Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  3. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  4. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  5. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  8. Die Stunde der Heuchler
  9. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  10. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  11. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition
  12. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom
  13. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  14. Ist Jesus der Herr?
  15. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken

Arroganz und Naivität gingen hier eine seltsame Mischung ein

19. Juli 2022 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Neulich in der Heimatgemeinde des ZdK in der Herz Jesu Pfarre in Berlin - Nicht ganz dreißig Leute fanden in einem Stuhlkreis Platz vor dem Altar, nach und nach zogen alle Maske über - Ein Gastkommentar von Julian Adrat aus Berlin


Berlin (kath.net)

Am Sonntag trat in Herz Jesu auf dem Prenzlauer Berg vor dem Schlusssegen ein Mann mit Warnweste an die Kanzel und verkündete: Freitagabend, 8 Uhr, trifft sich der Synodale Weg. Der Bus hänge im Graben. Warnweste hin oder her, er hätte schlecht von der Braut Christi sprechen können, die im Graben hängt, aber er hatte mich neugierig gemacht.

Homo-Segnungen und Frauenpredigten waren die Hauptanliegen, die sich auf den beiden vorangegangenen Treffen herauskristallisiert hatten, las ich auf der Homepage. Nicht ganz dreißig Leute fanden in einem Stuhlkreis Platz vor dem Altar, nach und nach zogen alle Maske über. Bis auf ein Ehepaar, einem Priester aus der Gemeinde, neben dem ich saß, mir und dem Überraschungsgast: Herr Klose. Ein hoher Funktionär des ZdK. Herz Jesu ist gewissermaßen die Heimatgemeinde des ZdK, seit es dieses Jahr von Bonn nach Berlin gezogen ist, über unseren Gemeindesaal.

Für einen Anhänger des Synodalen Wegs ist ein Vertreter der Führungsriege des ZdK so etwas wie ein Bischof für den gewöhnlichen Gläubigen, zumindest was die Autorität anbelangt. Die erste Dreiviertelstunde lauschte die Versammlung andächtig den Ausführungen von Herrn Klose. Die Krise sei „systemisch“. „Ihr müsst mich stoppen“, sagte Herr Klose, dem sein Redeanteil selbst unangenehm schien. Aber niemand tat es. Absolute Einigkeit herrsche, was Macht und Hierarchie anbelangt: Sie gehörten abgeschafft.


 Als freischaffender Künstler stelle ich mir so die gefürchteten Meetings im Büroleben vor, in denen nichts gesagt wird, die aber alle Zeit kosten. Wenn etwas überhaupt nicht ginge, dann, wenn die Kirche die Demokratie untergrabe, ereiferte sich eine Dame hinter OP-Maske. Wie jetzt in den USA geschehen mit dem Ausschluss Nancy Pelosis von der Eucharistie. Nancy Pelosi ist Sprecherin des Repräsentantenhauses, Abtreibungslobbyistin und hat als bestbezahlteste Politikerin der Welt ein Vermögen von 215 Millionen Dollar angehäuft, größtenteils über ein glückliches Händchen mit Aktien von Firmen, die sie als Abgeordnete mit zu beaufsichtigen hat. Kurz glühte der Funken moralischer wie theologischer Grenzerfahrung auf, die ich eigentlich für diesen Abend erwartet hatte. Der Mann mit Warnweste (die er an diesem Abend nicht trug) reagierte aber sofort, wofür ich ihm dankbar war. Er bat eine andere Frau, die Zusammenfassung der letzten beiden Treffen nochmal vorzulesen.

Dann streckte ich die Hand nach dem Mikro aus. Es war schon fast neun. Ich habe Netflix und in Berlin gibt‘s tolle Bars. Ich höre die ganze Woche über interessante Menschen reden. Je interessanter, desto erfolgreicher sind sie meistens. Ich habe einen Spotify-Premium-Acccount. Im Idealfall, sagte ich, höre ich in der Kirche jemanden predigen, der ein Stück Himmel verkörpert. Ein Gegenstück zu unser aller Wunsch nach Geld, niemandem gehorchen zu müssen und Sex. Etwas, das ich so die Woche über nicht höre: Armut, Gehorsam, Keuschheit, Ehelosigkeit. Weder verstünde ich das Bedürfnis nach Frauenpredigten von Seiten Gläubiger noch die Arroganz, die jemand in sich trage, der glaube, ihn sprechen zu hören, seien die Menschen in die Kirche gekommen… Arroganz und Naivität gingen hier eine seltsame Mischung ein. Wenn ein Laie hinter die Kanzel tritt, greife ich zum Handy. Mit meinen 31 war ich übrigens der jüngste der Runde.

Es klingt fast so verrückt wie die evangelischen Räte selbst, aber ich glaube, Menschen, die im Synodalen Weg mitlaufen, haben privat keinen Umgang mit Katholiken, die katholisch glauben. Ein Ehepaar dankte für meinen Beitrag und stellte sich mir namentlich vor, ehe es in eine Gruppenarbeit ging: „Warum wir (noch) nicht aus der Kirche ausgetreten sind“. Der Abend klang im Hof bei Bier und Wein aus. Zum Abschied bekam Herr Klose einen Strauß Blumen. Die Zivilisiertheit des Tons hat mich überrascht. Es ist aber an den „Konservativen“, ihren Mund aufzumachen, Freitag hin oder her. Mission fängt heute in den Gemeinden an. Den Synodalen Weg und den Versuch, eine zweite evangelische Kirche zu gründen, gäbe es nicht, wenn sich die Katholiken, gerade in den Großstädten, nicht nur vom Sehen sondern auch mit Namen kennen würden.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  8. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  9. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Papst Leo XIV.: 'Abtreibung ist der größte Zerstörer des Friedens'
  12. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  13. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  14. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  15. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz