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Wenn Pfarrer sich zum Affen machen (lassen)

21. Februar 2023 in Kommentar, 15 Lesermeinungen
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Warum nur lassen sich Pfarrer in diesen Tagen so bereitwillig zum Affen für liturgische Gaudi machen? - Ein Gastkommentar des Theologen Hubert Windisch


Regensburg (kath.net)

Immer wieder zum Ausklang des Faschings überbieten sich viele Pfarreien darin, der Welt zu zeigen, daß auch die Kirche Sinn für Humor und Fröhlichkeit hat. Dabei geben sie zusammen mit ihren Pfarrern allerdings oftmals nur Anlaß für den Vorwurf, den Kurt Tucholsky in seinem berühmten Braut- und Sportunterricht schon in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts gegenüber den evangelischen Landeskirchen erhoben hat. Er schreibt dort anklagend, die Kirche sage im Wettstreit der Weltanschauungen nicht mehr „Wir“, sondern nur noch „Wir auch“. Genau diesen Eindruck gewinnt man bei so manchem Faschingsgebaren in den Pfarreien, dem sogar Heiliges zum Opfer fällt. Gegen einen schönen Pfarrfasching oder Kinderfasching im Pfarrheim ist nichts einzuwenden, nichts gegen einen Krapfenverkauf nach einem Sonntagsgottesdienst, wohl aber dagegen, daß die heilige Messe zum Faschingstreiben wird. Fasching ist keine Eucharistiefeier, und die Eucharistiefeier ist kein Fasching. Es ist gegen das Wesen der heiligen Messe, wenn der Faschingssonntag gleichsam zu einem neuen liturgischen Hochfest erhoben wird. Aus dem Gaudium (der Freude) der Eucharistie wird dann eine deplazierte Gaudi.


Versetzen wir uns einmal in Gedanken in folgende Szene: Da kommt ein Gottsucher am Faschingssonntag in den Hauptgottesdienst, weil man ihm sagte, da würden die Katholiken als Christen das Geheimnis ihres Glaubens feiern. Was kann er erleben? Nach einem lustigen musikalischen Eingangsspiel begrüßt der Pfarrer, der auch ein paar Luftschlangen um das Meßgewand hängen hat, mit launigen Worten die Narrengemeinde. Anstelle einer Lesung aus den Propheten oder den Briefen des Apostels Paulus wird eine lustige Geschichte vorgetragen. Das Evangelium wird durch einen Sketch ersetzt, den Maskierte aufführen: „Damit Jesus auch einmal etwas zu lachen hat“. Das Credo entfällt. Auch die Fürbitten strotzen vor Lustigkeit. Spätestens hier verläßt der Gottsucher kopfschüttelnd den Gottesdienst und sagt sich: In eine lächerliche Kirche möchte ich nicht eintreten.

Man stelle sich vor, jemand wollte in das Freitagsgebet der Muslime oder in einen jüdischen Synagogengottesdienst Faschingselemente miteinbringen. Mit Stöcken würde man ihn verjagen. Wir Christen brauchen keine Stöcke. Wir brauchen nur das Gespür dafür, was sich wann und wo gehört und was nicht. Die heilige Messe ist kein Fasching, aber sie kann eine Quelle sein für tiefe Freude und damit auch für echte Faschingsfröhlichkeit mitten in der Welt. Warum nur lassen sich Pfarrer in diesen Tagen so bereitwillig zum Affen für liturgische Gaudi machen?


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