer Patriarchat legte dagegen scharfen Protest ein. Faktisch gibt es in Estland zwei orthodoxe Kirchen. Neben der "Estnischen Apostolischen Orthodoxe Kirche", zu der die relativ wenigen orthodoxen Gläubigen estnischer Nationalität gehören und die dem Ökumenischen Patriarchat angehört, besteht noch die größere "Estnisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats", die die vielen russisch- und ukrainisch-stämmigen Gläubigen vereint. Metropolit Stephanos (Charalambides), Oberhaupt der "Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche" ist ein ethnischer Grieche, Metropolit Eugeni (Reschetnikow), Oberhaupt der "Estnisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats" Russe.

Im vergangenen Oktober hatte sich Metropolit Eugeni (erst) auf Druck der estnischen Regierung von Äußerungen des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchen Kyrill I. zum Krieg in der Ukraine distanziert. Bei der Volkszählung 2011 bekannten sich insgesamt 16 Prozent der 1,3 Millionen Esten zum orthodoxen Christentum. Dank an estnische Politik Unmittelbar nach seiner Ankunft in Estland am Dienstag hatte der Patriarch in Tallin den estnischen Präsidenten Alar Karis und Premiereministerin Kaja Kallas getroffen. Beim Gottesdienst am Mittwoch dankte Bartholomaios ausdrücklich dem estnischen Staat, dem Präsidenten und dem Premierminister für den "anhaltenden Schutz unserer autonomen orthodoxen Kirche". Am Mittwoch traf der Patriarch zudem u.a. mit dem estnischen Parlamentspräsidenten Lauri Hussar und Innenminister Lauri Läänemets zusammen. Der mehrtägige Besuch des Patriarchen von Konstantinopel ist vor dem Hintergrund zu sehen, die eigenständige estnische Orthodoxie gegenüber der Russisch-orthodoxen Kirche zu stärken.

 

Copyright 2023 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten

 

Foto: (c) Wikipedia


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